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Deutsche Reiseplattform Getyourguide: Ein Einhorn unter Druck

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Warum ausgerechnet die Softbank-Beteiligung zum Problem werden könnte

Noch ist der Wettbewerb kein großes Problem, schwört Tao. „Der Markt ist groß genug für alle – und mit jedem neuen Anbieter wird das Produkt bekannter und wir alle können schneller wachsen.“ Doch damit könnte es in absehbarer Zeit vorbei sein, warnt Berater Utzerath. Wie bei jeder anderen Online-Vermittlung gelten aus seiner Sicht auch die kalten Gesetze der Plattform-Ökonomie: „Wer das breiteste sowie beste Angebot hat und den Kunden schon kennt, hat die besten Chancen, individuell die beste Empfehlung zu machen.“ Das zeigen nicht zuletzt Bereiche wie Hotelvermittlung oder Handel, die Riesen wie Booking.com und Amazon dominieren. Ähnliches droht über kurz oder lang auch bei den Erlebnissen. Gerade weil das Geschäft mit der Erlebnisvermittlung noch in den Kinderschuhen steckt, müssen alle Anbieter viel Geld ins Marketing stecken. Um die Kunden sowohl bei der Urlaubsplanung als auch vor Ort am Reiseziel auf die eigene Seite zu locken, müssen sie breit über Suchmaschinen werben. So sollen derzeit trotz vieler Stammkunden immer noch rund 60 Prozent aller Anfragen immer noch gut 60 Prozent aller anfragen über Google & Co auf die Seite kommen.

Um dem Druck zu lindern, orientieren sich die Getyourguide-Chefs an den Größen reiferer Onlinemärkte wie der Filmplattform Netflix oder dem Musikservice Spotify: Sie konzipieren eigene Veranstaltungen und bieten sie exklusiv an: Rundgänge in kleinen Gruppen zum Beispiel, mit den am besten bewerteten Führern auf Wegen, die normalen Reisenden nicht offen stehen. Getyourguide wertet Feedback aus, passt die Inhalte der Touren an und baut die Teile aus, die besonders gut ankommen. Hier nutzt Getyourguide die Daten, um nach dem Vorbild der Spotify-Vorschlagslisten den Kunden weitere Touren anzubieten, die sie interessieren könnten.

Der Aufwand für exklusiven Inhalten und die Algorithmen für persönlichere Angebote rechnet sich. Zwar steckt Getyourguide für die Touren laut Insidern bis zu 20 Prozent mehr aus als Anbieter anderer Angebote. Doch das machen die zusätzlichen Einnahmen mehr als wett, rechnet Finanzvorstand Chrestin vor: „Weil die Kunden zufriedener sind, buchen sie öfter auch andere Angebote. Das sorgt für eine höhere Auslastung und erlaubt den höheren Aufwand.“ Zudem bekommt Getyourguide pro Teilnehmer auch etwas höhere Preise.

Risiko Softbank

Ob das ausreicht, wird sich zeigen. Denn am Ende könnte ausgerechnet die Hilfe von Softbank und der Wissensaustausch zwischen anderen Beteiligungen zum Problem werden. Dafür sorgt vor allem ein Teil der Investmentstrategie der Japaner: gleich in mehrere Unternehmen der gleichen Sparte zu investieren. Im Falle von Getyourguide ist dies Klook aus Singapur, die bereits deutlich größer ist. „Es ist ein gefährliches Spiel, in konkurrierende Unternehmen zu investieren und dann beide gegeneinander antreten zu lassen“, warnt Brad Gerstner, Gründer des Investmenthauses Altimeter Capital.

Wie gefährlich, das zeigen in den USA die Zahlen der Softbank-eigenen Lieferdienste DoorDash und die Uber-Tochter Uber Eats. Trotz großem Wachstum und vielen Kunden bekommen beide für jede vermittelte Lieferung so wenig, dass sie draufzahlen. Und Besserung ist nicht in Sicht.

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