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Diplomatie statt Klartext Luftfahrbranche traut sich nicht zu meckern

Die erste gemeinsame Studie von Unternehmen und Gewerkschaften zu den Problemen der Luftverkehrswirtschaft ist milder als erwartet. Wahrscheinlich weil die Partner zu viel Rücksicht auf einander genommen haben.

Die beliebtesten Airlines der Welt
Platz 20 - Air Canada (Kanada)Die größte kanadische Airline rangiert unter den besten 20. Mit dem Service an Bord der Maschinen sind die Kunden etwas weniger zufrieden als im Vorjahr. Da erreichten die Kanadier noch Platz 19.
Platz 19 - Hainan Airlines (China)Obwohl die Airline noch keine 20 Jahre alt ist, gehört sie zu den größten der Welt. Benannt wurde sie nach einer Insel südlich von China. Die junge Flotte und das freundliche Personal verschaffen der Fluggesellschaft einen Rang unter den Top 20.
Platz 18 - Air New ZealandMit einer relativ kleinen Flotte ist das Mitglied der Star Alliance geradezu winzig im Vergleich mit den Branchenriesen. Im Service schneidet die Airline gut ab. Die Neuseeländer rangieren auf Platz 18. Quelle: rtr
Platz 17 - Korean Air (Südkorea)Der Anspruch der Koreaner ist groß: Mit einer erneuerten Flotte steigt die Airline groß im hart umkämpften asiatischen Markt ein. Der Service blieb im abgelaufenen Geschäftsjahr stabil. Quelle: AP
Platz 16 - Swiss (Schweiz)Vom Problemfall zum Vorbild: Die Lufthansa-Tochter hat turbulente Zeiten hinter sich, fliegt aber mittlerweile wieder erfolgreich. Die Zufriedenheit der Kunden war relativ stabil. Die Schweizer büßten einen Platz ein. Quelle: rtr
Platz 15 - Thai Airways (Thailand)Die staatliche Fluggesellschaft Thailands ist Mitglied der Star Alliance und vielen Deutschen als Urlaubsflieger bekannt. Im Zufriedenheitsranking hat die Fluggesellschaft dieses Mal sechs Plätze eingebüßt und fällt aus den Top 10. Quelle: Presse
Platz 14 - Malaysia Airlines (Malaysia)Für die Airline insgesamt reicht es diesmal nur für Platz 14. Im Vorjahr erreichte die Fluggesellschaft noch Platz 10. Quelle: rtr

Es hätte ein großer Aufschlag werden sollen. Zum ersten Mal wollten Deutschlands Fluglinien, die großen Airports und alle Gewerkschaften gemeinsam und in deutlichen Worten auf die zunehmend ungemütliche Lage ihrer Branche aufmerksam machen - gerade im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz durch Billigflieger und Golfairlines.

Mit ähnlichen Alarmrufen haben in der Vergangenheit viele andere Branchen Gehör bei der Politik gefunden. Die Stahlbranche etwa oder die Autoindustrie, die nach Beginn der Finanzkrise die milliardenschwere Abwrackprämie für Altautos bekam. Damit die Sache auch seriös rüberkommt und nicht nach Lobbyismus klingt, bestellten die Akteure eine Studie beim Handelsblatt Research Institut, einer Art Schwesterunternehmen der WirtschaftsWoche.

Doch es kam ein wenig anders als erwartet, als am Montag Morgen die Akteure vor die Presse traten. Zunächst war die die Studie wie bei Wissenschaftlern üblich mit 120 Seiten recht lang und zurückhaltend. „Den Verfassern geht es nicht darum, einen Forderungskatalog oder ein Lastenheft für die Politik zu erstellen“, heißt es da vorsichtig.

Wunsch nach fairem Wettbewerb

Im Anschluss daran folgten die Stellungnahmen der einzelnen Parteien. Die hatten zwar konkrete Forderungen nach einem Ende der Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten deutscher Airlines. Doch die waren nun wirklich nicht besonders originell. Sie forderten ein Ende der Luftverkehrsabgabe, wie es alle Beteiligten seit deren Start vor vier Jahren verlangen. Dazu soll der Emissionshandel für die Luftfahrt, bei dem alle Fluglinien bei Flügen mit Start in der EU für ihre Klimagase zahlen sollen, wettbewerbsneutral sein. Und zu guter Letzt sollen weitere Betriebsbeschränkungen über die bestehenden Nachtflugverbote hinaus nicht noch strenger werden und die wachsenden Sicherheitskontrollen effizienter werden. 

Ursprünglich geplant waren auch ein paar klare Worte zum Thema gleiche Wettbewerbsbedingungen, die über Steuern hinausgehen. Der Punkt ist zwar in der Studie genannt und in der gemeinsamen Presseerklärung angesprochen. Doch die Sache bleibt deutlich wolkiger als das, was vor allem die Lufthansa und die Flughäfen gerne gehabt hätten.

Lufthansa moniert große Auflagen in Deutschland

Denn die Lufthansa stört nicht nur, dass die drei großen Fluglinien vom Golf Emirates aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi und Qatar Airways mehr Flüge nach Deutschland haben als die Lufthansa im Scheichgebiet. Das wundert aber auch niemanden - schließlich hat Deutschland nun mal mehr Ziele zu bieten als die Emirate. Auch KLM aus den Niederlanden hat wie auch die Schweizer Swiss oder Brussels Airlines aus Belgien mehr Ziele in Deutschland als die Lufthansa in den jeweiligen Ländern.

Die Lufthansa stört vor allem, dass die Golflinien weitgehend ohne Steuern und größere Auflagen Sozialabgaben und Arbeitsstandards fliegen dürfen. Und auch Billigflieger wie Ryanair oder Norwegian nutzen gerne die lockeren Vorgaben etwa in Irland oder Großbritannien bei Zeitverträgen oder dem Kündigungsschutz .

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