Deutsche Post Zweite Tarifrunde endet ergebnislos

Im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Post und Verdi ist auch die zweite Verhandlungsrunde ohne eine Einigung zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft fordert für die 132.000 Tarifbeschäftigten sechs Prozent mehr Lohn.

Stärken und Schwächen der Post
Stärke 1: Volle KassenDer Verkauf der Postbank machte es möglich: Weil der Deal den Bonnern vor drei Jahren 4,9 Milliarden Euro in die Kassen spülte, besitzt der Dax-Konzern heute unter dem Strich ein Geldpolster von 938 Millionen Euro. Die Mittel nutzt er vor allem für Investitionen in effizientere Briefzentren und für den Ausbau des asiatischen Express- und Frachtgeschäfts. Umfangreiche Zukäufe wie unter dem einstigen Vorstandschef Klaus Zumwinkel, die insbesondere in den USA mit Milliardenverlusten endeten, soll es dagegen nicht mehr geben. Außerdem flossen vergangenes Jahr 2,37 Milliarden Euro Cash in die Kasse - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Schwäche 1: Teures EU-UrteilDamit hatte Post-Chef Frank Appel (Foto) nicht gerechnet: Ende Januar entschied EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dass die Bonner ungerechtfertigt erhaltene Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen sollen - und zwar in einer Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Der Dax-Konzern habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, um die hohen Pensionslasten des einst von Beamten geführten Staatsunternehmens auszugleichen. Mit derselben Begründung habe ihr die Regulierungsbehörde auch ein höheres Briefporto gewährt, was einer doppelten Begünstigung gleichgekommen sei. Die Post wird in den nächsten Monaten zahlen müssen, klagt aber gegen Brüssel. Quelle: dpa
Stärke 2: Starker AnkeraktionärÜber die bundeseigene Bank KfW besitzt der Bund - als einziger meldepflichtiger Aktionär - immer noch 30,5 Prozent aller Aktien. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet das positiv. Weil im Ernstfall wohl der Staat eingreifen würde, sinkt laut S&P das Insolvenzrisiko. Quelle: obs
Stärke 2: Stabilisiertes BriefgeschäftLange Zeit sah es so aus, als ob das Internet dem traditionellen Briefgeschäft die Ertragsgrundlage rauben könnte. Beispiele aus den USA, den Niederlanden oder Italien zeigten, dass der konkurrierende E-Mail-Verkehr den Zustellern hohe Verluste bescherte. Auch für die Bonner Briefträger halbierte sich der Betriebsgewinn (Ebit) seit 2004. Doch nicht nur der Umsatzschwund wurde inzwischen erfolgreich gestoppt, auch die Betriebsergebnisse stabilisierten sich knapp oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze. Quelle: AP
Ausgleich bringt der Internethandel, der in Deutschland jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst. Laut HGB-Bilanz verlor die Post 2011 beim Umsatz zwar 162 Millionen Euro im klassischen Briefgeschäft, das nur noch 5,36 Milliarden Euro erlöste. Das deutsche Paketgeschäft aber, das etwas irreführend unter der Marke „DHL“ von der Brief-Sparte geführt wird, wuchs um 243 Millionen auf 2,77 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: InnovationsflopUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Bislang aber zählen Marktforschungsinstitute gerade einmal 200.000 Nutzer pro Monat. Zudem stehen Konkurrenten mit Dumpingpreisen vor dem Start. Quelle: dapd
Schwäche 3: Hohe Konzernkosten389 Millionen Euro kostete den Konzern 2011 sein Headquarter, kaum weniger als im Jahr zuvor. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich 2011 mit Verwaltungsaufwendungen von 109 Millionen Euro. Quelle: ZB
Dabei sind die Synergien zwischen den vier Post-Konzernbereichen Brief, Express, Fracht und Kontraktlogistik übersichtlich. Logistikeinrichtungen für die Briefzustellung etwa sind ungeeignet für das Expressgeschäft. Allein im eigenen Vertrieb bemüht sich die Post, die Top-100-Kunden aus einer Hand zu bedienen. Quelle: dpa

Die Deutsche Post legte auch bei der zweiten Tarifrunde kein Angebot vor. Im Fokus der Verhandlungsrunde lag nach Angaben des Unternehmens die Verdi-Forderung nach einer Neufassung der Postzulage für die Bundesbeamten der Deutschen Post. „Wir haben eingehend über eine Reihe von Detailfragen gesprochen, die Voraussetzung für die Vorlage eines konkreten Angebots sind“, teilte Personalvorstand Angela Titzrath mit. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in konstruktiven Gesprächen zu einer Einigung kommen werden.“ Von Verdi war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Verhandlungen würden am 25. April im Raum Düsseldorf fortgesetzt. Verdi verlangt für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten eine lineare Erhöhung der Einkommen um sechs Prozent, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Die Post setzt darauf, dass die Gespräche zu einem "vernünftigen und tragfähigen Ergebnis" kommen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir in konstruktiven Gesprächen zu einer Einigung kommen werden", sagte Post-Personalvorstand Angela Titzrath am frühen Dienstagmorgen.
Der letzte Tarifvertrag, der eine Lohnerhöhung von vier Prozent vorsah, war zum 1. April gekündigt worden. Mit der Forderung von sechs Prozent liegt Verdi auf dem Niveau, mit dem die Gewerkschaft auch in die Verhandlungen in anderen Branchen geht. So fordert Verdi etwa für die Versicherungswirtschaft oder den NRW-Einzelhandel 6,5 Prozent, bei der Lufthansa will sie 5,2 Prozent durchsetzen.

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Schon bei der ersten Tarifrunde vor gut drei Wochen hatte die Post die Verdi-Forderung als „sehr ambitioniertes“ Ziel bezeichnet. In Deutschland werden immer weniger Briefe verschickt. Diese Rückgänge glich die Post im Geschäftsjahr 2012 mit dem gut laufenden Pakete-Sektor aus. Für das Geschäftsjahr 2013 rechnet die Post mit einem Gewinnzuwachs.

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