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Deutsche Bahn Diese Frau soll die Züge pünktlicher machen

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Schlanker, flexibler und robuster

Jeschke ist zur Bahn gekommen, um die Verlässlichkeit auf der Schiene zu verbessern. Die Pünktlichkeit lasse sich nicht mit einem Hebel verbessern, sagt sie. „Wir müssen viele kleine Schritte machen, um die Züge verlässlicher auf die Schiene zu bringen.“ Das sei wie „das Tätowieren von Ameisen“.

Ihr Lieblingsthema: Continuous Infrastructure Monitoring, also das ständige Beobachten von Gleisen, Weichen und Zügen. „Das wird ein ganz großes Thema“, sagt sie. Züge müssten schneller in die Instandhaltung, wenn sie technische Probleme haben, sagt Jeschke. Dafür will sie sie laufend über Sensoren und Internetverbindungen beobachten, im richtigen Moment in die Werkstätten holen und mit Ersatzteilen auch aus dem 3D-Druck reparieren. „In Zukunft wollen wir schneller reagieren und reparieren können.“

Die Bahn hat damit bereits angefangen. Bei ihrem Besuch in Bayern spricht ein Mitarbeiter der SOB über Weichenheizungen an der Strecke, die viel Strom verbrauchen, um die Gleise eisfrei zu halten. Techniker der Bahn-Tochter haben die Weichen mit Sensoren ausgerüstet, um die Weichen nur dann anzusteuern, wenn tatsächlich Eis und Schnee droht. Das spare 30 Prozent Strom. Jeschke lobt das Projekt. Und sie will, dass solche Ideen schnell in ganz Deutschland umgesetzt werden. „Ich habe den Eindruck, dass wir viele gute Projekte auf lokaler Ebene haben, aber es dauert sehr lange, bis sie bundesweit zum Einsatz kommen.“

Optimieren will sie auch die IT der Bahn – und das nicht zu knapp. Jeschke schwebt eine neue Datenstruktur vor. Der nächste Frühlings- oder Herbststurm in Deutschland wird für die Ingenieurin daher ein Forschungslabor. Denn Jeschke ist unter anderem spezialisiert auf so genannte „data lakes“. Die IT-Systeme der Deutschen Bahn „sind unglaublich komplex“, sagt sie. Bei Wetterkapriolen kommt es minütlich zu Fahrplananpassungen. In solchen Fällen drohen die IT-Systeme unter der Last der Datenflut zusammen zu brechen, weil sich ständig etwas ändert. Jeschke will die IT schlanker, flexibler und robuster machen. „Datenseen“ sollen ihr dabei helfen. Die Daten werden übergreifend über alle Bereiche gespeichert und vor dem Hintergrund immer neuer Anforderungen genutzt – auch solcher, die man beim Anlegen des „lakes“ gar nicht kannte. „Das beschleunigt die IT und hilft uns, die Komplexität des Zugverkehrs in Deutschland besser in den Griff zu bekommen“, sagt Jeschke.

Jeschke will die Bahn auch über „unkonventionelle Wege“ voran bringen, sagt sie. „Wenn die Kunden gute Mobilfunkverbindungen haben wollen, müssen wir sie ihnen anbieten“, sagt Jeschke. Zunächst seien die Mobilfunkbetreiber in der Pflicht. Doch lassen sich Funklöcher auch über Gespräche mit den Unternehmen nicht schließen, müsse der Konzern auch über neue Wege nachdenken.  Dann könnte die Bahn entlang der Gleise mit schwachem Mobilfunk vielleicht sogar eigene Sende- und Empfangsmasten aufstellen und die Qualität von Telefongesprächen erhöhen und den Internetempfang an Bord verbessern. Im Klartext: Die Deutsche Bahn wäre selbst Mobilfunkanbieter.

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