EADS Profitable Kröte

Der Einstieg Deutschlands bei EADS ist für den Luftfahrtriesen fatal und für den Finanzminister ein Geschäft.

In welche Richtung der neue Kurs von EADS geht bleibt fraglich Quelle: dpa

Zu staatlichen Aktionären hatte Manfred Bischoff stets eine klare Meinung. „Das ist eine Kröte, die wir schlucken mussten“, sagte er bei der Gründung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS 1999, als der französische Staat dort eingestiegen war. Damals leitete Bischoff den Verwaltungsrat von EADS. Inzwischen ist er Aufsichtsratschef des deutschen EADSGroßaktionärs Daimler und hat dafür gesorgt, dass Aktionäre und Unternehmen eine weitere Kröte schlucken müssen.
Der Autokonzern versucht verzweifelt, seinen Anteil an EADS zu senken, da ihm seine Rolle als Sachwalter deutscher Interessen im Unternehmen lästig wurde und Verspätungen großer Programme das Risiko erhöhten. Doch kein anderes Unternehmen mochte mit Daimler tauschen.

Was EADS mit Flugzeugen und Hubschraubern verdient
Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Gewinn gesteigert - und erhöht jetzt die Jahresprognose. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, fiel zwar der operative Gewinn im dritten Quartal um 15 Prozent auf 322 Millionen Euro - doch seit Jahresbeginn hat der Gewinn vor Steuern insgesamt um rund sieben Prozent zugelegt. Das operative Ergebnis stieg in den ersten neun Monaten von 770 auf 823 Millionen Euro. Das Bild zeigt EADS-Chef Louis Gallois (r.) und Airbus-Boss Tom Enders vor einer Airbus A400M. Quelle: Reuters
AirbusWichtigste Sparte von EADS. In der zivilen Sparte Airbus Commercial stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten um rund drei Prozent auf 21,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern fiel auf 306 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 328 Millionen). Die schlechte Nachricht: die Auslieferung des neuen Langstreckenflugzeugs A350 verzögert sich um sechs Monate. Das Bild zeigt einen A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Quelle: dpa
Die Verzögerungen bei dem neuen Flugzeug sind bitter. Der Langstreckenjet A350, der sich derzeit - mit Verspätung - noch in der Entwicklung befindet, gilt im Konzern als Hoffnungsträger. EADS meldete, dass es Fortschritte gebe, das Programm jedoch "herausfordernd" bleibe. Die Indienststellung ist eigentlich für die zweite Jahreshälfte 2013 geplant. Quelle: Reuters
Für Airbus Military gab es zuletzt einige Rückschläge: Der Zuschlag des US-Pentagons für Tankflugzeuge an den Rivalen Boeing, außerdem die Dauerquerelen um den verspäteten Truppentransporter A400M. Erst Anfang April hatten die sieben Käuferstaaten dein milliardenschweres Rettungspaket für den Militärtransporter besiegelt. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz auf 1,8 Milliarden Euro zu, nach 1,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Quelle: dpa
EurocopterDie Hubschrauber-Sparte legte in den ersten drei Quartalen sogar um 12 Prozent zu: Der Umsatz stieg von 3,1 auf 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 121 auf 157 Millionen Euro. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres hatte Eurocopter 81 Hubschrauber ausgeliefert. Das Bild zeigt Spaniens Kronprinz Felipe vor einen AS532 Cougar. Quelle: Reuters
AstriumDeutlich zulegen konnte auch die EADS-Raumfahrtsparte: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 6,6 Prozent von 3,2 auf 3,4 Milliarden Euro. Astrium liefert unter anderem Trägerrakten, Beobachtungs- und Telekommunikations-Satelliten. Das Bild zeigt Arbeiten am Antriebsmodul des Raumtransporters ATV-3 (Automated Transfer Vehicle). Der ATV-2 ist kürzlich mit einer Ariane-5-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Quelle: dapd
CassidianEinziger Sorgenbringer war in den ersten drei Monaten die Rüstungssparte. Hier ging der Umsatz von 3,5 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro zurück, der Gewinn vor Steuern schrumpfte von 204 Millionen auf 170 Millionen Euro. Die Sparte stellt unter anderem den Eurofighter her, der auf dem Foto zu sehen ist. Außerdem spürt Cassadian die angespannten Verteidigungshaushalte der europäischen Mitgliedsländer, was die Aufträge verzögert. Quelle: dpa

Schäuble dürfte sich freuen
Darum kauft nun die staatliche KfW Bankengruppe zumindest einen Teil der Aktien, die Daimler an EADS hält.
Noch besitzt der Autokonzern 15 Prozent. Davon geht die Hälfte bis spätestens Juni 2012 an die KfW. Weitere 7,5 Prozent hat Daimler 2007 einem Bankenkonsortium übertragen, aber die damit verbundenen Stimmrechte behalten.

„Die Entscheidung zum Einstieg des deutschen Staates war aus meiner Sicht keineswegs alternativlos und ist nicht hilfreich für die weitere Entwicklung der EADS“, sagt Thomas Enders, Chef der EADS-Tochter Airbus. Andere Branchenexperten wundern sich, dass die Bundesregierung „Daimler trotz aller öffentlichen Hilfe bei der Elektromobilität nicht vom Verkauf abhalten konnte“.

Freuen dürfte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Zwar muss er für den Kauf der Anteile voraussichtlich rund 1,3 Milliarden Euro an neuen Schulden aufnehmen. Aber das Investment dürfte ihm aktuellen Analystenschätzungen zufolge wohl eine Dividendenrendite von gut drei Prozent bescheren – rund die Hälfte mehr als der Zinssatz, den er zahlen muss, wenn er das Geld für den Kauf über eine Bundesanleihe aufnimmt.

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