EADS Der Umzug ist überfällig

Der Konflikt um eine teilweise Verlagerung der EADS-Zentrale von München nach Toulouse wächst. Doch mit den Plänen reagiert der Luftfahrtkonzern vor allem auf den wachsenden Kostendruck und die sinkende Rückendeckung durch die deutsche Politik.

Womit der Airbus-Konzern am meisten verdient
Der EADS - KonzernLeitung: Thomas Enders Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro) Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro) Mitarbeiter: 133.115 Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro. Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium. Quelle: dpa
Airbus: Leitung : Fabrice Bérgier Mitarbeiter: 52.500 Umsatz 2011: 33,1 Milliarden Euro (29, 978 Milliarden Euro) EBIT 2011: 584 Millionen Euro (2010: 305 Mio.) Die wichtigste EADS-Tochter Airbus verzeichnete 2011 Jahr mit 1608 Neubestellungen das beste Jahr ihrer Geschichte und verwies Konkurrent Boeing mit 921 Bestellungen auf den zweiten Platz. Airbus ist die größte Division von EADS. Sie gliedert sich auf in Airbus Commercial sowie Airbus Military, das 2009 neu gegründet wurde. Quelle: dpa
Unterdivision Airbus CommercialUmsatz 2011: 31,2 Milliarden Euro (2010: 27,7 Milliarden) EBIT 2011: 543 Millionen Euro (2010: 291 Millionen Euro) Airbus Commercial ist führender Anbieter von Zivilflugzeugen mit 100 oder mehr Plätzen. Die Produktpalette reicht vom kleinsten Airbus A318 bis zum 2007 eingeführten A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, durch dessen Einführung Airbus im Jahr 2006 das erste mal in der Geschichte Verluste erwirtschaftete. Quelle: Reuters
Unterdivision Airbus Military: Umsatz 2011: 2,5 Milliarden Euro (2010: 2,68 Milliarden Euro) EBIT 2011: 49 Millionen Euro (2010: 21 Millionen Euro) Airbus Military ist für den Bau von Militärflugzeugen sowie taktischen Militärtransportern, wie dem A310 MRTT oder dem A400M zuständig, und bietet zudem eine Reihe von spezialisierten Missionsflugzeugen wie Seefernaufklärer an. In diesem Segment ist das Unternehmen Weltmarktführer. Quelle: dpa
Cassidian: CEO: Stefan Zoller Umsatz 2011: 5,8 Milliarden Euro (2010: 5,9 Milliarden Euro) EBIT 2011: 331 Millionen Euro (2010: 457 Mio. Euro) Mitarbeiter: ca. 28.000 Die Cassidian Division bildet im EADS-Konzern den Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungsaktivitäten. Unter anderem umfasst das Portfolio von Cassidian Lenkflugkörpersysteme, Verteidigungs- und Sicherheitslösungen für zivile und militärische Anwendungsbereiche sowie das Eurofighter-Programm. Quelle: dpa-dpaweb
Eurocopter: Leitung: Lutz Bertling Umsatz 2011: 5,4 Milliarden Euro (2010: 4,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 259 Millionen Euro (2010: 183 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.500 Eurocopter ist weltweiter Markführer für zivile und militärische Hubschrauber und bietet neben der umfangreichen Produktpalette dazugehörige Dienstleistungen an. Über 30 Prozent der weltweiten zivilen sowie halbstaatlichen Hubschrauberflotte sind Eurocopter-Produkte. Quelle: dpa
Astrium: Leitung: François Auque Umsatz 2011: 4,9 Milliarden Euro (2010: 5 Milliarden Euro) EBIT 2011: 267 Millionen Euro (2010: 283 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.000 Der weltweit drittgrößte Anbieter von Weltraumsystemen Astrium entwirft, entwickelt und fertigt Satelliten, Trägerraketen sowie Raumfahrtinfrastrukturen. Unter anderem ist das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung und Bau der Ariane-Rakete und des Raumlabors Columbus beteiligt. Quelle: dapd
Thomas Enders: Der EADS-Verwaltungsrat hat Thomas Enders, 53, zum neuen Chef des Unternehmens ernannt. Am 1. Juni tritt er als Nachfolger von Louis Gallois sein Amt an. Damit ist erstmals ein Deutscher an der Spitze des Konzerns. Quelle: dpa
Arnaud Lagardère: Seit diesem Jahr ist der Franzose Arnaud Lagardère, 50, als Nachfolger von Bodo Uebberder Verwaltungsratsvorsitzende bei EADS. Quelle: Reuters
Jean-Claude Trichet: Der ehemalige Präsident der europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, wurde dieses Jahr von der französischen Regierung für den Verwaltungsrat von EADS nominiert. Da die Regierung, die 15 Prozent der Aktien von EADS hält, ihre Interessen nicht ausreichend von Aranud Lagardère vertreten sah, soll ihn nun Trichet bei seinen Entscheidungen beaufsichtigen. Quelle: dpa

Der künftige EADS-Chef Thomas Enders ist immer für eine Überraschung gut. Noch bevor er im Juni den Führungsposten bei Europas größtem Luftfahrt und Rüstungskonzern übernimmt, bringt er die deutsche Politik gegen sich auf. Anlass sind seine Pläne, die bislang auf die Standorte Amsterdam, Paris, München, das französische Toulouse und – etwas kleiner – Hamburg verteilte Unternehmensführung stärker als bisher auf Toulouse zu konzentrieren. Und prompt bricht ein Sturm der Entrüstung los, als wolle Enders mit der EADS ganz aus Europa wegziehen. Bayern fühlt sich hintergangen. Enders poltert zurück und mokiert sich über eine „Staatskrise“ in Freistaat.

Nachvollziehbare Pläne
Dabei ist an den Plänen wenig überraschend, nicht mal dass sie mit Enders ausgerechnet ein Deutscher (und ehemaliges Mitglied der CSU) vorbringt.
Zum einen ist Enders EADS-Chef – und nicht deutscher Statthalter. Dazu hat er diese Pläne bereits mehrfach geäußert.
Schließlich ist die Idee überfällig. Denn so wichtig die diversen EADS-Zentralen mit ihren vielen hochqualifizierten Jobs für die einzelnen Standorte auch sein mögen. Sie sind ein teurer Anachronismus. Die Standortvielfalt in Führungsfragen verzögert und verkompliziert die Entscheidungsprozesse, weil Manager mehr als nötig reisen müssen und das betriebswirtschaftlich Notwendige eben immer auch regional gerecht verteilt werden muss. Dazu hat die Zersplitterung wesentlich dazu beigetragen, dass der Superjumbo A380 zur größten Belastung des Unternehmens geworden ist und frühestens im nächsten Jahrzehnt mehr verdient als Konstruktion und Fertigung gekostet haben. Das kann sich aber ein Konzern wie die EADS angesichts der wachsenden Konkurrenz in der Branche immer weniger leisten

Die größten Flughäfen Europas
Platz 8: London Gatwick Quelle: AP
Platz 9: Barcelona El Prat Quelle: dapd
Platz 8: Fiumicino, Rom Quelle: Reuters
Platz 6: Istanbul, Atatürk-Airport Quelle: REUTERS
Platz 6 München Quelle: dpa
Platz 5: 49,7 Millionen: Madrid-Barajas Quelle: Reuters
Platz 4: Amsterdam - Schiphol Quelle: Reuters
Platz 3: Fraport Frankfurt Quelle: dpa
Platz 2: Charles de Gaulle Quelle: dpa
Platz 1: London Heathrow Quelle: Reuters

Darüber hinaus muss sich die deutsche Politik fragen lassen, mit welcher Berechtigung sie eine größere, ja sogar nur eine gleichbleibende Deutschlandpräsenz der EADS fordert.
Bislang war die EADS - neben der effizienten Produktion inklusive der vielen innovativen und hochqualifizierten Arbeitskräfte – vor allem aus einem Grund in Deutschland stark: staatliche Hilfen. Letztere reichten von zinsgünstigen Krediten für neue Flugzeugmodelle der Zivilflugtochter Airbus über Großbestellungen für Waffensysteme bis zur Exportförderung wenn sich Mitglieder der Bundesregierung im Ausland für EADS-Produkte einsetzten.

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