Deutsche Post Schwere Vorwürfe und verhärtete Fronten im Tarifstreit

Post-Chef Appel wirft Verdi Mobbing vor, Verdi-Chef Bsirske der Post ein entgrenztes Gewinnstreben. Kurz vor den neuen Verhandlungen am Montag sind die Fronten verhärtet. Bei einem Scheitern drohen unbefristete Streiks.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Post Quelle: dpa

Kurz vor der möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde verhärten sich die Fronten im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Deutschen Post weiter. Post-Chef Frank Appel warf der Gewerkschaft unlautere Mittel vor, um die Belegschaft auf einen harten Kurs einzuschwören. Verdi-Chef Frank Bsirske beklagte ein "entgrenztes Gewinnstreben" des Post-Managements und drohte mit einer Ausweitung der Proteste zu regulären Streiks.

"Die Beschäftigten werden gemobbt, es wird Angst geschürt, damit sie sich hinter der Gewerkschaft versammeln", sagte Appel der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. Wer sich nicht an den Streiks beteilige, werde übel beschimpft. Zugleich wies Appel inhaltliche Forderungen der Gewerkschaft zurück. Die neu gegründeten Zustellfirmen würden nicht wieder aufgelöst: "Das ist realitätsfern." 6000 Mitarbeiter seien bereits eingestellt worden. Die Wettbewerber des Bonner Dax-Konzerns zahlten deutlich niedrigere Stundenlöhne, darauf müsse die Deutsche Post reagieren, sagte der Unternehmenschef.

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Verdi-Chef Bsirske sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", man könne vom Marktführer erwarten, dass er auch bei der Entlohnung vorne liege. Dies umso mehr, als Appel für 2020 fast eine Verdoppelung der Gewinne verspreche, höhere Dividenden und eine bessere Bezahlung für die Führung des Konzerns anstrebe. "Das ist entgrenztes Gewinnstreben, die kriegen den Hals nicht voll", sagte Bsirske. Sollte die Unternehmensführung ihren Kurs beibehalten, laufe alles auf eine massive Konfrontation zu. Dann würden die bisherigen Warnstreiks zu echten Streiks ausgeweitet, kündigte er an.

Verdi hatte zuletzt vor der möglicherweise entscheidenden Runde im Tarifkonflikt den Druck noch einmal erhöht. Tausende Beschäftigte legten erneut die Arbeit nieder. Nach Angaben der Post fanden am Freitag in 32 von 49 Briefniederlassungen Arbeitsniederlegungen statt. Davon betroffen gewesen seien Briefzentren im Norden und Westen, vereinzelt auch im Osten sowie in Frankfurt. Das Unternehmen rechne damit, dass etwa 280.000 Paketsendungen sowie 3,3 Millionen Briefe in den stärker betroffenen Regionen ihre Empfänger erst am Samstag erreichten. Damit seien zwischen fünf und sieben Prozent der jeweiligen Gesamtmenge von den Verzögerungen betroffen, hieß es.

„Wir werden so lange streiken, bis der Post-Konzern die Interessen seiner Beschäftigten ernst nimmt und mit dem Willen zu einer Einigung verhandelt“, erklärte der NRW-Fachbereichsleiter Postdienste bei Verdi, Uwe Speckenwirth, in einer Mitteilung.

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Arbeitgeber und Gewerkschaft wollen die Verhandlungen in dem Tarifkonflikt bei der Post am Montag und Dienstag in Berlin in der dann sechsten Runde fortsetzen. Die Gewerkschaft will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Scheitern die Verhandlungen, sind unbefristete Streiks nicht mehr ausgeschlossen. Die Gespräche wurden für zwei Tage angesetzt.

Hintergrund des Tarifkonflikts ist der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Dort arbeiten heute nach Angaben der Post bereits mehr als 6000 Menschen. Bezahlt werden sie nicht nach dem Haustarif des Unternehmens, sondern dem in der Regel niedrigeren Tarif des Speditions- und Logistikgewerbes. Verdi sieht in dem Schritt einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Unternehmen über die Fremdvergabe.

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