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Drehkreuz Köln Lufthansa gründet neue Billigfluglinie

Lufthansa setzt ihre Pläne für eine interne Billigfluglinie um. Basis ist die Tochter Germanwings, die von Köln aus die Direktverkehre in Europa organisieren soll. Umstritten ist die Bezahlung des Personals.

Eine Lufthansa-Maschine in Frankfurt am Main. Ab dem 01. Januar startet die Billigfluglinie in Köln-Bonn. Quelle: dpa

Die Lufthansa zieht ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie durch. Zum Jahreswechsel werden die Lufthansa-Direktverkehre mit der Tochter Germanwings kommerziell und organisatorisch zusammengeführt, beschloss am Mittwoch der Aufsichtsrat der größten Fluggesellschaft Europas in Frankfurt. Dafür wird keine neue Gesellschaft gegründet, sondern die bereits bestehende Germanwings GmbH als Basis genutzt. Der Sitz des Unternehmens bleibt Köln. Unter anderem waren auch Berlin und Düsseldorf im Gespräch.

Auch Flugzeuge der Lufthansa Tochter Eurowings sollen im Auftrag der neuen Gesellschaft fliegen, die dann über 90 Jets der kleineren Airbus-Reihen verfügt. Sie wird für alle Flüge außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt zuständig sein. Im ersten Jahr sollen rund 18 Millionen Passagiere befördert werden, teilte Lufthansa weiter mit. Ein Markenname für die neue Gesellschaft steht noch nicht fest und soll erst in den kommenden Monaten gefunden werden.

Die größten Baustellen der Lufthansa
1. UnternehmensorganisationWährend andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen. Quelle: Reuters
2. UnternehmenskulturDie Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer mindestens ein Drittel mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken. Quelle: dpa
3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab. Quelle: Pressebild
4. Umständliche Fliegerei Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mindestens zehn verschiedene Typen und fliegt entsprechend teurer. Quelle: dpa
5. Hohe Fertigungstiefe Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien. Quelle: Pressebild
6. Zu einheitliches ProduktEgal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt. Erste Ansätze, das zu ändern gibt es allerdings. Auf einigen Europastrecken übernimmt seit 1. Juli 2013 Germanwings bisherige Routen der Lufthansa. Quelle: dpa/dpaweb
7. Verlustbringende Zukäufe Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben die Töchter wie Austrian Verluste oder drohen wie Brussels Airlines in die roten Zahlen zu rutschen. Quelle: AP

Die Gesellschaft werde als Teil des Lufthansa Airline Verbundes mit entsprechendem Qualitätsanspruch unterwegs sein, kündigte Vorstandschef Christoph Franz an. Die Bündelung der Direktverkehre berge erhebliche Effizienzpotenziale. Ziel sei es, die Verkehre unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen. Bislang fliegt Lufthansa in diesem von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet angegriffenen Bereich hohe Verluste ein.

Die Gewerkschaften wehren sich gegen ein deutlich niedrigeres Tarifniveau im Vergleich zur Lufthansa-Passage. Die Entgelte für die rund 2000 Flugbegleiter sind nach den Streiks auch inoffizielles Thema der Schlichtungsgespräche mit der Kabinengewerkschaft Ufo.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft liegen die Gehälter der Germanwings-Flugbegleiter rund 40 Prozent unter Lufthansa-Niveau. Rund 2000 der 18 000 Stewards und Stewardessen der Lufthansa müssten demnach in die neue Gesellschaft wechseln. Das Unternehmen hatte aber zugesichert, dass sie Angestellte der Lufthansa bleiben könnten.

Vorprogrammiert ist mit der Entscheidung auch Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), der Franz in den bereits laufenden Tarifverhandlungen ebenfalls Opfer für die neue Direktfluglinie abverlangen will. In der „Financial Times Deutschland“ hat VC-Präsident Ilja Schulz schon einmal klar gemacht: Einen Einsatz von Piloten in einer Lufthansa-Tochterairline zu anderen Tarifen und Arbeitsbedingungen wolle man nicht.

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Um gutes Wetter bemüht sich die Lufthansa unterdessen bei ihren Kunden. Rund 90 000 vom Streik getroffenen Fluggästen habe man jeweils einen Gutschein über 20 Euro übermittelt, berichtete ein Sprecher. Voraussetzungen waren ein ausgefallener oder mindestens um zwei Stunden verspäteter Flug sowie die an Lufthansa übermittelte E-Mail-Adresse. Die Bonus-Codes seien als Dankeschön für das Verständnis gedacht und können ein ganzes Jahr lang eingelöst werden. Es handele sich um eine reine Geste, verpflichtet sei das Unternehmen dazu nicht.

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