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Deutschlands älteste Tankstelle ist zu „Fast jeden Monat ist mir ein Kunde weggestorben“

Tankwart Manfred Milz betankt in seiner Hinterhoftankstelle einen VW Käfer von 1958. Quelle: dpa

Die vermutlich älteste Tankstelle in Deutschland stand fast 95 Jahre in Essen. Aber sie war unrentabel und Inhaber Manfred „Manni“ Milz hatte genug. Am Freitag kamen viele zum letzten Tankstopp mit Nostalgie.

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Am letzten Tag von Deutschlands wohl ältester Tankstelle stellt Tankwart Manfred Milz verschmitzt fest: „Ich wusste, dass ich beliebt bin, aber so dermaßen?“ Die Tanke in einem Hinterhof in Essen hat nach 95 Jahren am Freitag ihren Betrieb eingestellt. Mehr als ein halbes Jahrzehnt war Milz hier der Mann für alles. Das ist nun vorbei und man merkt: Der Abschied tut vielen weh. Sie beweisen es mit einem letzten Tankstopp.

Manni, wie ihn hier fast alle nennen, schüttelt Hände, nimmt Blumen, Flaschen, Geschenke und Grußkarten entgegen. Sie stapeln sich in dem kargen Verkaufsraum, der wie aus der Zeit gefallen erscheint. Zwischendurch muss er immer wieder Tanks befüllen und Scheiben putzen. Die Zapfsäulen waren stets absichtlich so eingestellt, dass sie langsam laufen. So blieb mehr Zeit für ein Schwätzchen.

Der Bau mit dem einfachen Tankstellendach, den Werkstattschuppen und alten Garagen könnte als Kulisse für einen Film über vergangene Jahrzehnte dienen. „Sowas gibt es ja sonst gar nicht mehr“ und „Der Manni, der ist 'ne lebende Legende“ - solche Sätze fallen oft an diesem letzten Tag. Manches Auge wird feucht, es gibt Umarmungen.

Beinahe wie bestellt rollt ein Käfer von 1958, diamantgrau-metallic, auf den Hof. Während die meisten Autos rückwärts an die Zapfsäulen fahren, parkt der Käfer vorwärts ein, denn sein Tankstutzen befindet sich vorne. Manni kennt sich aus, kriecht weit unter die Haube. Ein Fotomotiv wie aus einer anderen Zeit. 1924 hatte die Tankstelle, die früher seinem Adoptivvater gehörte, ihre Lizenz erhalten. Laut Tankstellen-Fachverband war sie Deutschlands älteste Station, die in ihrer ursprünglichen Form noch existierte.

Doch Manfred Milz ist auch froh. 70 wird er dieses Jahr. Tankwart ist Knochenarbeit. Und wirft nicht viel ab. Wagenwäsche hat er von Hand gemacht, Räder wechseln, Scheiben putzen, kleine Reparaturen. Mit seinem Laden war er schon lange nicht mehr auf dem neuestem Stand oder konkurrenzfähig. Auch sein kleiner Getränkehandel ist mit den Jahren immer beschwerlicher geworden.

Modernisierungen hätten nicht gelohnt, sagt Milz. Stromtanken ging bei ihm deshalb nicht. „Ich hab immer gesagt: Solange das Öl aus dem Boden sprudelt, haben die anderen Energien keine Chance gegen Sprit.“ Wenn er Bundeskanzler wäre, fügt Milz an, er würde den Leuten erstmal klar machen, dass man sonntags nicht Auto fahren muss. Dann wäre viel mehr für die Umwelt getan, findet er.

Milz hadert nicht mit den Realitäten. Der 69-Jährige hat lange nach einem Nachfolger gesucht. Aber keiner habe es ernst gemeint. „Viele wollten. Aber nur ein bisschen. Das hier muss man aber mit ganzem Einsatz machen. Ist nix für Luschies.“ Mit dem Pragmatismus des Ruhrpott-Originals konstatiert er: „Alte Tankstellen finden alle schön, sie sind aber nicht mehr im Trend. Auch der Kundenstamm ist alt. Fast jeden Monat ist mir ein Kunde weggestorben.“

Junge Leute seien nicht mehr so heiß aufs eigene Auto. „Die machen Carsharing und sowas.“ Und Manni? Der setzt bei seiner Mobilität künftig aufs Fahrrad. Ausgedehnte Touren durchs Ruhrgebiet will er machen.

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