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Ebay Bieter ersteigert Auto für einen Euro - BGH gibt ihm Recht

Der Bundesgerichtshof hat einem Bieter im Streit um ein Auto-Angebot auf Ebay Recht gegeben. Er hatte den Wagen für nur einen Euro ersteigert - jetzt hat er Anrecht auf Schadenersatz.

Ebay Quelle: AP

Wer eine laufende Internetauktion vorzeitig abbricht, muss unter Umständen Schadenersatz zahlen. Das ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Die BGH-Richter gaben im Streit um ein zurückgezogenes Auto-Angebot auf der Online-Auktionsplattform Ebay am Mittwoch dem Bieter recht.

Wegen der unrechtmäßig abgebrochenen Versteigerung hat der Bieter danach Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verkäufer. Wie hoch dieser ausfällt, muss nach Angeben des Käufer-Anwalts aber erst noch ermittelt werden. In den Vorinstanzen war der Wert des Fahrzeugs auf 5250 Euro beziffert worden.

Der Besitzer eines VW Passat hatte seinen Wagen im Mai 2012 auf der Plattform angeboten. Als Mindestgebot setzte er einen Euro fest. Einige Stunden später konnte er das Auto aber anderweitig für 4200 Euro verkaufen und zog sein Internet-Angebot zurück. Zu dem Zeitpunkt hatte jemand bei der Versteigerung bereits einen Euro auf den Pkw geboten - das bis dahin höchste Gebot.

BGH bestätigt Ebay-Urteil

Der Bieter wollte daraufhin Schadenersatz in Höhe des Wertes des Wagens. Er klagte und bekam in den Vorinstanzen recht. Er habe den Wagen wirksam für einen Euro erworben, urteilte zuletzt das Thüringer Oberlandesgericht in Jena.

Dieses Urteil bestätigte der BGH am Mittwoch. Der Kaufvertrag ist in den Augen der Richter wirksam zustande gekommen. Der Vertrag sei nicht sittenwidrig, hieß es. Es mache gerade den Reiz einer Internetauktion aus, dass man dort „Schnäppchen“ machen könne. Der Verkäufer habe andererseits ja auch die Chance, seine Waren teurer zu verkaufen als gedacht.

Der Auf- und Abstieg von Ebay
Jahrelang war Ebay das Sonnenkind des Webs, das Wachstum des Versteigerungsportals scheinbar unaufhaltsam. Doch dann drehte sich das Blatt. Eine Bildergalerie über den Auf- und Abstieg von Ebay. Schon im September 1995 wird Ebay in den USA gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in San José und beschäftigt derzeit weltweit etwa 15.000 Mitarbeiter. Auf den deutschen Markt begibt sich das Auktionshaus im Sommer 1999 durch die Übernahme der erst wenig zuvor gegründeten Plattform Alando für 43 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
Schon früh investiert Ebay in die weitere Expansion. Im Juli 2002 ist Paypal dran. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet - und stellt sich insgesamt als ein gutes Investment heraus. Paypal ist mit 193 Millionen Mitgliedskonten in 190 Nationen der weltweit führende Online-Zahlungsdienstleister. Paypal hat seit 2007 den Status einer Bank. Seitdem wurde Paypal immer mehr in den Kaufprozess integriert, was aufgrund der anfallenden Gebühren bei Händlern für Kritik sorgt. Quelle: AP
Im September 2005 überraschte Ebay mit dem Kauf des Telekommunikationsdienstes Skype. Drei Milliarden US-Dollar machte das Unternehmen dafür locker. Und so recht schlüssig war auch damals schon nicht, wie denn nun ausgerechnet ein Telefondienst und ein Auktionshaus zusammenpassen sollen... Quelle: dpa
… und dennoch: Genau in dieser Zeit erlebt Ebay seine Boomzeit (im Bild: ein Ebay-Shop). Diverse Websites werden aufgekauft, unter anderem das deutsche Online-Autoinserateportal mobile.de. Für den gewerblichen Ebay-Verkäufer werden diverse Angebote geschaffen, unter anderem das – mittlerweile wieder abgeschaffte – Ebay Express. Auch das für die Abwicklung interessante Tool Afterbuy wird übernommen. Es gibt sogar ein Ebay-Magazin…   Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche
… und auch an die Schulung ist gedacht. Die Ebay-University schult die Verkäufer, an den Volkshochschulen werden Kurse angeboten. 3,2,1-Meins. Die Zeichen stehen gut für das Auktionshaus. Doch… Quelle: AP
...die heile Welt ist vorbei: Nach einem erfolgreichen Jahr 2007 verfinstern sich die Aussichten. Im März 2008 gibt es dann auch einen Stabswechsel. Meg Whitman tritt ab, ihr Nachfolger wird John Donahoe. Im September verkündet das Unternehmen, dass jeder zehnte der 16.000 Mitarbeiter entlassen wird. Auch so murren die Händler: Ebay ändert ständig seine Geschäftsbedingungen. Amazon erhält entsprechend immer mehr Zulauf. Quelle: Reuters
Im April 2009 ist es dann auch soweit: Erstmals muss Ebay vermelden, dass die Umsätze im Weihnachtsgeschäft zurück gegangen sind und Erzkonkurrent Amazon überholt Ebay. Das Auktionshaus verkündet, dass an der deutschen Niederlassung in Dreilinden bei Berlin 400 der 1.000 Mitarbeiter gehen müssen. Der Deutschlandschef Stefan Groß-Selbeck hat zu diesem Zeitpunkt bereits in Richtung des sozialen Netzwerkes Xing abgedankt, seine Kompetenzen waren immer mehr beschnitten worden. Die Zeichen stehen also auf Konsolidierung. Skype gehört schon lange nicht mehr zu den Kernideen des Unternehmens. 65 Prozent des Telefonieanbieters werde für 1,9 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Silver Lake verkauft. 2011 übernimmt Microsoft dann Skype vollständig. Quelle: dpa

In der Verhandlung am Mittwochvormittag war von den Richter nicht in Frage gestellt worden, dass die Verkaufsangebote auf einer Internetversteigerung nur in ganz bestimmten Fällen zurückgezogen werden dürfen. Laut den Bedingungen von Ebay gehört ein anderweitiger Verkauf wie im vorliegenden Fall nicht dazu.

Daher sah Ebay vom Urteil des Bundesgerichtshofs seine bisherige Geschäftspraxis ausdrücklich bestätigt. „Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist nicht überraschend“, erklärte das Unternehmen. „Grundsätzlich gilt: Wenn man einen Artikel bei eBay zum Verkauf einstellt, erklärt man sich verbindlich zum Abschluss eines Vertrags bereit.“

Ebay informiere über die Voraussetzungen für einen berechtigten Abbruch einer Auktion „sehr deutlich - auch in dem Moment, in dem der Verkäufer den Abbruch vornimmt“.

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