Deutsche Bahn Schlichter nehmen Claus Weselsky an die Kandare

Die Einigung zwischen Deutscher Bahn und Gewerkschaft GDL macht neue Lokführerstreiks bis 2020 unwahrscheinlich. Die Bahn gewinnt vor allem Ruhe.

Die längsten Streiks Deutschlands
GDL gegen die Deutsche BahnSechs Tage streikten die Lokführer der Bahn, um ihre Forderungen durchzusetzen. Nur ein Drittel der Züge im Personenverkehr fuhr. Der Güterverkehr wurde noch einen Tag länger bestreikt. Es handelte sich um den längsten Streik in der Geschichte der Bahn - was aber bei einem ehemaligen Staatsbetrieb nicht weiter erstaunlich ist. In anderen Wirtschaftszweigen und Unternehmen haben Tarifkonflikte zu weit längeren Arbeitsniederlegungen geführt. Nachfolgend die zehn längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Eine Anästhesistin überwacht während einer Operation den Patienten. Quelle: dpa
Einsatzkräfte der Polizei Quelle: dpa
An Naben für Windkraftanlagen arbeiten Monteure Quelle: dpa
In der Druckerei des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie kontrolliert ein Angestellter an einer Zwei-Farben-Bogen-Offsetdruckmaschine die gerade gedruckte Karte des Seehafens Rostock. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Firma SH Natursteine GmbH befestigt ein Seil an einem Block Granitporphyr Quelle: ZB
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe geht an mehreren Omnibussen entlang. Quelle: dpa

Die gute Nachricht: Einen weiteren Streik der Lokomotivführer bis September 2016 wird es nicht geben, solange gilt die Friedenspflicht. Die bessere Nachricht: Das Ergebnis der Schlichtung zwischen Deutsche Bahn und Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) macht Streiks bis 2020 unwahrscheinlich.

Neben mehr Lohn und kürzeren Arbeitszeiten sieht der neue Tarifvertrag in einem Nebensatz nämlich einen Schlichtungszwang vor, den jede Partei einseitig ausrufen kann. Im Zweifel muss Ober-Lokführer Claus Weselsky auf Wunsch der Bahn also zunächst an den Verhandlungstisch, bevor er wieder rumpoltert.

Schlichtungen sind zwar keine Garantie, dass Streiks tatsächlich ausbleiben. Doch sie mindern das Risiko und bringen Streithähne zur Vernunft. Insbesondere Weselsky, dem kaum ein Bild zu schräg war, um den Gegner zu diffamieren, wird dadurch an die Kandare genommen. Streiks sind in Zukunft tatsächlich Ultima Ratio. Verkauft wurde der Knebelpassus als „Langfrist-Garantie der GDL als Tarifpartner bei der Deutschen Bahn“.

Keine Frage: Auch die GDL kann Erfolge vorweisen. Sie darf neben dem gesamten Zugpersonal auch die Lokrangierführer vertreten, die im Konzern Züge zusammenkuppeln und auf den Betriebshof fahren. Künftig werden also GDL und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um die gleichen Mitarbeiter buhlen. Die Deutsche Bahn wollte zwei parallel laufende Tarifverträge für dieselben Berufsgruppen eigentlich vermeiden.

Der GDL-Tarifabschluss im Einzelnen

Doch langfristig profitiert der Konzern. Das Schlichtungsergebnis ist zwar teuer: Fünf Prozent mehr Lohn bedeuten langfristig geschätzte Mehrkosten von rund 300 Millionen Euro pro Jahr, weil die EVG eine gleich hohe Tariferhöhung verhandelt hat. Doch die Bahn gewinnt Ruhe, die sie für die anderen Baustellen im Konzern braucht: der Fernverkehr leidet unter den Fernbussen, der Schienengüterverkehr unter preiswerter Lkw-Konkurrenz und der Regionalverkehr unter neuen Wettbewerben aus dem Ausland.

Zudem konnten die Schlichter Matthias Platzeck (SPD) und Bodo Ramelow (Die Linke) erreichen, dass die Tarifverträge von GDL und EVG neben dem Lohn auch sonst inhaltsgleich sind. Bei Schichtplänen wird es keine Probleme geben.

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Und dann gibt es noch so eine Nebensächlichkeit, die für die Deutsche Bahn viel bedeutender sein könnte als ein Prozentpunkt mehr oder weniger Lohn: Die GDL hat zugesagt, die Arbeitszeiten bei den Wettbewerbsbahnen zu reduzieren. Dort gilt in der Regel die 40-Stunden-Woche – ein enormer Wettbewerbsvorteil. Bahn und GDL sind plötzlich Partner.

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