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Deutsche Thomas Cook Wiederauferstehung mit der Marke Neckermann?

Thomas Cooks Hoffnung heißt Neckermann? Quelle: imago images

Nach dem Insolvenzantrag in der vergangenen Woche hofft die deutsche Thomas Cook nun auf einen Überbrückungskredit der Bundesregierung und setzt alle Hoffnung in eine Wiederauferstehung mit der Marke Neckermann.

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Die Traditionsmarke Neckermann soll es richten. Von einem Neustart ist in Oberursel, dem Firmensitz der deutschen Thomas Cook, die Rede. „Ich sehe gute Chancen, die glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben“, sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook der Deutschen Presse-Agentur.

Mit dem Insolvenzantrag am vergangenen Mittwoch war die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten. Damit endete aber scheinbar nicht die Hoffnung und der Kampf bei Thomas Cook um eine Zukunft für das Unternehmens. Nach dem ersten Schock überwiege bei den Mitarbeitern inzwischen die Hoffnung, meint Berk. „Die Situation für die rund 2000 Beschäftigten ist hart, aber man merkt Aufbruchstimmung“, berichtet die Unternehmenschefin aus Oberursel. „Der Auftritt der vorläufigen Insolvenzverwalter vergangene Woche auf der Betriebsversammlung hat den Eindruck hinterlassen, dass die Sanierung gelingen kann.“ Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind den Angaben zufolge bis Ende November 2019 durch das Insolvenzgeld gesichert.

Der erfahrene Experte Ottmar Hermann und zwei seiner Kollegen aus der Kanzlei HWW sind zu vorläufigen Insolvenzverwaltern ernannt worden. Insbesondere Hermann gilt als einer der renommiertesten deutschen Insolvenzexperten. Die Sanierungsexperten wollen nun versuchen, die drei Thomas-Cook-Gesellschaften in Deutschland fortzuführen und eine Zukunftslösung zu finden.

Hoffnungstreiber ist für Thomas Cook Deutschland vor allem die Marke Neckermann. Sie ist laut Berk nach wie vor die volumenstärkste Reisemarke des Unternehmens in Deutschland. Außerdem hofft Thomas Cook auf staatliche Unterstützung, hat beim Bund und beim Land Hessen einen Überbrückungskredit beantragt. Dabei soll es sich um 375 Millionen Euro handeln, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen berichtet. „Dieser soll uns die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs ermöglichen, parallel dazu werden Gespräche mit Investoren geführt“, so Berk. Über diesen Antrag wolle die Bundesregierung „zeitnah“ entscheiden, kündigte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Montag in Berlin an. Was „zeitnah“ allerdings genau bedeuten würde, sagte sie nicht.

Neben den finanziellen Unsicherheiten kämpft Thomas Cook aber auch gegen den erwartbaren Vertrauensverlust bei den Reisenden. Den Verkauf neuer Reisen hat Thomas Cook vergangene Woche Montag bereits gestoppt. Derzeit können Urlauber nicht mehr mit der deutschen Thomas Cook starten. Alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober wurden abgesagt, auch wenn sie schon bezahlt sind. Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. Die weitere Vorgehensweise werde geprüft, hieß es. Wie viele Kunden betroffen sind, ist unklar. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660.000 Kunden eine Reise bei dem Unternehmen gebucht.

„Es muss uns gelingen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen“, räumte Berk ein. „Wir alle bei Thomas Cook, aber auch bei der Zurich Versicherung versuchen, unsere betroffenen Kunden so viel wie möglich zu unterstützen.“ Grundsätzlich ist für abgesagte Reisen der deutschen Thomas Cook die Versicherung Zurich zuständig. Verbraucherschützer bezweifeln allerdings, dass die Gesamtsumme von 110 Millionen Euro reicht, um allen Betroffenen den vollen Preis zurückzuerstatten.

Mit Material von dpa und Reuters

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