Deutschland-Chef Andreas Nau Expedia will verstärkt Familien als Kunden gewinnen

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Der Deutschland-Chef der Internet-Reiseagentur Expedia, Andreas Nau, schwimmt in einem Datenmeer und will mit neuen Funktionen mehr Familien gewinnen.

Andreas Nau Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Nau, die Internet-Reiseagentur Expedia hat eine weltweite Wachstumsoffensive angekündigt. Knapp 480 Millionen Euro will sie allein dafür ausgeben, rund 60 Prozent des Hotel-Vergleichsportals Trivago zu übernehmen. Was haben Sie in Deutschland vor?

Nau: Wenn wir uns das Reiseverhalten hierzulande anschauen, dann gibt es drei große Trends: Die Menschen machen häufiger Urlaub, die einzelnen Reisen werden dabei aber kürzer, und insgesamt wird immer häufiger online gebucht. Für uns als Reise-Plattform mit einem Vollsortiment...

...wo Flüge oder Hotels einzeln oder in Kombination gebucht werden können, aber auch komplette Pauschalreisen vieler großer Reiseveranstalter...

...ist erfolgsentscheidend, dass wir möglichst viele Besucher unserer Plattform dazu veranlassen, sich nicht nur bei uns zu informieren, sondern auch zu buchen. Das schaffen wir, indem wir potenziellen Kunden möglichst passgenaue Angebote unterbreiten.

Woher wissen Sie so genau, was Ihre Kunden wollen?

Wir verkaufen jeden Tag genug Tickets, um mehr als 500 Boeing 737 zu füllen. Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatten wir einen globalen Zuwachs bei den Hotelbuchungen von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und wir sind Daten-Freaks. Zum Thema Reisen haben wir vermutlich mehr Daten gesammelt als Google oder jedes andere Unternehmen. Durch diese Daten und unsere weltweite Präsenz können wir sehr früh die globalen Reisetrends erkennen und dann sehr schnell auf neue Bedürfnisse des Marktes reagieren.

So speist und fliegt es sich erstklassig
Die insolvente US-Fluggesellschaft American Airline verzichtete trotz der Durststrecke nicht auf Komfort für die First Class auf internationalen Strecken. Hohe Personalkosten und gestiegene Spritpreise hatten die Gesellschaft im November 2011 in die Knie gezwungen. Quelle: Presse
In der ersten Klasse reicht die Airline gerne edlen Rotwein zum Chateaubriand. Quelle: Presse
Die größte britische Fluggesellschaft und eine der größten Fluggesellschaften weltweit, setzt in der First Class auf neue komfortable Kabinen. Quelle: Presse
Bisher sind die neuen Kabinen jedoch nur für Flüge zwischen London, New York, Shanghai, Tokyo, Hong Kong und Sao Paulo installiert. Quelle: Presse
Im vergangenen Jahr wurde die Fluggesellschaft von Abu Dhabi mit dem "World Travel Award" - quasi dem Oscar der Tourismusbranche - ausgezeichnet. Quelle: Presse
Der Luxusliner bietet seinen First Class-Passagieren geräumige Bettkabinen. Quelle: Presse
Wer möchte, kann sich an Board von dem flugzeugeigenen Chefkoch persönlich beraten lassen. Quelle: Presse
Eine weitere arabische Fluggesellschaft, die sich den Luxus auf die Flügel geschrieben hat ist Emirates. Sie bietet etwa abtrennbare „private Suiten“. Quelle: Presse
Ein solches Verwöhnpaket verspricht Emirates seinen First-Class-Gästen. Quelle: Presse
Auch die japanische Fluggesellschaft JAL hat in ihrer First Class Sitze eingeführt, die sich in Betten verwandeln lassen. Eine Trennwand sorgt für Privatsphäre. Quelle: Presse
In der ersten Klasse der Langstreckenflüge der Lufthansa, bietet die größte deutsche Fluggesellschaft komfortable Sitze mit integriertem Bildschirm. Quelle: Presse
Durch Kooperationen mit Hotelketten der Luxusklasse werden Speisen von Star Chefs serviert. Quelle: Presse
Auch die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hat Kabinensitze eingeführt, die mittlerweile zum Mindeststandard der First Class gehören. Quelle: Presse
Für das Essen ist der australische Starkoch Neil Perry zuständig. Gegessen wird nicht auf dem Klapptisch, sondern einem restaurantähnlichen Ambiente. Quelle: Presse

Was machen Sie mit den vielen Daten?

Mit unserem Wissen über das Reiseverhalten können wir potenziellen Kunden Reiseempfehlungen unterbreiten, so ähnlich wie Amazon das bei Musik, Filmen oder Büchern macht. Einem Ehepaar, bei dem wir aus unseren Daten wissen, dass der Mann während eines früheren Urlaubs mal Tennis gespielt und die Frau Reitstunden genommen hat, würden wir ein Hotel vorschlagen, das diese beiden Sportangebote im Programm hat. So, wie das ein Reisebüromitarbeiter bei einem Stammkunden auch machen würde.

Welche Zielgruppen haben Sie damit im Visier?

Grundsätzlich passt das für alle: für Singles, für Paare und für Familien. Das größte Potenzial sehen wir aber bei Familien, die bei uns mit einem Anteil von ungefähr 20 bis 30 Prozent an den Urlaubsbuchungen noch unterrepräsentiert sind.

Chinesen sind neue Reiseweltmeister
Platz 10: ItalienDie Italiener, selbst mit einem wunderschönen Land gesegnet (im Bild: Rom), gaben im Jahr 2012 über 20 Milliarden US-Dollar für Reisen ins Ausland aus. (Quelle: UNWTO, Commerzbank Research) Quelle: REUTERS
Platz 9: AustralienDie Australier sind reisesüchtig. Man trifft sie an allen touristischen Hotspots der Welt. Entsprechend hoch sind ihre Ausgaben für Reisen ins Ausland - 2012 betrugen diese über 25 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 8: JapanDie Bewohner des Inselstaates (im Bild: Tokyo) gaben im vergangenen Jahr knapp unter 30 Milliarden US-Dollar bei Auslandsreisen aus. Sie bevorzugen Ziele in China, Südkorea oder den USA. Quelle: dpa
Platz 7: KanadaAuch die Kanadier (im Bild Toronto) sind reisefreudig. Sie gaben im Jahr 2012 geschätzte 33 Milliarden US-Dollar dafür aus. Sie mögen besonders gerne europäische Städte: Paris und London zum Beispiel. Quelle: AP
Platz 6: RusslandDie Russen (Moskau im Bild) gaben im vergangenen Jahr knapp 40 Milliarden US-Dollar bei ihren Reisen ins Ausland aus. Ein besonders beliebtes Reiseziel für betuchte Gäste aus Sankt Petersburg und Moskau: Die Mittelmeerinsel Zypern. Quelle: dpa
Platz 5: FrankreichDie Franzosen gaben im Jahr 2012 knapp 40 Milliarden US-Dollar für Reisen aus. Im Bild: Die Kulturhauptstadt Europas 2013 Marseille. Quelle: REUTERS
Platz 4: GroßbritannienDie Touristen aus den britischen Inseln reisen gerne nach Südeuropa - dahin, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und das Essen schmeckt. Für ihre Reiseaufenthalte gaben die Briten im Jahr 2012 über 50 Milliarden US-Dollar aus. Quelle: dpa
Platz 3: DeutschlandDeutschland, lange Jahre der Reiseweltmeister, rutscht vom Thron auf Platz drei ab. Die Ausgaben betrugen das Jahr 2012 geschätzt 82 Milliarden US-Dollar. Quelle: dapd
Platz 2: USADie US-Amerikaner bleiben freudige Fernreisende. Egal, ob in der Welt oder im eigenen Land, wo sie auf faszinierende Ziele wie der Grand Canyon (im Bild) treffen. Ihre Ausgaben für Tourismus & Co lagen im Jahr 2012 bei über 85 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 1: ChinaDie Touristen aus dem Reich der Mitte haben nicht nur die Deutschen vom Thron der Vielreisenden geschubst, sondern sie geben auch das meiste Geld bei ihren Reisen aus. Schätzungen zufolge betrugen die Urlaubsausgaben der Chinesen im Jahr 2012 über 90 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. Die Chinesen sind damit Reiseweltmeister. Die Unternehmen, die unmittelbar mit chinesischen Touristen zu tun haben, stellen sich auf den Ansturm aus Asien ein. Zum Beispiel am Frankfurter Flughafen: Dort sprechen einzelne Mitarbeiter in Duty-Free-Shops mittlerweile Mandarin. Quelle: dapd

Warum sollten die ausgerechnet bei Ihnen buchen?

Da gibt es eine Menge Gründe. Bei uns kann der Kunde beispielsweise wählen, ob er sein Hotel im Voraus bezahlen will oder erst vor Ort. Außerdem haben wir vor wenigen Wochen eine Partnerschaft mit Payback vereinbart: Wer bei uns einen Flug bucht, bekommt pauschal 100 Payback-Punkte, für andere Leistungen gibt es einen Punkt für jeweils zwei Euro Rechnungssumme. In Deutschland sind über 20 Millionen Payback-Karten im Umlauf, jede wird im Schnitt 1,5-mal am Tag benutzt. Mit unserer neuen Partnerschaft schaffen wir also einen zusätzlichen Anreiz, bei uns zu buchen.

Payback-Punkte gibt es auch beim Tanken oder in der Drogerie. Was ist denn nun das Besondere für Familien?

Wir führen in Kürze eine neue Benutzeroberfläche ein, mit der die Bedürfnisse von Familien besser abgebildet werden und die sie so nirgends finden. Mit unseren Suchfunktionen kann man zum Beispiel ganz gezielt nach einem Hotel suchen, das eine Wasserrutsche für die Kids, ein Spa für die Mama und einen Golfplatz für den Papa hat. Und wenn das richtige Hotel gefunden ist, können sie gleich zwei nebeneinanderliegende Zimmer buchen, das eine mit Doppelbett für die Eltern, das andere mit Einzelbetten für die beiden Kinder.

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