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Die Investments der Flixbus-Gründer Wurst light fürs Volk

Flixbus: Die Investments der drei Gründer auf einen Blick Quelle: PR

Die drei Gründer von Flixbus haben inzwischen so viel Geld verdient, dass sie selbst einen Teil davon in Start-ups investieren. Ihre Strategie: Es gibt keine. Hauptsache, die Idee klingt cool und vielversprechend.

Wer die Unternehmer-Geschichte von André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss erzählen will, kommt an dieser Anekdote kaum vorbei: Dem Trio war es egal, welches Business sie gründen.

Schwämmlein und Engert, heute beide Mitte 30 und seit langem miteinander befreundet, hatten sich irgendwann nach 2010 entschieden, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Sie schrieben rund 50 Ideen für Produkte und Dienstleistungen auf eine Liste, verwarfen die meisten. Am Ende blieb das Fernbus-Geschäft. Die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung wollte den Markt im Jahr 2013 liberalisieren und die Deutsche Bahn hatte 2011 öffentliche beteuert, das Geschäft sei für sie uninteressant. Das sei die „Initialzündung“ gewesen, sagt Schwämmlein im Nachhinein. Ex-Bahnchef Rüdiger Grube ist so eine Art Geburtshelfer für Flixbus geworden.

Heute ist das Unternehmen Monopolist im deutschen Fernbusmarkt und erobert gerade ein Land nach dem anderen. Die Deutsche Bahn ist aus dem Fernbusgeschäft ausgestiegen und kämpft mit ihren ICE-Zügen gegen den jungen Wilden.

Das Münchener Unternehmen Flixbus, das inzwischen unter der Dachmarke Flixmobility firmiert, ist mittlerweile so erfolgreich, dass die Gründer selbst einen Teil ihres Vermögens in Start-ups investieren. Wie früher zeigen sie nicht nur Leidenschaft für ein Thema. Sie sind bereit, in alles Mögliche zu investieren. Hauptsache: Die Idee klingt cool und vielversprechend. Oft werden die Vorschläge von Geschäftspartnern und Freunden an sie herangetragen, heißt es.

Kein Wunder, dass die Investments der Flixbus-Gründer wild gemischt sind. Ein Überblick.

Compredict: Bei dem Unternehmen aus Darmstadt geht es um Mobilität auf der Straße. Autos statt Busse. Das Start-up ist überzeugt, die Lebensdauer von Verschleißteilen in Serienfahrzeugen anhand des Fahrstils des Besitzers vorhersagen zu können. Schon heute messen herkömmliche Sensoren in Autos Daten wie Geschwindigkeit, Temperatur und Drehmomente. Compredict will mit den Daten prognostizieren können, welche Teile etwa bei Lenkung, Getriebe und Fahrwerk kaputt gehen bevor sie kaputt gehen. Die Technik soll Unfälle vermeiden. Das Start-up hat bereits Preise des Bundeswirtschaftsministeriums gewonnen.

Everskill: Das Start-up aus München hat nichts mit Mobilität zu tun. Es will bilden und glaubt an die Kraft der Wiederholung. Im Prinzip will es ein bekanntes Grundproblem lösen: dass Seminarteilnehmer vergessen, was sie gelernt haben, sobald sie der Alltagsstress zurück hat. Everskill hält nach, bleibt in Kontakt mit den Mitarbeitern, animiert zum nachhaltigen Lernen. Flixbus selbst hat die App offenbar ausprobiert. Flixmobility-Chef Engert sagt, Everskill habe „unser Training zu einem wesentlich interaktiveren Erlebnis für die Teilnehmer gemacht – und uns geholfen, eine nachhaltige und messbare Verbesserung unseres Teams zu gewährleisten“. Klingt nach alles und nichts.

Grillido: Die Light-Wurst fürs Volk. Das Start-up aus München produziert Wurst mit weniger Fett. Stattdessen gibt es Blattspinat, Sauerkraut, Emmentaler oder Paprika. Das Motto der Mannschaft: eine Wurst mit guten Nährwerten. Viel Eiweiß, wenig Fett, Low Carb. „Ideal für Ernährungsbewusste und Sportler“, heißt es auf der Webseite von Grillido. Einen Vorgeschmack gefällig? Die Sorte Rind & Kräuter gibt es „mit bestem, geräuchertem und getrocknetem Muskelfleisch“ und 40 Prozent Eiweiß. Oder die „Protein-Tüte“: hochwertige Protein-Landjäger in drei leckeren Geschmacksrichtungen. Wohl bekomm's.

Lanes & Plane: Zurück zur Mobilität. Das Start-up aus München will die Reise „von Tür zu Tür“ organisieren. Egal ob Zug, Flug, Fernbus, Nahverkehr oder Taxi: Lanes & Plane übernimmt die Buchung. Die App richtet sich vor allem an Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter Reiserichtlinien anlegen und Rechnungen ablegen können. Das soll Zeit und Geld sparen, weil die Geschäftsreise „neu definiert“ werde.

Metalshub: Das Unternehmen aus Düsseldorf betreibt einen Online-Marktplatz für Metalle und Ferrolegierungen. Das Ziel: Einen effizienteren und liquideren physischen Markt zu schaffen. Klingt technisch, aber in Nischenmärkten liegen oft ungeahnte Potenziale. Den Nicht-Naturwissenschaftler dürften die Produkte wenig sagen. Auf Metalshub kann man etwa Molybdän, Vanadium, Bor und Niob kaufen und verkaufen. Good luck.

Nyris: Künstliche Intelligenz darf nicht fehlen im Portfolio der Flixbus-Gründer. Nyris erkennt Objekte anhand von Pixeln auf Fotos. Nutzer können ein Produkt mit der Handykamera abfotografieren und danach im Onlineshop suchen. Zumindest ist das das Ziel von Nyris. Eine visuelle Suchmaschine also. Auch der High-Tech-Gründerfonds der Bundesregierung ist an dem Unternehmen aus Berlin beteiligt.

Sennder: Das Start-up aus in Berlin sieht sich als digitale Spedition. Das Unternehmen verbindet über eine Software Handelsunternehmen, die Fracht verschicken wollen, mit Transporteuren, die die Fracht ans Ziel bringen. Gegründet wurde das Unternehmen 2015, angeblich gibt es bereits zahlreiche Kunden aus der e-Commerce-Szene und traditionelle Handelsunternehmen. Sennder will mehr Transparenz in der Logistik schaffen: 360-Grad-Service, Echtzeitbuchungen und punktgenaues Live-Tracking. Ein bisschen Flixbus für die Logistik.

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