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Digitalkonferenz DLD Facebook will in Institut für KI-Ethik investieren

20.01.2019, Bayern, München: Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, spricht bei der Innovationskonferenz Digital-Life-Design (DLD) darüber, wie sie Vertrauen zurückgewinnen wollen. Quelle: dpa

Facebook-Top-Managerin Sandberg wirbt um Vertrauen und kündigt ein Millionen-Investment für ein unabhängiges Institut für Ethik in der künstlichen Intelligenz an: Nur PR-Show – oder ein Schritt in die richtige Richtung?

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Bei Auswahl und Platzierung ihrer Rednerinnen und Redner haben die Organisatoren der Burda-Digitalkonferenz DLD in diesem Jahr wirklich ein gutes Händchen bewiesen: Direkt vor dem heiß erwarteten Auftritt des diesjährigen Top-Promis – der Facebook-Managerin Sheryl Sandberg – trat die britische Autorin und Oxford-Dozentin Rachel Botsman auf die große Bühne im Alten Kongresszentrum in München.

„Vertrauen als Währung“, so der Titel ihres Vortrages, durch den Botsman regelrecht rockte: „Vertrauen ist der Anfang und die Grundlage von allen“, beschwor die 41-Jährige die Zuhörer in der proppevollen Kongresshalle. „Vertrauen ist die Hauptwährung für menschliche Interaktionen und eine wichtige Voraussetzung für Innovationen.“

Am Ende ihrer 20-minütigen Rede erntete Botsman tosenden Applaus – womit sie zugleich das dramaturgisch perfekt passende Vorspiel zu ihrer Nachrednerin legte: Denn Sheryl Sandberg, als Chief Operating Officer die Nummer zwei im Konzern neben Gründer Mark Zuckerberg, war gerade deshalb nach München gekommen, weil Facebook das Mantra von Botsman zuletzt geradezu mit Füßen getreten hat.

Durch Negativschlagzeilen wie Fake News und Hassrede sowie den Datenskandal rund um Cambridge Analytica hat Facebook in den vergangenen zwei Jahren dramatisch an Vertrauen eingebüßt – und zwar bei Nutzern wie bei Regierungen gleichermaßen.

Sandbergs Rede glich denn auch einem einzigen verbalen Kotau. „Wir wissen, dass wir besser sein müssen und die Daten unserer Nutzer besser schützen müssen“, beteuerte die 49-jährige Amerikanerin eindringlich – und knüpfte direkt bei ihrer Vorrednerin an, ohne diese namentlich zu erwähnen: „Wir wissen, dass wir das Vertrauen unserer Nutzer zurückgewinnen müssen, das ist wirklich fundamental für uns.“

In der Folge marschierte sie in einer regelrechten Tour de Force durch all die Aktivitäten, die das weltgrößte soziale Netzwerk in den vergangenen Jahren angestoßen habe, um Fake News zu verringern und die Datensicherheit zu verbessern. Beispielsweise habe das Unternehmen 30.000 neue Mitarbeiter allein für die bessere Kontrolle der auf der Plattform geteilten Inhalte eingestellt.

Zudem habe Facebook mehrere Milliarden Dollar in Sicherheit investiert. So würden etwa Hassrede oder terroristische Inhalte heute teilweise bereits automatisiert per künstlicher Intelligenz (KI) entdeckt, noch bevor Nutzer solche Inhalte als problematisch melden. „Wir blocken mehr als eine Millionen Fake-Konten jeden Tag, manchmal sogar bereits in dem Moment, in dem sie erzeugt werden“, so Sandberg.

Und selbst hier will Facebook nicht stehen bleiben, wie die Managerin beteuerte. Man sei sich durchaus auch den Gefahren bewusst, die der Einsatz von KI mit sich bringe. „Daher investierten wir mehrere Millionen Dollar in ein Institut für KI-Ethik an der TU München“, kündigte Sandberg gestern überraschend an.

Die offiziell TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence genannte Einrichtung erhält von Facebook eine Erstfinanzierung in Höhe von 7,5 Millionen Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die unabhängige Forschungseinrichtung soll dazu beitragen, das aufkommende Feld der ethischen Forschung zu neuen Technologien voranzutreiben und grundlegende Fragen über Einsatz und Auswirkungen von KI untersuchen.

Ob das Investment mehr als ein „White Washing“ von Facebook ist, lässt sich derzeit noch nicht genau beurteilen. Denn über die Details der Kooperation mit der TU München und was genau man sich selbst davon verspricht, darüber schweigt sich Facebook abgesehen von der Ankündigung weitgehend aus.

Aber nicht alle Beobachter sehen in dem Engagement von Facebook eine reine PR-Show. Jaan Tallinn etwa, einer der Mitgründer von Skype und heute unter anderem als Skeptiker in Sachen KI unterwegs, bewertet den Schritt durchaus positiv: „Die Auswirkungen von KI können in Zukunft sehr weitreichend sein“, so Tallinn im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Durch ein von Facebook unterstütztes Institut für Ethik in der KI erhält das Thema die notwendige Aufmerksamkeit.“

Vertrauen hat Sandberg mit der Ankündigung zwar noch nicht zurückgewonnen – aber offenbar einen ersten Schritt in die richtige Richtung unternommen.

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