Einigung nach Poststreik Deutsche Post hat ihr wichtigstes Ziel erreicht

Nach vier Wochen ist der Zusteller-Streik beendet. Verdi hat ein umfassendes Schutzpaket für die Postler ausgehandelt. Doch die umstrittenen Delivery-Tochtergesellschaften bleiben bestehen. Damit hat die Deutsche Post ihr wichtigstes Ziel erreicht.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel Quelle: dpa

Die schwarz-gelben Klebestreifen bleiben bestehen. Mit den Klebebändern teilte die Deutsche Post DHL in den vergangenen Monaten ihre Paketboten in zwei Teile: Auf der einen Seite arbeiten die Zusteller, die nach dem Haustarif bezahlt werden. Auf der anderen Seite der Klebestreifen ihre Kollegen, die bei den Anfang des Jahres gegründeten Tochtergesellschaften mit dem Namen Delivery angestellt sind – für einen geringeren Lohn.

Nach rund drei Monaten Tarifkampf haben die Gewerkschaft Verdi und der Vorstand der Deutschen Post in einem 40-stündigen Verhandlungsmarathon eine Einigung erzielt. Damit endet der unbefristete Streik der Zusteller am Dienstag nun nach vier vollen Wochen. Die Gewerkschaft war in den Streik gezogen, um für die Sicherheit der Arbeitsplätze der Paketboten und die Abschaffung der Delivery GmbH – und damit auch der Klebestreifen – zu streiten. Doch der Kompromiss lässt die Delivery GmbH unangetastet. Die Deutsche Post DHL hat damit ihr wichtigstes Ziel erreicht.

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Für die Kunden ist der Kompromiss eine gute Nachricht, die Mitarbeiter der Post allerdings sehen das Ergebnis mit gemischten Gefühlen. Viele ließen ihren Frust schon am Sonntagabend auf dem Nachrichtendienst Twitter freien Lauf: „Ein Sorry auch an alle Kunden, die Unannehmlichkeiten hatten und höflich geblieben sind. Rückblickend war es das nicht wert. #Poststreik“, schrieb der Nutzer Fuldor_Waeder.

Denn für die 6500 Angestellten in den Delivery GmbHs, die nach den örtlichen Löhnen der Tarifverträge für die Logistikbranche bezahlt werden, konnte Verdi keine besseren Arbeitsbedingungen herausschlagen.

Sicherheit der Arbeitsplätze, das verspricht die Gewerkschaft ihren Mitgliedern damit mit dem neuen Kompromiss. Die 7650 Paketboten, die noch unter dem Dach der Post AG arbeiten, kriegen eine Garantie, dass ihre Arbeitsplätze nicht in die umstrittenen Tochtergesellschaft verlegt werden können.

Bis Ende 2018 kann die Post außerdem keine Zustellbezirke von Briefträgern an Fremdfirmen vergeben. Das regelt der verlängerte Fremdvergabeschutz. Damit hat Verdi vor allem eins verhindert: Dass es bald auch eine Delivery-Tochter für die Briefzustellung gibt. Die Angst der Mitarbeiter davor war groß, auch weil bereits entsprechende Stellenausschreibungen im Internet kursierten.

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Der Post-Vorstand hat damit erfolgreich sein Direktionsrecht verteidigt. Vertreter des Bonner Konzerns hatten den Streik als unrechtmäßig kritisiert, weil Verdi gegen vor allem gegen eine unternehmerische Entscheidung streike. Die Frage, wie das Unternehmen zu organisieren sei, sei Sache des Vorstandes und nicht einer Gewerkschaft.

Durch die Delivery GmbHs wollte Post-Chef Frank Appel vor allem das Lohnniveau im wachstumsstarken Paketbereich senken, um gegenüber Konkurrenten wie DPD oder Hermes, die ihren Mitarbeitern in der Regel nur den Mindestlohn zahlen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieses Ziel hat der Post-Vorstand erreicht. Wer bei der Post als Paketbote anfangen will, muss sich in Zukunft mit den Löhnen der Logistiktarifbranche zufrieden geben.

Ein Trostpflaster gibt es nur für die Angestellten des Haustarifvertrags: Sie erhalten eine Einmalzahlung von 400 Euro in diesem Jahr, ihr Lohn wird in zwei Stufen bis 2017 um 2,7 Prozent erhöht. Die Postler allerdings sind üppigere Steigerungen gewöhnt – bei der vorigen Tarifrunde hatte Verdi noch 5,7 Prozent Lohnerhöhung heraus gehandelt.

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Allerdings sind die nun verhandelten Lohnsteigerungen beinahe identisch mit den Vorstellungen, die Verdi der Post bei Verhandlungen vor dem unbefristeten Streik angeboten hatte. Allerdings hatte Verdi der Post in diesem vorigen Vorschlag auch angeboten, die Zeiträume bis die Angestellten im Tarifvertrag eine nächste Erfahrungsstufe erreichen, zu verlängern. Das ist aber nicht Teil der nun vorgelegten Einigung.

Die Gewerkschaft muss bei den Post-Mitarbeitern für den Kompromiss werben. Das wird nicht einfach, viele hatten auf eine Auflösung der Delivery GmbHs gehofft. „Solange dieses Problem nicht gelöst ist, kann es keinen Frieden im Betrieb geben“, sagte Andrea Kocsis dazu während des Streiks in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Nun liegt es an Verdi, für diesen Frieden im Betrieb zu sorgen.

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