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DHL, Hermes, DPD und Co So wappnen sich Paketdienste für Weihnachten

Um die Paket-Mengen an Weihnachten zu bewältigen, brauchen die Zustellfirmen zusätzliche Arbeitskräfte, Autos, modernere Sortiermaschinen und mehr Platz in ihren Paketzentren. Quelle: imago images

Jedes Jahr suchen die Paketdienste tausende zusätzliche Arbeitskräfte für die Hochsaison vor Weihnachten. Kunden müssen deshalb bald einen kräftigen Preisaufschlag zahlen. Dafür soll das Chaos in diesem Jahr ausbleiben.

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Bei UPS ist Weihnachten Familienzeit. Wenn die Feiertage nahen, fordert der Konzern alle auf, mit anzupacken: Manager, Personaler, Marketing-Experten, und ja, auch die Familien der Zusteller. „Es kann dann vorkommen, dass ein Zusteller mit seiner Frau und seinem Sohn zusammen Pakete zustellt“, teilt der Konzern mit. Gegen Bezahlung, natürlich.

Anfang November beginnt für die Paketdienste der Ausnahmezustand. Denn in den letzten beiden Monaten des Jahres bestellen die Deutschen so viel wie nie zuvor. Sie shoppen am Black Friday und ordern die Geschenke für Weihnachten. An manchen Tagen müssen die Zusteller so über 50 Prozent mehr Pakete ausliefern als üblich. Mit elf Millionen Paketen rechnet alleine DHL in den Tagen vor Heiligabend – pro Tag!

Um diese Mengen zu bewältigen, brauchen die Zustellfirmen zusätzliche Arbeitskräfte und Autos, modernere Sortiermaschinen und mehr Platz in ihren Paketzentren. Bei dem Stress in den Logistikzentren, der Auslastung am Limit, bei überarbeiteten Zustellern und ungeübten Aushilfskräften ging in der Vergangenheit viel schief. Und Kunden warteten vergeblich auf ihre Bestellungen. In diesem Jahr versprechen die Zustellfirmen: Das soll nicht mehr passieren, das Weihnachtschaos bleibt diesmal aus. Dafür werden die Pakete nun teurer.

Die WirtschaftsWoche befragte alle großen deutschen Paketdienste zu ihren Maßnahmen für das nahende Weihnachtsgeschäft. Sowohl die Deutsche Post DHL, als auch DPD, Hermes, UPS und Amazon sind auf der Suche nach zusätzlichen Arbeitskräften für die Hochsaison. DHL will 10.000 zusätzliche Arbeitskräfte anheuern. Hermes sucht 6300 Zusteller – und stockt damit seine Mannschaft um mehr als die Hälfte auf. DPD rechnet mit 4000 zusätzlichen Hilfskräften, und auch UPS und Amazon sind auf der Suche. Der Internethändler macht zwar keine Angaben zur genauen Zahl der Aushilfen – aber auch er dürfte tausende Zusteller suchen. Weil die schwer zu finden sind, wenden sich die Paketdienste teilweise auch an ausländische Leiharbeiterfirmen. Oder, wie UPS, an die Familien der Zusteller.

Die Zahl der gesuchten Saisonkräfte ist dabei nicht höher als in den Vorjahren. Die Zeiten des explosiven Wachstums des Weihnachtsgeschäftes seien vorbei, heißt es bei den Paketdiensten. Die Versandmengen hätten sich über das Jahr angeglichen, erklärt Hermes. „Das hängt schlichtweg damit zusammen, dass die Deutschen längst auch unterjährig immer mehr bestellen.“ So fallen der Black Friday und Weihnachten jetzt nicht mehr so sehr ins Gewicht wie zuvor.

Um der Bestell-Lust der Deutschen Herr zu werden, haben die Paketdienste in den vergangenen Jahren stark aufgerüstet. So hat DHL in diesem Jahr auf dem ehemaligen Gelände des Opelwerkes in Bochum ein neues Paketzentrum eröffnet, 15.000 Sendungen können dort in nur einer Stunde bearbeitet werden. Konkurrent Hermes eröffnete in Leipzig, Greven und Hamburg gleich drei neue Verteilerzentren.

Und diese Investitionen lassen sich DHL, Hermes und Co mittlerweile bezahlen. Alle Paketdienste versuchen, höhere Preise im Markt durchzusetzen. So hat DHL seine Listenpreise für Pakete erst im September dieses Jahres angehoben. Der Konzern erhebt nun auch eine Mautgebühr von zehn Cent je Paket. Und Hermes erhöhte seine Preise für Onlinehändler bereits im Frühjahr 2018 um durchschnittlich 4,5 Prozent.

Doch damit nicht genug: Ein Großteil der Paketdienste erhebt nun auch einen Peak-Zuschlag für das Weihnachtsgeschäft. So will der Paketdienst DPD „in der Regel 75 Cent“ für jede Onlinesendung bis Weihnachten verlangen. Auch Hermes erhebt bis zum Jahresende einen sogenannten „Peak-Zuschlag“. Das gelte „auch für Retouren“, teilte das Unternehmen mit. Wie hoch die Aufschläge seien, verhandele Hermes mit seinen Geschäftskunden individuell.

Privatpersonen könnten die höheren Preise zu spüren bekommen, räumt der Paketdienst ein: „Inwieweit höhere Preise vom Händler an den Kunden weitergegeben werden, ist einzig und allein Entscheidung des Händlers.“ Beim Konkurrenten UPS gelten Aufschläge insbesondere für große Pakete. Nur der Marktführer DHL will offiziell auf einen pauschalen Aufpreis verzichten.



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