Deutsche-Post-Streik Die Post hat Verdi eine Falle gestellt

Öffentliche Anschuldigungen und geplatzte Verhandlungen: Verdi und die Deutsche Post steuern weiter auf Konflikte zu statt auf einen Kompromiss. Die Post hat die Gewerkschaft mit einem geschickten Manöver ausgetrickst.

Verdi gegen die Post: Weiter Konflikte statt Kompromisse. Quelle: dpa

Besonders originell ist die Deutsche Post in ihrer Wortwahl nicht: Der von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vorgelegte Vorschlag sei eine „Mogelpackung“, sagte Post-Personalchefin Melanie Kreis – und wählte damit genau den gleichen Begriff, mit dem Verdi zuvor den Entwurf der Deutschen Post kritisiert hatte.

Auch nach sechs Verhandlungsrunden steuern die Deutsche Post und Verdi weiter mit Vollgas auf Konfrontation zu anstatt auf einen Kompromiss. Aus der Tarifpartnerschaft ist eine Tariffeindschaft geworden. Denn die Gewerkschaft befindet sich in einem Dilemma, aus dem es kaum Auswege zu geben scheint. Ihre Antwort: Ein seit Wochen andauernder Streik.

Verdis Forderungen an die Post im Detail

Die Post hat ihrem Tarifpartner eine Falle gestellt: Über Jahre weigerte sich Verdi, mit der Deutschen Post über die großen Lohnunterschiede zu den Wettbewerbern im Markt zu verhandeln. Anfang des Jahres stellte die Post Verdi dann einfach vor vollendete Tatsachen.

Trick mit billigem Logistik-Tarif

Sie schob einen Großteil ihrer befristeten Paketboten in eine neue Tochtergesellschaft ab, in der sie die Mitarbeiter nicht nach dem Verdi-Haustarif, sondern nach dem wesentlich günstigeren Logistiktarif bezahlen kann. Seit dem gilt in den Niederlassungen der Deutschen Post eine Zweiklassengesellschaft, in der die Haus-Paketboten durch Klebestreifen auf dem Boden von denen in der neuen Tochtergesellschaft mit dem Namen Delivery GmbH getrennt sind.

Verdi muss nun darum kämpfen, zur Ausgangssituation zurückzukehren. Sie fordert, dass die Post die neuen Tochtergesellschaften wieder dicht macht. Dafür will die Gewerkschaft auch bei ihren Gehaltsforderungen zurückstecken. Doch Post-Chef Frank Appel hat schon signalisiert: Für eine Abschaffung der Delivery GmbH ist es zu spät. „Das ist realitätsfern. Wir haben bereits mehr als 6000 Mitarbeiter eingestellt, die ersten Betriebsräte sind in Vorbereitung, die Betriebe arbeiten“, sagt er in einem Interview mit der „Welt“.

Post-Vorstand hält an Kurs fest

Und seine Personalchefin Melanie Kreis kritisiert, das Angebot von Verdi bedeute trotzdem eine zusätzliche Belastung von 250 Millionen Euro auf der Lohnkostenseite.

Der Post-Vorstand hält an seinem Kurs fest. Er will das Lohnniveau in jedem Fall senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sonst kann er die selbst gesteckten und höchst ehrgeizigen Gewinnziele bis zum Jahr 2020 nicht erreichen. Jede Promille Lohnerhöhung ist damit für die Post nur ein weiterer Anreiz, noch mehr Jobs in die Tochtergesellschaften auszulagern – oder direkt an fremde Dienstleister, wie es die Konkurrenz längst tut.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

Davor schützt die Post-Mitarbeiter bisher ein so genanntes Fremdvergabeverbot, das Konzern und Belegschaft einst aushandelten. Doch das läuft bald aus. Sollte es nicht verlängert werden, dürften umso mehr Post-Aufträge an billige Subunternehmer gehen, je höher das Lohnniveau der Stammbelegschaft steigt.

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Für die Gewerkschaft steht deshalb viel aus dem Spiel. Sie will die Lohngleichheit im Unternehmen wieder herstellen – und ihre eigene Macht. Denn jeder ausgelagerte Job, auch zu den Tochtergesellschaften, schmälert Verdis Einfluss auf die Arbeitsbedingungen. Doch um eine Verlängerung des Fremdvergabeverbots und auch einen Kompromiss bei der Delivery GmbH durchzusetzen, muss die Gewerkschaft weitere Forderungen opfern.

Eines sollte sie dabei nicht vergessen: Höhere Löhne nutzen den Postlern nur, wenn ihre Jobs im Unternehmen bleiben.

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