Deutsche Post Unternehmen weist Vorwurf der Einschüchterung zurück

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post macht Verdi mit einer Ausweitung von Warnstreiks weiteren Druck auf den Arbeitgeber - und das Unternehmen siehst sich mit weiteren Vorwürfen konfrontiert.

Die Mitarbeiter der Deutschen Post treten erneut in den Warnstreik Quelle: dpa

Die Deutsche Post bestreitet Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi, sie schüchtere im Tarifkonflikt die Streikenden ein. "Den rufschädigenden Vorwurf der gezielten Einschüchterung von Streikenden bei der Deutschen Post weise ich entschieden zurück", erklärte Post-Chef Frank Appel am Mittwoch. "Wir haben Arbeitnehmerrechte immer respektiert und werden das auch weiterhin tun", betonte er. Verdi hatte der Post zuvor vorgeworfen, Beschäftigten mit befristeten Verträgen werde mit dem Verlust ihres Jobs gedroht, wenn sie sich an Protesten beteiligten. Aber auch unbefristet Beschäftigte würden bedrängt, sagte ein Verdi-Sprecher. Verdi erhöhte zugleich im Streit um kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne den Druck: In allen 83 Briefzentren rief die Gewerkschaft zum Streik auf.

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Betriebsräte erhielten bei der Post "alle erforderliche Unterstützung", sagte Appel. Im Konzern seien etwa 50 Prozent mehr Betriebsräte für ihre Arbeit freigestellt, als das Gesetz es verlange. "Ich würde mir wünschen, dass Verdi wieder zu Handeln mit Augenmaß zurückfindet und konstruktives Vorgehen bei den laufenden Tarifverhandlungen zeigt", rief er die Gewerkschaft auf. Verdi warf der Post dagegen vor, es zu dulden, wenn lokale Manager Streikende einschüchterten. Die "Süddeutschen Zeitung" berichtete zudem, die Gewerkschaft habe Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeschaltet. Dem Blatt zufolge stellte Gabriel im einem Schreiben an Appel vom 4. Mai fest: "Offenbar haben Vorgesetzte Druck ausgeübt, um Verdi-Mitglieder gegen ihre Gewerkschaft in Stellung zu bringen." Besonders den großen Unternehmen mit Bundesbeteiligung müsse jedoch die "unbedingte Achtung sowohl persönlicher wie kollektiver Arbeitnehmerrechte abverlangt werden", wird der SPD-Politiker zitiert. Die staatliche Förderbank KfW hält rund 21 Prozent der Post-Aktien.

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Das Klima zwischen Post und Verdi ist seit Monaten vergiftet. Der Bonner Konzern hat angekündigt, Tausende neue und unbefristete Stellen schaffen zu wollen - dies allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Verdi sieht dies als Bruch geltender Verträge. Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis hatte mit der Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten reagiert. Die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns sollen nach ihrem Willen künftig 36 statt 38,5 Stunden in der Woche arbeiten - bei vollem Lohnausgleich. Verdi fordert zudem 5,5 Prozent mehr Lohn. Post-Personalchefin Melanie Kreis hatte vorgerechnet, dem Konzern drohten Mehrkosten von 600 Millionen Euro, wenn er die Wunschliste erfülle. Die Gespräche mit der Gewerkschaft sollen am 20. Und 21. Mai fortgesetzt werden.

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Verdi machte vor der neuen Verhandlungsrunde mit Streiks weiter Druck. Seit Dienstag habe die Gewerkschaft in allen 83 Briefzentren in der Bundesrepublik nach eigenen Angaben zum Arbeitskampf aufgerufen. Die Zustellung werde sich erheblich verzögern. Die Proteste würden in den kommenden Tagen andauern.

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