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Ein Jahr nach Mainz Gewerkschaft warnt vor neuen Problemen

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Es droht ein juristisches Nachspiel

Die Gewerkschaft lobt die Bahn inzwischen, um im gleichen Atemzug zu warnen. „Man sieht, dass die Bahn sich bemüht, aber sie muss sich auf Dauer verändern“, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz. Dieser Prozess könne Jahre dauern. Erste Ansätze wie mehr Personal, weniger Überstunden und zunehmend gesicherte Urlaubszeiten erkennt die EVG an.

Sorge bereite allerdings die Frage, ob dies auf Dauer sei, die Angst, dass „man in den alten Trott zurückfällt, wenn die Aufmerksamkeit weg ist“. Es helfe nicht, nur einzustellen. Die Mitarbeiter müssten gut ausgebildet und dauerhaft an das Unternehmen gebunden werden.

Die skurrilsten Durchsagen der Bahn
„Die Weiterfahrt wird sich in Leverkusen verzögern. Wir werden von einem hochwichtigen Zug überholt“, zwitscherte @BahnAnsagen beispielsweise in die Runde. Die - unbekannten - Betreiber des Accounts nehmen auf, was ihnen ihre Follower aus ganz Deutschland schicken. Auf unserem Bild sieht man übrigens, wie der französische TGV in Stuttgart ankommt und begeistert empfangen wird. Quelle: dpa
Auch der nächste Tweet nimmt die Verspätungen der Deutschen Bahn aufs Korn: „Durchsage im Zug am Bahnhof Hamm: 'Wir warten noch auf auf Fahrplanabweichungen'.“ Ein anderer Twitter-Nutzer antwortet mit ironischem Unterton: „Bei der S-Bahn in Stuttgart muss man da nicht drauf warten. Einfach an den Bahnsteig stellen, und sie sind da.“ Quelle: dpa
Dieser Tweet kommt wohl ohne Kommentare aus: „An das Zugpersonal: Bitte die Türen noch einmal öffnen, damit der Zugführer einsteigen kann!“ Quelle: dpa
Die armen Zugbegleiter haben es aber auch nicht immer leicht. Eigentlich wollen sie sich nur artig bedanken - und dann das: „Wir wünschen einen angenehmen Abend und danken, dass Sie uns benutzt haben.“ Quelle: AP
Dieser Tweet wird vor allem Pendler, die viel im Ruhrgebiet oder Düsseldorf unterwegs sind, zum Lachen bringen: „Ist etwas voll geworden. Sonst wären wir auch nicht die S1“, so eine Lautsprecherdurchsage in der S-Bahn-Linie 1. Im Ursprungs-Tweet war die Rede davon, dass die Ansage in Köln aufgeschnappt worden sein soll. Allerdings - in Köln gib es keine S1. Tatsächlich verkehrt die Bahn zwischen Solingen und Dortmund. Die beschriebene Situation dürfte allerdings trotzdem vielen bekannt vorkommen oder, wie @BahnAnsagen schreibt: „Der Inhalt der Aussage transportiert sich auch so, ob nun S1, U1 oder RE1.“ Quelle: AP
Und wieder eine Verspätung - und ein kleiner Versprecher: „Wie Sie gemerkt haben, sind wir 7,5 Minuten später gestartet. Wir bitten Sie, dies zu bedauern!“ Quelle: dpa
Auch Fotos zwitschert @BahnAnsagen. Wie zum Beispiel dieses hier (Screenshot) mit der Anmerkung: „Lässt die Bahn jetzt Raum für eigene Notizen?“ Quelle: Screenshot

Bei der EVG gebe es die Befürchtung, dass das noch nicht in allen Bereichen angekommen sei. Denn trotz Neueinstellungen bei den Fahrdienstleitern habe sich beim Bedarf an Lokführern, Zugbegleitern, Ingenieuren und in den Werkstätten „nicht viel bewegt“. Dort gibt es schon allein deshalb Probleme, weil es etwa kaum noch genügend Lokführer gibt, um die Fluktuation auszugleichen.

Nach dem Chaos in Mainz nahm auch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Deutsche Bahn besonders in den Blick. Sie wies die DB Netz am 12. August 2013 an, den fahrplanmäßigen Verkehr unverzüglich wieder aufzunehmen und solche Fälle künftig zu verhindern. Das Unternehmen sollte zudem regelmäßig berichten, was es in Mainz und bundesweit unternahm - und mit welchem Erfolg.

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EBA-Sprecherin Heike Schmidt sagte DPA, die Bahn habe demnach die Steuerung der Ressourcen im Unternehmen beispielsweise durch Weiterbildungen und Neueinstellungen verbessern können. Die akuten Probleme in Mainz seien „allem Anschein nach überwunden“ und die bundesweiten Aufgaben weitgehend abgearbeitet worden. Die weitere Entwicklung überwache die Bahn - die Ergebnisse prüft das Bundesamt.

Nun droht jedoch noch ein juristisches Nachspiel. Anfang Mai klagte die DB Netz vor dem Verwaltungsgericht Mainz gegen das Bundesamt. Eine Begründung wurde nach Angaben des Gerichts bisher nicht eingereicht. Die Frist dazu sei bis Ende August verlängert worden. Damit ist die Aufarbeitung des Stellwerksdebakels weiter am Rollen.

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