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Einigung im Tarifstreit Post-Angestellte bekommen höhere Löhne

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Post ist beigelegt: Nach einem Verhandlungsmarathon einigten sich Management und Gewerkschaft am Morgen auf einen neuen Tarifvertrag. Details wurden zunächst nicht genannt.

Stärken und Schwächen der Post
Stärke 1: Volle KassenDer Verkauf der Postbank machte es möglich: Weil der Deal den Bonnern vor drei Jahren 4,9 Milliarden Euro in die Kassen spülte, besitzt der Dax-Konzern heute unter dem Strich ein Geldpolster von 938 Millionen Euro. Die Mittel nutzt er vor allem für Investitionen in effizientere Briefzentren und für den Ausbau des asiatischen Express- und Frachtgeschäfts. Umfangreiche Zukäufe wie unter dem einstigen Vorstandschef Klaus Zumwinkel, die insbesondere in den USA mit Milliardenverlusten endeten, soll es dagegen nicht mehr geben. Außerdem flossen vergangenes Jahr 2,37 Milliarden Euro Cash in die Kasse - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Schwäche 1: Teures EU-UrteilDamit hatte Post-Chef Frank Appel (Foto) nicht gerechnet: Ende Januar entschied EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dass die Bonner ungerechtfertigt erhaltene Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen sollen - und zwar in einer Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Der Dax-Konzern habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, um die hohen Pensionslasten des einst von Beamten geführten Staatsunternehmens auszugleichen. Mit derselben Begründung habe ihr die Regulierungsbehörde auch ein höheres Briefporto gewährt, was einer doppelten Begünstigung gleichgekommen sei. Die Post wird in den nächsten Monaten zahlen müssen, klagt aber gegen Brüssel. Quelle: dpa
Stärke 2: Starker AnkeraktionärÜber die bundeseigene Bank KfW besitzt der Bund - als einziger meldepflichtiger Aktionär - immer noch 30,5 Prozent aller Aktien. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet das positiv. Weil im Ernstfall wohl der Staat eingreifen würde, sinkt laut S&P das Insolvenzrisiko. Quelle: obs
Stärke 2: Stabilisiertes BriefgeschäftLange Zeit sah es so aus, als ob das Internet dem traditionellen Briefgeschäft die Ertragsgrundlage rauben könnte. Beispiele aus den USA, den Niederlanden oder Italien zeigten, dass der konkurrierende E-Mail-Verkehr den Zustellern hohe Verluste bescherte. Auch für die Bonner Briefträger halbierte sich der Betriebsgewinn (Ebit) seit 2004. Doch nicht nur der Umsatzschwund wurde inzwischen erfolgreich gestoppt, auch die Betriebsergebnisse stabilisierten sich knapp oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze. Quelle: AP
Ausgleich bringt der Internethandel, der in Deutschland jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst. Laut HGB-Bilanz verlor die Post 2011 beim Umsatz zwar 162 Millionen Euro im klassischen Briefgeschäft, das nur noch 5,36 Milliarden Euro erlöste. Das deutsche Paketgeschäft aber, das etwas irreführend unter der Marke „DHL“ von der Brief-Sparte geführt wird, wuchs um 243 Millionen auf 2,77 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: InnovationsflopUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Bislang aber zählen Marktforschungsinstitute gerade einmal 200.000 Nutzer pro Monat. Zudem stehen Konkurrenten mit Dumpingpreisen vor dem Start. Quelle: dapd
Schwäche 3: Hohe Konzernkosten389 Millionen Euro kostete den Konzern 2011 sein Headquarter, kaum weniger als im Jahr zuvor. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich 2011 mit Verwaltungsaufwendungen von 109 Millionen Euro. Quelle: ZB

Die Deutsche Post und die Gewerkschaft Verdi haben sich nach einem mehr als 22 Stunden andauernden Verhandlungsmarathon auf Lohnerhöhungen für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten verständigt. "Wir haben eine Einigung erzielt", sagte ein Verdi-Sprecher am Freitag in Neuss. Auch ein Post-Sprecher bestätigte, dass in der dritten Runde der Tarifverhandlungen eine Übereinkunft erzielt wurde.

Verdi hat für den Vormittag die große Tarifkommission einbestellt, die den Abschluss noch absegnen muss und damit dann den in der vergangenen Woche begonnenen Warnstreiks ein Ende setzt. Details der Übereinkunft wollten die beiden Verhandlungsleiterinnen - Post-Vorstandsmitglied Angela Titzrath und die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis - im Laufe des Vormittags vorstellen.

Die Gewerkschaft hatte eine lineare Erhöhung der Einkommen um sechs Prozent verlangt, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Verdi hatte die Forderung mit Warnstreiks unterstrichen. Insgesamt hatten sich der Gewerkschaft zufolge mehr als 10.000 Beschäftigte an den Protesten beteiligt. Die Warnstreiks hätten "zu keinen größeren Auswirkungen" geführt, bilanzierte dagegen die Post.

Die von den Warnstreiks betroffene Briefsparte war über Jahre ein Sorgenkind der Deutschen Post. Die Konkurrenz durch E-Mails hatte beim Brief die Sendungsmengen sinken lassen. Doch das Internet ist für die Post auch ein Segen: Immer mehr Verbraucher bestellen ihre Waren Online bei Internet-Händlern wie Amazon, die Briefträger der Post liefern die Pakete dann an die Verbraucher aus, das Geschäft boomt. Post-Chef Frank Appel erwartet für 2013 im Konzern einen operativen Gewinn (Ebit) in Höhe von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Der Unternehmensbereich Brief soll dazu 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro beisteuern - mehr als im Vorjahr: 2012 lag der operative Ertrag hier bei 1,05 Milliarden Euro.

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