Easyjet Billig gewinnt

Trotz der Krise präsentiert der britische Billigflieger Easyjet Rekordergebnisse. Nachdem der grell-orange Discounter die etablierten Linien wie Lufthansa hinter sich gelassen hat, sammelt er nun Kraft für den Kampf mit anderen Billigfliegern.

Easyjet, die nach Ryanair zweitgrößte Discount-Airline Europas, flog mit umgerechnet 394 Millionen Euro in dem Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2011/12 einen 28 Prozent höheren Vorsteuergewinn ein. Quelle: dapd

Wer mit dem Chef einer europäischen Fluglinie redet, trifft auf zwei unterschiedliche Schicksale. Die etablierten Linien wie Lufthansa, Air Berlin oder Air France klagen, dass die Spritpreise, steigende Steuern und starke Wettbewerber sie immer stärker an den Rand drängen. Bei den Billigfliegern gilt dagegen die Parole „welche Krise?“ Denn trotz wachsender Kosten und rückläufiger Konjunktur in den meisten Ländern Europas, melden sie nicht nur stabile, sondern sogar steigende Ergebnisse.

Vergangene Woche haben Ryanair aus Irland und Norwegian gute Zahlen vorgelegt. Heute hat Easyjet nachgezogen. Egal ob Umsatz, Gewinn, Auslastung der Maschinen: bei den Briten zeigt alles deutlich nach oben.

Was die Billigflieger Lufthansa & Co. voraus haben
LufthansaHohe Betriebskosten: 6 Cent/Kilometer und Passagier - so teuer transportiert keine andere Airline ihre Fluggäste. Geringe Gewinnmarge: Mit einem Anteil von mageren 4,2 Prozent wirft das Geschäft bei der deutschen Traditionsairline deutlich weniger Gewinn ab, als bei der Konkurrenz Ryanair (16,9 Prozent) oder Emirates (10,2 Prozent). Lufthansa fliegt auf den sechsten von sieben möglichen Plätzen. Zu hohe Personalkosten: Ein Viertel aller Kosten entfallen bei der Lufthansa auf das Personal - damit liegt die Kranichlinie gleich auf mit der British Airways. Doch Emirates, Easyjet und Ryanair wenden mit einem Anteil von 11 bis 13 Prozent deutlich weniger für ihre Flugbegleiter und Piloten auf. Kaum Umsätze außerhalb des Ticketverkaufs: Nur drei Prozent Umsatz generiert die Lufthansa mit Geschäft neben dem Ticketverkauf. Ein mageres Zubrot. Billigflieger wie Easyjet oder Spirit aus den USA machen ein Fünftel bis ein Drittel ihrer Umsätze mit Angeboten fern der Tickets. Zu abhängig vom Heimatmarkt: Ein dicker Minuspunkt für die Lufthansa. Sie macht 47 Prozent ihres Umsatz im Heimatmarkt Europa. Während Konkurrent Emirates deutlich unabhängiger durch die Welt jettet: Nur 21 Prozent entfallen auf Ziele im Nahen Osten/Westasien/Indischer Ozean, 28 Prozent auf Europa, weiter 30 auf Fernost und Australien. Quelle: Exklusivstudie der Unternehmensberatung A.T. Kearney für die WirtschaftsWoche Quelle: dpa
Air FranceBetriebskosten: 5,2 Cent/km. Damit belegt die Air France im Vergleich den sieben Airlines den sechsten Platz. Nur die Lufthansa produziert noch mehr Kosten. Personalkosten: Bei keiner anderen Fluggesellschaft ist der Anteil der Personalkosten an den operativen Kosten so hoch wie bei der Air France-KLM: volle 30 Prozent. Gewinnmarge: Auch in dieser Kategorie fliegen die Franzosen den Mitbewerbern hinterher. Mit einer durchschnittlichen Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen von 1,8 Prozent belegen sie den letzten Platz im Ranking. Immerhin liegen sie damit noch über dem Branchenschnitt von 0,9 Prozent. Quelle: dapd
EmiratesGeringe Betriebskosten: 3 Cent/Kilometer und Passagier Geringe Personalkosten: Mit einem Anteil von 13 Prozent an den operativen Kosten sind sie nur halb so hoch wie bei der Lufthansa. Starker Flottenausbau: Die Lufthansa bleibt der Flotte zurück, während die Emirates die Flotte bis 2018 auf weit über 300 Langstreckenflieger ausbauen will, bleibt die Lufthansa bei gut 200 Flugzeugen anschaffen. Dadurch wachsen sie deutlich stärker und bieten ihren Kunden an Bord modernsten Komfort. Einzige Schwäche - Zusatzerlöse: Der Anteil der Umsätze, die Emirates neben dem Ticketverkauf macht, liegt bei nur zwei Prozent. Unabhängig vom Heimatmarkt: Nur 20 Prozent ihres Umsatzes macht die Fluglinie aus den Emiraten rund um den persischen Golf. Sie haben sich das Recht gesichert, in fast alle Länder fliegen zu dürfen. Hohe Gewinnmarge: Stolze 10,2 Prozent- nur Ryanair ist noch besser. Quelle: REUTERS
British Airways Sinkende Betriebskosten auch bei British Airways 4,2 Cent pro Kilometer zahlt das britische Unternehmen pro Fluggast. Bereits 2007 waren die Betriebskosten zwischenzeitlich auf diesem Niveau, stiegen dann aber wieder an. British Airways hat genauso hohe Personalkosten wie die Lufthansa. Rund ein Viertel der operativen Kosten werden dafür angewendet. Allerdings ist die Gewinnmarge um 1,2 Prozent höher und liegt damit bei 5,7 Prozent. Quelle: REUTERS
Easy Jet Easy Jet ist einer der Gewinner unter den Fluglinien. Allerdings ging es mit den Betriebskosten in den vergangenen zehn Jahren auf und ab. Während sie 2002 noch 5,6 Cent betrugen, betragen sie heute nur noch 3,9 Cent. Der niedrigste Wert wurde bislang 2008 mit 3,5 Cent erreicht. Gemeinsam mit Ryanair macht sie knapp ein Viertel ihres Umsatzes außerhalb des Ticketverkaufs. Die Personalkosten machen lediglich 13 Prozent aus. Das ist einer der niedrigsten Werte im Vergleich mit den anderen Fluglinien. Die durchschnittliche Gewinnmarge liegt bei 6,4 Prozent, der niedrigste Wert unter den Billigfluglinien. Quelle: dpa
RyanairDie irische Fluglinie Ryanair scheint in vielen Kategorien der Gewinner zu sein: Die Betriebskosten liegen mit 1,9 Cent pro Kilometer besonders niedrig. Erstaunlich ist, dass diese niedrigen Kosten in den vergangenen zehn Jahren stetig weiter gesunken sind und schon damals weit unter dem Niveau lagen, an dem einige Fluglinien heute kratzen. Besonders niedrig sind auch die Personalkosten, die lediglich 11 Prozent der operativen Kosten ausmachen. Umso höher ist der Anteil der Umsätze, die neben dem Ticketverkauf gemacht werden. Sie liegen bei 21 Prozent und damit auf dem Niveau von Easyjet. Absoluter Spitzenreiter ist Ryanair bei der Gewinnmarge: 16,8 Prozent. Im innereuropäischen Flugverkehr besetzt Ryanair bereits fast 20 Prozent des Marktes, die Lufthansa dagegen nur 13 Prozent. Quelle: dpa
Turkish AirlineIm Laufe der vergangenen zehn Jahre hat Turkish Airline seine Betriebskosten stetig gesenkt und liegt mittlerweile bei 3,7 Cent pro Passagier und Kilometer. Die durchschnittliche Gewinnmarge liegt bei 8,0 Prozent. Quelle: REUTERS

Und das ist nicht nur eine Überraschung, sondern eine Sensation. Denn im vergangenen halben Jahr war Easyjet mit einer Umsatzrendite von 18 Prozent fast genauso profitabel wie Ryanair mit gut 20. Noch vor ein paar Jahren bleib ein den Iren von jedem Euro doppelt so viel hängen wie bei den Briten.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass bei Ryanair die Kosten weniger stark sinken. Aber Easyjet ist es auch gelungen, seine Flieger um zwei Prozent-Punkte voller zu packen als die Iren. Das klingt nach wenig, hat aber einen großen Effekt. Weil Easyjet jeder dieser knapp 800 000 zusätzlichen Passagier praktisch nichts extra kostet, gehen deren Zusatzumsätze fast komplett in den Gewinn.

Dazu agieren die Briten auch geschickter bei den Nebeneinnahmen abseits des reinen Ticketverkaufs. Während Kunden bei Ryanair das Gefühl haben, an jeder Station auf dem Weg zum Flugzeug zahlen zu müssen, wirkt es bei Easyjet meist so, als kaufe man ein wichtiges Extra, auf das man als Kunde aber auch verzichten kann.

Die immer besseren Zahlen sind zudem ein Signal an die etablierten Fluglinien. Bei Lufthansa & Co sollte der wachsende Gewinn weniger für Neid sorgen, sondern für Alarmstimmung. Denn die Discounter schütten die Gewinne nur zu einem geringen Teil aus, sondern füllen damit ihre Kassen. Und das werden sie im kommenden Jahr noch verstärken. Denn Easyjet und Ryanair wollen dann weniger stark wachsen. Da spart Geld, denn eine Route neu aufzubauen, kostet schnell eine Million Euro und mehr für die Werbung oder die nötigen Sonderangebote. Stattdessen werden die Discounter auf den bestehenden Routen die Flieger voller packen sowie die Preise erhöhen. Easyjet etwa rechnet damit, pro Passagier im Schnitt bis zu fünf Prozent mehr einzunehmen als in diesem Jahr.

Damit sammeln die Discounter Energie für die Zukunft. Denn nachdem sie die Etablierte fast niedergerungen haben, rüsten sie sich nun für das Endspiel der Billigheimer. Schließlich nimmt die Zahl der lukrativen neuen Strecken ab und auf den attraktiven Routen müssen sich die Discounter immer öfter mit anderen Linien kämpfen.

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Das tun sie nicht nur untereinander, sondern auch mit den etablierten Linien. Diese können den Europaverkehr nicht aufgeben, weil sie sonst ihre Langstreckenflieger in ihren Drehkreuzen nur schwer vollkriegen würden. Darum versuchen die ehemaligen Markführer gegen zu halten. Das tun sie zum einen mit ihren eigenen Billiglinien wie Lufthansa mit Germanwings und Air France KLM mit dem Transavia genannten eignen Modell für die Provinzrouten.

Dabei bauen die Etablierten jedoch nicht nur auf Billigservice und Sparprogramme. Die Lufthansa-Tochter Swiss setzt auf besonderen Service. Um den Vormarsch von Easyjet in Genf zu stoppen, startet Swiss dort eine Art Unterlinie, die voll auf Kultur und Bedürfnisse der französischen Schweiz setzt und mit Kampfangeboten gestartet ist.

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