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Disney-Gewinn bricht um 90 Prozent ein Das Micky-Maus-Imperium und die Seuche

Seit Februar 2020 Chef des Disney-Imperiums: Bob Chapek. Quelle: imago images

Themenparks und Filmstudios geschlossen, Kreuzfahrtschiffe stillgelegt und Sportveranstaltungen abgesagt – die Covid-19-Pandemie setzt dem weltgrößten Medienkonzern besonders arg zu. Und das Schlimmste steht noch bevor.

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Ist das ein schlechter oder guter Start für Walt Disney CEO Bob Chapek? Seit Ende Februar ist der 60-jährige Amerikaner der neue Mann an der Spitze des größten Medienkonzerns der Welt, persönlich ausgewählt von seinem legendären Vorgänger und nunmehrigen Verwaltungsratschef Bob Iger.

Schlecht, weil Chapek am Dienstagabend deutscher Zeit niederschmetternde Zahlen für den Disney-Konzern verkünden musste, die schlechtesten seit der Finanzkrise von 2008. Der Umsatz legte zwar in den ersten drei Monaten des Jahres um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahrsquartal zu, aber hauptsächlich wegen der zugekauften Unterhaltungssparte von Medienzar Rupert Murdoch. Der Gewinn stürzte jedoch um neunzig Prozent auf 460 Millionen Dollar ab.

Gibt es trotzdem etwas Gutes an den Ergebnissen für Chapek? Ja, weil der neue Konzernchef zum Start in einer Talsohle operiert – künftige Zuwächse könnten also dramatisch besser aussehen, abhängig vom Covid-19 Verlauf. Wenn er die Krise in den Griff bekommt, kann er sich so von seinem Vorgänger schneller differenzieren.

Doch das wird schwer und im laufenden Quartal wird es erst einmal weiter nach unten gehen. Chapek schätzt, dass allein der Parksparte rund eine Milliarde Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres an Gewinn entgangen ist, den anderen Geschäftsfeldern rund 400 Millionen Dollar.

Wenn der Gewinn schon in den ersten drei Monaten des Jahres so stark sank, wo die Parksparte – und damit das lukrativste Segment von Disney – im Heimatmarkt USA nur etwa zwei Wochen von den Covid-Einschränkungen betroffen war – wird er im laufenden Quartal noch stärker stranguliert. Ende Januar mussten zunächst die Parks in Shanghai und Hongkong schließen, ab Mitte März die in den USA sowie Disneyland Paris.

Um Liquidität zu sichern, so Disney-Finanzchefin Christine McCarthy, sind die Investitionen bereits um 900 Millionen Dollar reduziert und die Dividende für das erste Halbjahr zunächst ausgesetzt. Ob sie danach wieder gezahlt wird, ist noch nicht entschieden.

So ändern sich die Zeiten: Noch vor wenigen Wochen galt das Mickey-Maus-Imperium als der bestaufgestellte Medienkonzern der Welt, mit einem breiten Mix aus Themenparks, Ressorts, Film -und Fernsehstudios, Sportrechten und Kreuzfahrtschiffen. Die Disneyparks, besonders die in den USA und China, sind der wichtigste Profitquell, eine ähnliche Goldgrube.

Mit milliardenschweren Zukäufen und Investitionen hatte Ex-Chef Bob Iger Disney über 15 Jahre ganz auf ein neues Lebensgefühl ausgerichtet, in dem Erlebnisse mehr geschätzt werden als materieller Besitz. Angetrieben durch Vollbeschäftigung in den USA, neue Arbeitsformen, die wieder mehr Wert auf Freizeit legen und mehreren Generationen von Kunden, die mit Mickey Mouse, Donald Duck, Snow White, Arielle, Lion King, Elsa und Star Wars aufgewachsen sind.

Nun macht die Seuche dem Vergnügen einen Strich durch die Rechnung. Fast 30 Millionen Amerikaner sind arbeitslos gemeldet, die Angst vor sozialen Absturz drängt die Lust am Leben zurück. Grundbedürfnisse müssen zuerst befriedigt werden. Ein Disney-Parkbesuch, zudem mit Mundschutz und Angst vor Ansteckung, hat da keine Priorität.

Allein Disney hat laut Schätzungen von Gewerkschaften etwa 100.000 seiner 223.000 Mitarbeiter teilweise oder ganz freigestellt, bei gekürzten beziehungsweise ohne Bezüge. Disney, so betont Chapek, habe allerdings bewusst auf Entlassungen verzichtet, die freigestellten Mitarbeiter wären damit auch weiter krankenversichert.

Zwar kann Disney immer noch mit seinen Inhalten punkten, vor allem die Abonnenten-Zahlen seines im Herbst gestarteten Streaming-Services Disney+ sind ein Lichtstreif. Nach der jüngsten Expansion nach Westeuropa, darunter auch Deutschland, liegen sie nun bei global 54,5 Millionen Nutzern.

„Wir sind begeistert von den Zuwächsen“, sagt Disney-CEO Chapek. Ursprünglich hatte man angepeilt, mindestens 60 Millionen Nutzer im Geschäftsjahr 2024 zu erreichen. Nun wird dieses Mindestziel wahrscheinlich im laufenden Quartal erreicht – auch weil die Ausgangsbeschränkungen Familien noch stärker vor Fernseher, Laptop oder Smartphone ziehen. Doch Streamingdienste wie Disney+ und ESPN+ sowie der mehrheitlich zum Konzern gehörende Dienst Hulu stecken noch in der Investitionsphase. Sie wachsen, kosten aber auch viel Geld.

Mehr noch: Die geschlossenen Themenparks und stillgelegte Kreuzfahrtschiffe verhageln die Bilanz, die gestoppte Film- und Fernsehproduktion sowie abgesagte Sportveranstaltungen trocknen das Angebot für das laufende Jahr aus.

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