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Deutsche Post macht den Standardbrief teurer Das Millionengeschäft mit der Portoerhöhung

Drei Portoerhöhungen in drei Jahren: Die Deutsche Post hebt die Preise für Briefmarken an. Das bringt dem Marktführer Millionen. Warum die diesjährige Portoerhöhung trotzdem nicht die Letzte bleiben wird.

Das Porto für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands soll zum 1. Januar 2015 von 60 auf 62 Cent steigen, teilte der DAX-Konzern am Mittwoch in Bonn mit. Quelle: dpa

Zwei Cent mehr für eine Briefmarke, 50 Millionen Euro mehr pro Jahr für die Deutsche Post. Das ist wirklich kein schlechter Deal. Die jetzt angekündigte Portoerhöhung für Standardbriefe und internationale Post dürfte ordentlich Geld in die Kassen des Marktführers bringen, schätzen Analysten. So wie alle weiteren Preiserhöhungen in den nächsten Jahren.

Die deutsche Post hat damit ein gutes Medikament gegen steigende Kosten gefunden. Und das ganz ohne Nebenwirkungen: Denn mit knapp 90 Prozent Marktanteil hat die Post im Briefbereich eine marktbeherrschende Stellung – der Konkurrenz oder den Kunden ist es damit kaum möglich, der Portoerhöhungen etwas entgegenzusetzen.  In den vergangenen drei Jahren hat die Deutsche Post deshalb die Preise für den Standardbrief erst von 55 auf 58 Cent, dann auf 60 Cent, und nun sogar auf 62 Cent erhöht.

Die Bundesnetzagentur, die zuständige Regulierungsbehörde für den Ex-Monopolisten, muss der jüngsten Erhöhung in den nächsten zwei Wochen zwar noch zustimmen – doch das ist eher Formsache. Denn seit vergangenem Jahr sind die Regularien, nach denen die Netzagentur über den Preisanstieg entscheidet, extrem locker.

Briefpreise in Europa (Standardbrief, 20g, Inland)

Im Prinzip kann die Deutsche Post in den nächsten fünf Jahren die Preise fast genau im gleichen Maße wie die Inflation ansteigen lassen. Das war im vergangenen Jahrzehnt noch anders: Damals verlangte die Bundesnetzagentur, dass die Deutsche Post bei der Preisberechnung von der Inflationsrate noch mal einen kräftigen Betrag abzieht. Erst die neuen Regularien geben dem Ex-Monopolisten den Spielraum für lohnenswerte Preiserhöhungen.

Großkunden leiden

Die Verbraucher trifft das kaum, schon alleine, weil sie weitaus lieber E-Mails statt Briefe schreiben. Nach Schätzungen des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) betragen die durchschnittlichen Ausgaben von Privathaushalten nur etwa drei Euro pro Monat.

Geschäftskunden trifft die Erhöhung allerdings schon. „Der Preis für den Standardbrief ist ein Leitwert, an dem sich auch die Preise und üblichen Rabatte für Großkunden orientieren“, erklärt Alex Dieke beim WIK. Und damit geht es für die Großkunden wie Krankenkassen oder Banken mehr nur um Cents, sondern um Millionenbeträge.

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Die Wettbewerber ärgert das gewaltig. „Eine weitere Preissteigerung ist unnötig und unverhältnismäßig und stellt eine willkürliche Belastung der Verbraucher dar“, regt sich etwa Gunnar Uldall, Präsident des Bundesverbands Paket und Expresslogistik, auf. „Die Post verfügt im Briefbereich über eine große Marktmacht.

In einem Umfeld wie dem Paketbereich, wo der Wettbewerb wesentlich stärker ist, könnte man so eine Preiserhöhung nicht so leicht durchsetzen“, sagt Experte Dieke. Dort kämpfen die Deutsche Post und Konkurrenten wie Hermes, UPS oder DPD um jeden Cent und jeden Kunden, während vor allem die Lohnkosten immer weiter steigen.

Die Mehreinnahmen aus der Briefsparte kann die Post deshalb gut gebrauchen. „Jährliche Preiserhöhung sind zwar ein Strategiewechsel und ungewöhnlich für die Post“, sagt Dieke. Bis 2012 immerhin blieben die Preise in der Briefsparte unangetastet. Doch solange es sich am Markt durchsetzen lässt, seien weitere Portoerhöhungen durchaus wahrscheinlich, sagt Dieke. „Nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur dürfte die Post das Porto auf jeden Fall noch weiter anheben.“

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