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Deutsche Post Verdi sitzt in der Falle

Die Gewerkschaft Verdi fordert höhere Löhne bei der Deutschen Post. Doch damit kann sie keinen Sieg erringen, wenn die Post Zustellbezirke an fremde Firmen vergeben darf.

Beschäftigte der Post bei einem Warnstreik Quelle: dpa

Es war eine Falle, und Verdi ist hineingestolpert: Über Jahre weigerte sich die Dienstleistungsgewerkschaft, mit der Deutschen Post über das verhältnismäßig hohe Lohnniveau im Unternehmen zu verhandeln.

Anfang des Jahres stellte die Post Verdi dann einfach vor vollendete Tatsachen: Sie schob einen Großteil ihrer befristeten Paketboten in eine neue Tochtergesellschaft ab, in der sie die Mitarbeiter nicht nach dem Verdi-Haustarif sondern nach dem wesentlich günstigeren Logistiktarifvertrag bezahlen kann.

Die Gewerkschaft ist sauer und wirft der Post eine Flucht aus dem gemeinsamen Tarifvertrag vor. Denn auf die Arbeitsbedingungen für die mittlerweile insgesamt 6000 Mitarbeiter bei den neuen Tochtergesellschaften mit dem Namen Delivery GmbH hat die Gewerkschaft nur bedingt Einfluss.

Verbissen kämpft sie um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten für den Rest der Paketboten. Die Folge: Ein seit Wochen andauernder, nerviger Dauerstreik.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

Auch bei der Hauptversammlung der Deutschen Post schwenken die Gewerkschaftsmitglieder draußen vor der Frankfurter Jahrhunderthalle ihre Fahnen. „Appel raus“, ruft die Menge. Eine klare Botschaft an den Vorstand der Deutschen Post, der die Gewerkschaft so überrumpelt hat. "Wir wollen keine Spaltung des Betriebes und keine Spaltung der Belegschaft“, ruft der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske.

Doch die Gewerkschaft führt einen Kampf, aus dem sie kaum als Sieger hervorgehen kann. Es ist nun zu spät, um die Gründung der neuen Niedriglohn-Gesellschaften noch rückgängig zu machen. Und mit den Gehaltserhöhungen, die Verdi fordert, könnte die Gewerkschaft am Ende nicht nur der von der Billig-Konkurrenz geplagten Post, sondern womöglich auch ihren eigenen Mitgliedern schaden. Für die Post ist jedes Promill Lohnerhöhung nur ein weiterer Anreiz, noch mehr Jobs auszulagern: vor allem an die eigene Tochtergesellschaft.

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Künftig aber womöglich auch, wie es die Konkurrenten längst tun, an billige Dienstleister. Davor schützt die Post-Mitarbeiter bisher ein so genanntes Fremdvergabeverbot, das Konzern und Belegschaft einst aushandelten. Es läuft bald aus, spielte aber bisher in den Verhandlungen noch kaum eine Rolle. Sollte es aber nicht verlängert werden, dürften um so mehr Post-Aufträge an billige Subunternehmer gehen, je höher das Lohnniveau der Stammbelegschaft steigt.

Verdi droht also, erneut in die gleiche Falle zu tappen: Weil die Gewerkschaft sich ausschließlich auf die Lohnfrage konzentriert, verliert sie das wesentliche Problem der nächsten Monate aus dem Blick. Denn höhere Löhne nutzen den Postlern nur, wenn ihre Jobs im Unternehmen bleiben.

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