Elektroauto, Rohrpost, Drohne und Fahrrad Paketdienste im Kampf gegen Verkehrsinfarkt und Chaos

Nur Stau und nirgends Parkplätze: In deutschen Städten wird es eng. Das ist ein Problem für Paketdienste wie DHL, UPS, Hermes - und für die Kunden, die auf ihre Bestellungen warten. Wie die Logistiker das Chaos besiegen wollen.

Verfrachtung in Metropolen wird zur Herausvorderung Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Lösung für das Problem kommt per Lkw: Ein brauner UPS-Laster fährt in die Seitenstraße neben der Hamburger Prachtmeile am Neuen Wall ein. Der Fahrer hat kaum Platz zum Rangieren, fährt erst vor, dann wieder zurück. Er steigt aus, stellt die schmalen Metallstelzen des auf seinem Fahrzeug befestigten Containers ab und schraubt sie hoch. Wieder in der Fahrerkabine schmeißt er den Motor an und fährt los. Zurück bleibt der UPS-Container, bis zum Dach gefüllt mit Paketen.

Gleich drei Paketboten werden den Tag über damit beschäftigt sein, die Kartons an die vielen Luxusläden und auch an die Anwohner zu verteilen. Normalerweise müssten sie dafür drei Vans einsetzen, aber von dem Container aus können die Zusteller auch einfach mit einem Fahrrad oder einem Elektro-Dreirad die Pakete in den Straßen verteilen.

Drohender Verkehrsinfarkt

Deutschlands Städte wachsen - und damit auch die Probleme: Bis 2050 werden etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. In Deutschland sollen es sogar etwa 84 Prozent sein, prognostizieren die Vereinten Nationen.

KTG Citylogistik

In wenigen Städten ist die Infrastruktur auf so ein Wachstum ausgerichtet, und die Konsumgewohnheiten der Menschen verschlimmern das Problem: Die Einwohner lassen sich ihre Klamotten, Bücher und auch Lebensmittel immer öfter direkt bis an die Wohnungstür liefern.

Innerhalb von fünfzehn Jahren ist die Zahl der in Deutschland zugestellten Pakete um über 60 Prozent auf jährlich 2,7 Milliarden Sendungen angewachsen. Gleichzeitig ärgern sich die Internetkäufer und Einzelhändler über verstopfte Straßen, den Lärm der Motoren oder über die Paketwagen, die in zweiter Reihe parken.

Denn den Paketdiensten schlagen die Probleme langsam auch auf das Geschäft: „In manchen Städten stehen unsere Fahrer so oft im Stau, dass sie ihre Touren kaum mehr schaffen und die Produktivität massiv leidet", klagt Hanjo Schneider, Chef des Zustelldienstes Hermes, einer Tochter des Vershandhändlers Otto. Und in Wohngebieten gibt es kaum Parkplätze oder Haltebuchten für die Fahrzeuge, die dann möglicherweise in zweiter Reihe parken müssen, berichtet Schneider. "Das erschwert die Zustellung immens.“

Auf der Suche nach Lösungen

Etwa 160.000 Auslieferungstouren zählt die Unternehmensberatung Oliver Wyman schon heute täglich in deutschen Innenstädten. Die Lkw und Paketfahrzeuge machen damit nicht nur rund 20 bis 30 Prozent des Verkehrs innerhalb der Städte aus, sie sorgen auch für 80 Prozent der Staus.

Und selbst dort, wo der Verkehr fließt, sollen Feinstaubwerte oder die Lärmbelästigung so weit wie möglich reduziert werden. Städte, Einzelhändler und auch Logistiker selbst suchen deshalb nach zukunftstauglichen Ideen und Technologien, um das Chaos in den Städten zu verhindern.

UPS-Modellprojekt in Hamburg: Drei Zusteller verteilen die Pakete aus dem Container mit einem Lastenfahrrad oder auch zu Fuß.

In Hamburg waren es vor allem die Boutique- und Filialbesitzer an der Prachtmeile am Neuen Wall, die sich über die Masse der Paketwagen ärgerten. Doch gleichzeitig sind die Einzelhändler in den Innenstädten auf die Sendungen angewiesen. „Niemand kann sich leisten bei diesen Mieten Lagerplatz zu verschwenden. Deshalb müssen wir Läden sehr zuverlässig beliefern, um abverkaufte Waren aufzufüllen", sagt Frank Sportolari, Deutschland-Chef von UPS.

Container und Lastenräder

Vor den Boutiquen am Neuen Wall halten die Zusteller oft mehrfach täglich. Die dort ansässigen Filialbesitzer wandten sich direkt an die Paketdienste, um gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen. Doch allein UPS fand mit den Containern und dem Weitertransport per Lastenrad eine Antwort, berichtet der BID, die Vertretung der örtlichen Einzelhändler. „Wir kriegen nur positive Resonanzen von den Einzelhändlern, die Ergebnisse sind vielversprechend“, sagt auch Sportolari. Der Paketdienst sucht schon nach weiteren Standorten für neue Container - und das auch außerhalb von Hamburg.

Nicht überall in Deutschland können die Paketdienste Fahrräder einsetzen. Oft ist das Gelände zu bergig, der Weg zu weit. Doch die Städte wehren sich gegen die sperrigen und lauten Lastwagen. Die Lieferdienste müssen deshalb neue Fahrzeuge entwickeln, die auch durch schmale Gassen passen - und vor allem nicht so viel Lärm und Abgase erzeugen.

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