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Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung „Bilanzpolizei“ wehrt sich gegen Vorwürfe im Wirecard-Skandal

Wirecard-Skandal: „Bilanzpolizei“ wehrt sich gegen Vorwürfe Quelle: imago images

Im Zuge des Wirecard-Bilanzskandals hat die Finanzaufsicht Bafin den schwarzen Peter der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung zugeschoben. Sie hätten nicht sorgfältig geprüft. Der Verein rechtfertigt sich nun.

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Die im Wirecard-Skandal in der Kritik stehende Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) wehrt sich gegen die gegen sie erhobenen Vorwürfe. „Das Aufspüren von Bilanzbetrug und Ermittlungen sind nicht Teil des Aufgabenkatalogs“, erklärte die auch als „Bilanzpolizei“ bekannte DPR am Mittwoch. Dazu fehlten der DPR als privatrechtlicher Verein Durchgriffsrechte wie sie etwa eine Staatsanwaltschaft habe. Man sei immer auf die kooperative Mitwirkung des Unternehmens angewiesen.

Auch wehrt sich die DPR gegen den Vorwurf, die Prüfung der Wirecard-Bilanz verschleppt zu haben. Es hätten zu keinem Zeitpunkt Mängel im Prüfablauf vorgelegen, erklärte sie. Die Prüfung sei jederzeit streng nach den Vorgaben des Justiz- und Finanzministeriums erfolgt. „Auch die Kommunikation mit der Bafin hat im üblichen Maß und in der etablierten Frequenz erfolgt.“

Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen. Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht hatte nach eigener Darstellung der DPR im Februar 2019 den Hinweis gegeben, dass es Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gebe. „Wir haben unmittelbar reagiert und Mitte Februar 2019 bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) eine Bilanzprüfung veranlasst“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Bafin sei für die Bilanzprüfung nicht zuständig. Zuständig sei auf erster Stufe allein die DPR. Dort habe die Prüfung so lange gedauert. Bis zur Wirecard-Insolvenz vergangene Woche lagen keine Ergebnisse vor.

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) hat die auch als „Bilanzpolizei“ bezeichnete Prüfstelle nur wenig Personal. Mit der aufwendigen und komplexen Prüfung sei in den vergangenen 16 Monaten im Wesentlichen nur ein einzelner Mitarbeiter betraut gewesen. Bei der DPR war auch dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die DPR plane konstruktive Gespräche mit den Ministerien, um künftig schneller und spezifischer auf Fälle von Bilanzbetrug reagieren zu können, erklärte der Verein. Die Bundesregierung hat als Konsequenz den Vertrag mit der DPR in der vergangenen Woche gekündigt, der damit Ende 2021 ausläuft.

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