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„Dunkler Reiz“ Die Sperrzone als Urlaubsziel

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Ein Hotel in Fukushima

Ein Element, das Touristen an diese Orte treibt, könnte die Konfrontation mit den eigenen Alpträumen sein, erklärt Dark-Tourism-Experte Hohenhaus auf seiner Website. Wie würde man sich selbst in Fall der Katastrophe verhalten? Einen anderen Ansatz bringt Philip Stone ins Spiel. Er ist Forscher am weltweit ersten Institut für Dark Tourism an der University of Central Lancashire in Großbritannien. In westlichen säkularen Gesellschaften finde der Tod weitgehend hinter geschlossenen Türen statt, schreibt Stone in einer Studie. Der Dark Tourism könne einen „sozialen Filter zwischen Leben und Tod“ vermitteln.

Bei manchen Reisezielen spielen Dark Tourists sogar mit ihrer eigenen Gesundheit. Im Oktober eröffnete im japanischen Tomioka ein Hotel - rund neun Kilometer südlich des Fukushima Daiichi Kraftwerks, in dem es 2011 zu einer Kernschmelze kam. Das vierstöckige Hotel wird manchmal von Touristen besucht, erklärt ein Beamter der Stadt. „Ich denke, sie sind neugierig, was aus der Gegend um das Kraftwerk geworden ist.“

Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser in der Präfektur Fukushima verlassen, nachdem ein schweres Erdbeben und ein anschließender Tsunami im März 2011 die Region und das Kraftwerk stark beschädigten. Rund 18.500 Menschen kamen ums Leben. Die Regierung hob die Evakuierungsanweisungen für die Gegend um Tomioka Ende März 2017 auf - der Großteil der einst 13.000 Einwohner ist jedoch aus Angst vor radioaktiver Strahlung nicht zurückgekommen.

Online finden sich Tour-Angebote in das Gebiet. Sie werden von der Regionalregierung und Tourführern organisiert. Dabei stehen auch Lagerplätze für die Säcke mit kontaminierter Erde auf der Liste, verwaiste Reisfelder und Dörfer sowie ein Blick auf das Kraftwerk von einem Hügel aus. „Ich denke, es ist sehr wichtig, diesen Ort zu zeigen, damit Menschen die Risiken und Konsequenzen der Atomkraft kennen“, kommentiert ein deutscher Teilnehmer den Trip auf der Anbieterseite. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Charles Manson, dessen mordende „Manson Familiy“ auf der „Helter Skelter Tour“ im Zentrum steht, war im vergangenen Jahr im Alter von 83 Jahren im Gefängnis gestorben. Seither tobt ein Gerichtskampf um sein Erbe. Mit dem 50. Jahrestag der Mordserie im kommenden Jahr dürfte das Geschäft mit der Tour zur dunklen Seite der Geschichte von L.A. noch einmal stärker boomen.

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