Deutsche Post An der Verlustzone vorbeigeschrammt

Die Quartalszahlen zeigen das Ausmaß des IT-Debakel in der Frachtsparte: Der Gewinn der Deutschen Post ist um 70 Prozent eingebrochen. Post-Chef Appel muss seine Strategie verteidigen. Doch viele Fragen bleiben offen.

Frank Appel Quelle: dpa

Appel muss nun seine Strategie verteidigen: 2015 sei ein Übergangsjahr, in dem die Grundlagen für die Strategie 2020 geschaffen wird, wiederholt er immer wieder. Der Neustart in der Frachtsparte sei eingeleitet – doch wie der genau aussieht, ist weiter unklar. Viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Das gilt vor allem für die kriselnde Frachtsparte. Fest steht: Appel will weiter an einem neuen IT-System festhalten. Das neue Projekt läuft nun nicht mehr unter dem Namen NFE, sondern unter „IT renewal roadmap“. Aber wird die Software nun weiter von SAP und IBM entwickelt – oder lieber von einem anderen Partner? Und in welchen Ländern und welchen Abteilungen soll es eingeführt werden? Nur eine Frage beantwortet er entschlossen: Ein neuer Vorstandskandidat ist noch nicht in Sicht. „Das bleibt Chefsache“, sagt Appel. Wohl so lange, bis der neue Plan in allen Details ausgearbeitet ist.

Die Säulen der Deutschen Post

Nicht mal einen Zeitpunkt, bis zu dem ein neuer Partner feststehen soll, will Appel nennen. Wahrscheinlich werden es ohnehin mehrere: Der Vorstand will nun für jede Abteilung, vom Vertrieb bis zu den Finanzen, einzeln entscheiden, mit welchen Systemen dort gearbeitet werden soll.

„Best of breed“ statt „one big bang“, sagt Appel in seinem schönsten Managervokabular. Übersetzt heißt das: Statt dem einen großen Schlag will der Vorstand eine Auswahl aus den besten erhältlichen Lösungen treffen. So will Appel nun ein in den USA getestetes System zum Dokumentenorganisation auch in den anderen Ländern einführen. „Wir orientieren uns wieder stärker daran, was die Spediteure brauchen“, sagt Appel. Immerhin: „Die Kosten werden im Durchschnitt niedriger sein als in den vergangenen Jahren“, verspricht Finanzchef Larry Rosen. Bis zum nächsten Jahr muss die Sparte die Wende entgültig schaffen, wenn der Vorstand seine Ziele halten will.

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

Auch die Sparte Supply Chain, in der die Post Lager-Leistungen und Zulieferer-Dienste bündelt, steckt weiter in der Umstrukturierung. Genau wie im Frachtbereich will der Vorstand dort neue Standards schaffen: Das Lager in China soll künftig genauso funktionieren wie die Lagerhalle in Deutschland. Bisher allerdings belastet der Umbau des Ergebnis nur: Während der Umsatz in der Sparte um mehr als 9 Prozent zunahm, sackte der Gewinn um weitere 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf nur noch 100 Millionen Euro ab.

Im Brief- und Paketbereich brach der Gewinn um die Hälfte ein. Wegen der Streikfolgen und den angekündigten Abschreibungen schrieb der Bereich nur noch 142 Millionen Euro Gewinn im dritten Quartal, obwohl der Umsatz angetrieben durch den Internethandel um zwei Prozent zulegte. Dabei ist der Bereich einer der wichtigsten Gewinnbringer für die Post. Auch das nächste Quartal, die wichtige Weihnachtszeit, wird noch einmal durch die Abschreibungen belastet.

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Nur im Express-Geschäft mit zeitgebundenen Zustellungen und Kurierdiensten konnte die Post sich merklich verbessern. Der operative Ertrag steigerte sich auf 364 Millionen Euro, ein Plus von beinahe 20 Prozent. Der Vorstand investiert fleißig: 50 Millionen in Afrika, 85 Millionen für ein neues Luftfracht-Drehkreuz am Flughafen Singapur, das schon im nächsten Frühjahr fertig gestellt sein soll.

„Wir sind stark überall in der Welt“, sagt Appel über seine Vorzeigesparte. Mit über zehn Prozent Marge liegt der Express-Bereich jetzt schon an der Spitze des Marktes. Appel, ambitioniert wie immer, reicht das aber noch nicht. „Wir wollen die Marge weiter steigern“, sagt er. Dass muss er auch, solange die Logistik-Sparten Fracht und Supply Chain weiter mit ihrem Umbau beschäftigt sind.

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