Deutsche Post Packstation für den Hausflur

Der Bonner Logistikkonzern will mit Packstationen für Mehrfamilienhäuser noch attraktiver werden. Doch bei der wichtigsten Frage weiß die Post keine Antwort: Wie viel der Kasten eigentlich kosten soll.  

So sehen die Packstationen für Zuhause aus. Quelle: Presse

Wenn Achim Dünnwald über die Zukunft der Deutschen Post spricht, dann muss man schon des Englischen mächtig sein, um ihm zu folgen. Dünnwald, bei der Deutschen Post in Bonn für das Paketgeschäft zuständig, spricht auffällig oft von „fulfillen“, wenn der Zusteller einen Lieferauftrag beende, oder von „capabilities“, wenn er die Möglichkeiten bei der Lebensmittelzustellung eruiert, und von „frozen“, wenn er Gefriergut zum Kunden bringen will. Alles in allem machten ihn die angebotenen Leistungen seines Arbeitgebers „sehr happy“.

Hilfe, mein Paket ist weg! Was tun?
Kann ich bestimmen, wo mein Paket landet?Zusteller dürfen Pakete nicht einfach so vor der Haustür abstellen - es sei denn, es liegt eine schriftliche Abstellerlaubnis vor, so die Zeitschrift „Test" der Stiftung Warentest. Mit dieser Erlaubnis muss der Empfänger die Annahme des Pakets nicht mehr per Unterschrift quittieren. Der Zusteller darf die Sendung stattdessen an einen vorher festgelegten Ort legen, beispielsweise in die Garage. Wird das Paket dann jedoch geklaut, haftet der Empfänger. Auch Transportschäden lassen sich in diesem Fall schwer reklamieren, da schlecht bewiesen werden kann, wer den Schaden verursacht hat. Wer sich dennoch für eine Abstellerlaubnis entscheidet, muss mit jedem Paketdienst einen separaten Ablagevertrag schließen. Quelle: dpa
Laut ihren Geschäftsbedingungen dürfen die Zusteller Pakete und Päckchen jedoch beim Nachbarn abgeben. Der Empfänger muss darüber mit einer "gut leserlichen" Karte informiert werden, schreibt "Test". Quelle: dpa
Eine andere Möglichkeit ist, sich die Sendungen an einen Wunschort zustellen zu lassen, beispielsweise an eine Packstation (DHL). Dort können Empfänger mit einer Kundenkarte plus Pin-Nummer rund um die Uhr ihre Bestellungen in Empfang nehmen. Sobald die Sendung in der Wunsch-Packstation bereit liegt, wird der Kunde per SMS oder eMail informiert. Quelle: Handelsblatt Online
DHL bietet neuerdings auch Paketkästen an, die Kunden etwa auf dem eigenen Grundstück aufstellen können. Hermes, DPD, UPS und GLS arbeiten nach eigenen Angaben gemeinsam an einer ähnlichen Paket-Box. Quelle: dpa
Gleichzeitig testet die Deutsche Post DHL den Einsatz von Drohnen zur Paketzustellung. Auch der US-Paketdienst UPS denkt nach eigenen Angaben über den Einsatz von solchen Fluggeräten nach, genauso wie der Online-Händler Amazon. Quelle: dpa
Was tun, wenn das Geschenk nicht bei mir ankommt?In der Regel sind Pakete bis zu einer Schadenshöhe von 500 bis 750 Euro versichert. Die Unternehmen haften bei Verlust bis zu diesem Wert. Bei Hermes sind auch Päckchen mit bis zu 50 Euro versichert. DHL versichert Päckchen nicht; wer versicherten Versand will, muss die Sendung als Paket verschicken lassen. Kommt nichts an, muss der Kunde den Verlust melden und einen Nachforschungsantrag stellen. Dafür nötig sind der Einlieferungsschein und eine genaue Beschreibung des Inhalts. Schadensersatz muss der Paketdienst demnach auch leisten, wenn es keinen Benachrichtigungsschein gibt und das Paket verschwunden ist. Die Stiftung Warentest rät aber, wertvolle Gegenstände und Bargeld ausschließlich per Wertversand zu verschicken. Quelle: dpa
Was tun, wenn das Paket beschädigt ist?Nachbarn sollten beschädigte Sendungen nicht annehmen, empfiehlt die Stiftung Warentest. Denn mit ihrer Unterschrift würden sie bestätigen, dass eine Lieferung in Ordnung ist. Der Empfänger selbst sollte ein ramponiertes Paket möglichst in Anwesenheit des Boten öffnen und Schäden sofort reklamieren. Ansonsten müssen Schäden binnen sieben Tagen beim Paketdienst gemeldet werden. Quelle: dpa
Worauf muss ich beim Versand achten?Wer ein Paket verschickt, sollte einen stabilen Karton dafür nehmen (laut Stiftung Warentest also keinen Schuhkarton), Leerräume gut ausstopfen und Empfindliches gut polstern. Verschlossen wird ein Paket mit Klebeband und nicht mit Schnüren. Handschriftliche Aufschriften wie "Zerbrechlich" sind laut der Stiftung überflüssig, weil alle Pakete automatisch abgefertigt werden. Quelle: dpa

Damit das auch so bleibt, plant die Deutsche Post nun den nächsten Schachzug. Bundesweit will der Konzern Packstationen in Mehrfamilienhäusern aufstellen. Die Kästen sehen so aus wie die bekannten gelben Packstationen, sind aber grau und kleiner. Künftig sollen sich also Mieter und Eigentümer ihre Amazon-Päckchen direkt in den Hausflur liefern lassen können, ohne selbst zu Hause sein zu müssen. Geöffnet werden die Fächer bequem per App.

Die Post testete die „Paketkastenanlagen“ bereits in einem Pilotprojekt in Berlin. An elf Standorten in der Hauptstadt errichtete sie im Auftrag einer Wohnungsbaugesellschaft solche Paketboxen. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagte Dünnwald auf einer Pressekonferenz in Berlin. „Jetzt werden wir weiter Gas geben.“ Ab Jahresende beginne die Serienproduktion.

Logistik: Diese Anbieter dominieren das Paketgeschäft

Doch bei aller Euphorie kann das Unternehmen die wichtigste Frage nicht beantworten: Wie teuer sollen die Packstationen für den Hausflur eigentlich sein? „Kann ich nicht sagen“, so Dünnwald. Das komme wohl auf den „User Case“ an.

Für die Nutzer ist das natürlich eine sehr relevante Frage. Denn tatsächlich klingt eine Packstation in oder vor einem Mehrfamilienhaus zunächst attraktiv. Vor allem in der Hauptstadt bestellen so viele Menschen ihre Waren im Internet wie sonst in keiner anderen Stadt. Doch zusätzliche Kosten werden sich Eigentümer und Mieter wohl kaum aufhalsen wollen. Dann doch lieber den Gang zur Post-Filiale oder der nächst gelegenen Packstation.

Zudem basteln die Konkurrenten um Hermes, DPD und GLS an einer eigenen Lösung. Die unter dem Namen „Parcellock“ vertriebene Paketbox soll noch in diesem Sommer kommen und allen Logistikunternehmen offen stehen. Die Deutsche Post beliefert ihre Boxen dagegen exklusiv. Eine Kooperation mit Wettbewerbern sei „nicht geplant“, so Dünnwald.

Man darf also gespannt sein, wer das Rennen macht. Und ob es überhaupt einen Bedarf für die Paketboxen gibt. Denn die Logistikunternehmen arbeiten an einer immer zielgenauerer Zulieferung. Online-Händler Amazon startet in Berlin die Auslieferung in 60 Minuten. Die Deutsche Post bietet einen 90-Minuten-Service an. Zudem hat der Konzern gerade einen Drohnentest erfolgreich abgeschlossen. In Reit im Winkl lieferte die DHL-Drohne in einem Pilotprojekt an Privatkunden aus – als weltweit erster Anbieter. Laut Dünnwald werde die Drohne aber ein Nischentransportmittel bleiben.

Stattdessen arbeiten alle Logistiker mit Hochdruck an Lieferungen zu Wunschterminen. Bislang können schon rund 30 Millionen Deutsche ihre bestellte Ware von der Post-Tochter DHL am Abend innerhalb eines Zeitfensters von zwei Stunden liefern lassen. Künftig sollen Kunden auch am Tag Zeitfenster definieren können. Wer braucht da noch einen Kasten?

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