DFB-Affäre Brief-Notiz belastet Niersbach in WM-Skandal

In der DFB-Affäre rückt die Steuererklärung von 2006 immer mehr in den Mittelpunkt. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät durch eine angebliche Brief-Notiz weiter unter Druck.

Die zentralen Figuren des WM-Sommers 2006
Die hochbrisanten Vorwürfe zu einem angeblichen Kauf von Stimmen bei der Vergabe der WM 2006 beschäftigen den Deutschen Fußball-Bund. Der Verband weist die vom „Spiegel“ erhobenen Anschuldigungen mit Macht zurück und droht mit juristischen Gegenmaßnahmen. Sowohl beim DFB als auch bei der FIFA werden sich dennoch interne Ermittler der Aufklärung der Sache annehmen. Im Fokus dürften dabei auch die Macher des Sommermärchens stehen - und ein ehemaliger Adidas-Chef. Quelle: AP
Der Präsident des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Franz Beckenbauer Quelle: dpa
Wolfgang Niersbach Quelle: AP
Fedor Radmann mit Blatter und Beckenbauer Quelle: dpa
Theo Zwanziger Quelle: dpa
Horst R. Schmidt Quelle: dpa
Robert Louis-Dreyfus Quelle: dpa

In der DFB-Affäre sucht die Frankfurter Staatsanwaltschaft einem „Spiegel“-Bericht zufolge nach Steuervergehen schon lange vor dem Sommermärchen. Die Behörde nimmt bei ihren Ermittlungen rund um die ominöse Rückzahlung von 6,7 Millionen Euro Vorgänge ab 2000 und damit auch aus der Zeit vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 ins Visier. Das berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich dabei auf den Durchsuchungsbeschluss vom 29. Oktober. Die Staatsanwaltschaft wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren.

Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, soll der DFB dem Beschluss zufolge insgesamt Steuern in Höhe von rund 2,567 Millionen Euro hinterzogen haben. Hintergrund ist die Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005, die der Verband in der Steuererklärung 2006 als Betriebsausgabe geltend gemacht hat.

In der offenbar von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach 2007 unterschriebenen Steuererklärung war die Zahlung, die über die FIFA an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus gegangen sein soll, als Beitrag zum Kulturprogramm getarnt worden.

Niersbach hatte bislang stets versichert, erst in diesem Sommer vom Zusammenhang zwischen der Millionen-Überweisung und der Rückzahlung an Louis-Dreyfus erfahren zu haben. Ein Briefentwurf, den der „Spiegel“ nun veröffentlichte, soll aber belegen, dass Niersbach doch schon viel früher Kenntnis von den Absprachen hatte. Darauf lassen laut „Spiegel“ handschriftliche Vermerke auf dem Brief aus dem November 2004 schließen, die demnach wohl von Niersbach stammen.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

In den Brief sind die Worte „das vereinbarte Honorar für H.L.D.“ geschrieben. „H.L.D.“ stehe demnach für Herrn Louis-Dreyfus. Autor der Notiz soll Niersbach sein, dies legen nach „Spiegel“-Angaben Vergleichsproben mit seiner Handschrift nahe. Von dem Dokument hatte das Nachrichtenmagazin seit drei Wochen berichtet, es nun aber erstmals als Faksimile veröffentlicht.

Der DFB-Chefrevisor Hans-Ludwig Meyer hat derweil mit Verwunderung auf den angeblich langen Zeitraum zwischen Testierung und Unterzeichnung der DFB-Steuererklärung mit der ominösen 6,7-Millionenzahlung reagiert. „Ich kann das nicht nachvollziehen, das ist eigentlich nicht üblich“, sagte Meyer am Freitag.

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