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Emirates Wie die Airline zum Schrecken der Flugbranche wurde

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Auf dem Kosten-Niveau von Ryanair

Aufgeholt aber nicht eingeholt haben die Europäer auch beim zweiten Vorteil: "Emirates kann die Flugpreise wie Ryanair auf ein Niveau senken, wo kein anderer mehr Geld verdient", sagt Alexander Tamdjidi, Flugspezialist bei PA Consulting Group. Laut UBS fliegen Lufthansa, British Airways und Air France bis zu 40 Prozent teurer.

Die Konkurrenz schimpft über einen unfairen Wettbewerb. Lufthansa-Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Mayrhuber führt niedrige Flughafengebühren, das Fehlen von Steuern in Dubai und das in der Golfregion schließlich reichlich verfügbare Kerosin an. Sein Schluss: "Da beginnen wir das Fußballspiel mit 1:4 Rückstand." Die großen US-Linien wie Delta und United vermuten sogar staatliche Hilfen beim Benzinpreis und der Flottenfinanzierung. Doch das weist Emirates-Chef Clark zurück.

‚Nicht klagen, konkurrieren‘

"Wer bei uns nach Subventionen sucht, übersieht das Offensichtliche", sagt Airline-Chef Clark. Und das sind für den Briten: Dubai, die Abläufe und die Mentalität der Mitarbeiter, die er als ‚Nicht klagen, konkurrieren‘ umschreibt. Hinzu kommt, dass die Linie auch niedrigere Flottenkosten hat, weil sie dank ihrer Großbestellungen die wohl größten Rabatte der gesamten Branche bekommt.

So sieht der Nobel-Airbus von Emirates aus
„Emirates Executive“ heißt das neue Privatjet-Angebot der Golf-Airline. In der umgebauten A319 finden bis zu 19 Passagiere bequem Platz. Denn normalerweise passen bis zu 150 Fluggäste in den Airbus. Quelle: Emirates
Der Salon des Luxus-Fliegers sieht aus wie ein Wohnzimmer. Er kann aber auch zu einem Arbeitszimmer oder wie hier zu einem Esszimmer umgestaltet werden – für den Business-Lunch über den Wolken. Quelle: Emirates
Von außen sieht der Airbus A319 eher schlicht aus. Doch bei der Inneneinrichtung hat Emirates alles gegeben. Das Flugzeug ist bislang das Einzige des neuen Privatjet-Angebots der Fluggesellschaft. Quelle: Emirates
Neben dem Salon befinden sich zehn Suiten in der Maschine, in denen sich die Reisenden zurückziehen können. Auf ein Getränk, zum Schlafen oder um das bordeigene Unterhaltungssystem zu nutzen. Quelle: Emirates
Zurück im Salon: Morgens werden die Fluggäste mit einem Frühstück empfangen. Im Mittleren Osten dürfte Emirates den Flieger auslasten, meint Gerald Wissel von der Luftfahrtberatung Airborne. Quelle: Emirates
Ein Traum in Gold – das Bad des A319. Vom Türknauf bis zur Armatur glänzt hier alles. Von Dubai aus kann der Privatjet viele Ziele direkt erreichen wirbt die Airline Emirates – auch in Europa. Quelle: Emirates
Auch im Salon können die bis zu 19 Passagiere die Füße hochlegen, wenn gerade einmal nicht gearbeitet wird. Die Lufthansa hat ebenfalls ein Privatjet-Angebot im Programm in Zusammenarbeit mit Netjets. Quelle: Emirates

Wichtigster Vorteil des Drehkreuzes in Dubai sind allerdings die niedrigen Flughafenkosten, mit denen das Emirat den Luftverkehr ankurbeln will. Die Landung eines Jumbojets kostet dort mit rund 1100 Euro nur gut ein Zehntel dessen, was etwa Frankfurt verlangt.

Dazu kommt die laut UBS "beeindruckende Arbeitsproduktivität", die zum einen auf eine besonders schlanke Organisation zurückzuführen ist. "Um die beneidet sie die ganze Branche", sagt Berater Tamdjidi. Dazu konzipierten die Emirates-Gründer von Beginn an Unternehmensstruktur und Computersysteme auf gewaltige Zuwachsraten, während die meisten Wettbewerber ihre Systeme ständig mühsam und teuer anpassen müssen.

„Marktführerschaft erreichen nur Unternehmen mit einer flexiblen Organisation, mit flachen Hierarchien und einem strengen, für alle geltenden Leistungsprinzip“, so Clark. Dies sorgt zum einen für niedrige Personalkosten, die laut Goldman Sachs nicht mal halb so hoch sind wie bei abendländischen Linien. Das verdankt das Unternehmen der Tatsache, dass Personalvertretungen und Kündigungsschutz am Persischen Golf als europäische Exotik gelten. Ebenso unbekannt sind Steuern und Sozialabgaben, weshalb die Linie ihren Leuten weniger zahlen kann, ohne dass sie darben. Ein Flugkapitän verdient in der Steueroase Dubai gut 150.000 Euro im Jahr - nur halb so viel wie mancher US-Pilot.

Hoher Druck, hohe Bezahlung

Und einen weiteren Antrieb hat Emirates: eine einzigartige Motivationsmaschine. „Die Führung von Staat und Unternehmen verkündet nicht nur Ziele", sagt ein führender Mitarbeiter, "sie schafft auch das Umfeld für den Erfolg, indem sie allen das Gefühl gibt, die Vorgaben erreichen und wahrscheinlich sogar übertreffen zu können." Zudem sind alle Führungskräfte bis hin zu Scheich Ahmed sehr präsent im Alltagsgeschäft und für Mitarbeiter ansprechbar.

Wie die Golf-Airlines vom Staat gefördert werden

Dabei ist der Leistungsdruck ebenso hoch wie die Bezahlung. Dafür sorgt nicht nur die Ungeduld der Vorgesetzten. "Da der leistungsabhängige Teil mit dem Rang im Unternehmen steigt und auch von der Leistung der Gruppe abhängt, ist die Atmosphäre insgesamt sehr offen, und die Leute motivieren sich gegenseitig", beschreibt ein Mitarbeiter die Mischung aus Teamgeist und Gruppendruck.

Dabei nimmt das Unternehmen den Mitarbeitern Behördengänge und andere lästige Seiten des Lebens ab. "Da kann man sich ganz auf die Arbeit konzentrieren", sagt eine Mitarbeiterin. Auch bei der Wohnungssuche hilft Emirates. Kapitäne und Manager, die nach Dubai ziehen, bekommen ein Haus auf Firmenkosten. Untere Ränge erhalten eine Wohnung in einer der konzerneigenen Anlagen mit Pool und Fitnesscenter, Flugbegleiter teilen sich oft Apartments oder mieten mit einem Zuschuss der Firma eine eigene Wohnung.

 

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