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Emirates und Turkish Airlines Die Rückkehr der Angstgegner

Emirates beendet Krise. Quelle: imago

Warum Emirates und Turkish Airlines ihre Krise schneller als erwartet beenden. Und wie die Lufthansa das zu spüren bekommt.

Wenn Tim Clark zuletzt die Chefs anderer Fluglinien traf, spürte der Chef von Emirates aus Dubai eine ungewohnte Reaktion. Mitleid war an die Stelle von Respekt und Neid getreten. In den 30 Jahren zuvor war die Fluglinie aus Dubai fast jedes Jahr zweistellig gewachsen. Dank der Rückendeckung der örtlichen Herrscherfamilie hatte sie marktführenden Konkurrenten aus Europa wie Lufthansa, Air-France-KLM oder British Airways abgehängt. Doch zuletzt hatte es beim Wachstum gehakt.

Anfang 2017 schien das Wunder von Golf und Bosporus auf einmal vorbei zu sein. Emirates meldete in seiner Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/17 einen Gewinneinbruch von fast drei Vierteln. Bereits zuvor hatte die Linie die selbstbewussten Wachstumspläne auf Eis gelegt und sogar die Bestellung und Auslieferung neuer Flugzeuge verschoben. Noch härter traf es die ebenfalls von den örtlichen Herrscherfamilien gepäppelten Qatar Airways und Etihad. Sie gestanden Milliardenverluste ein. Etihad entließ fast den kompletten Vorstand und legte gar einen Teil ihrer Flotten still. Turkish Airlines rutschte erstmals seit 2004 in die roten Zahlen, wechselte den Chef und baute kräftig um. „Wir waren schon ein wenig besorgt“, erinnert sich der Chef eines großen Flugzeugleasingunternehmens, das wie fast alle in der Verleihbranche einen großen Teil seines Geschäfts im Nahen Osten macht.

Für den Einbruch sorgten zunächst mal hausgemachte Probleme. Alle Fluglinien hatten ihr jahrelang trainiertes zweistelliges Wachstum zu lange unbeirrt fortgesetzt. Das taten sie auch, als ihnen das Überangebot an Flügen die Preise auf ein Rekordtief drückte und zu einem Verlustgeschäft machte. Dann verdarb der niedrige Ölpreis das Geschäft. Mangels Petrodollars konnten sich nun immer weniger Unternehmen oder Privatleute teure Flüge leisten.

Politische Krisen verschärften die Probleme. Hierzu zählen die Blockade Katars durch Saudi-Arabien und andere Nachbarstaaten sowie innenpolitische Unsicherheiten durch Terrorangst. Turkish litt zudem unter dem schlechten Image des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit seinem zunehmend autokratischen Kurs und offenen Beleidigungen anderer Staaten.

"Staatshilfe schützt vor Schwerkraft nicht"

„Sie stehen vor Herausforderungen“, kommentierte Lufthansa-Chef Carsten Spohr das Leiden der Konkurrenz süffisant. Lang genug hatte die ihm mit Kampfpreisen das Asiengeschäft verdorben, hatte sein eigener Aufsichtsrat ihm die Linien als Vorbilder empfohlen. Noch deutlicher waren seine Kollegen beim jüngsten Jahrestreffen der Luftfahrtbranche in Cancun: „Die Scheichlinien entdecken: Staatshilfe schützt vor Schwerkraft nicht“, so ein führender Manager der Branche.

Nun wird klar: Spohr und seine Kollegen haben sich zu früh gefreut. Auch wenn Etihad weiter leidet und schrumpft: Zumindest bei Emirates und Turkish Airlines geht es wieder aufwärts. „Wir haben trotz Preisdruck unsere Ertragskraft wieder deutlich gesteigert“, so Emirates-Chef Clark. Und das ist erst der Anfang. Beide Linien versprechen in ihren jüngsten Prognosen schon wieder überdurchschnittliche Renditen.

„Der Optimismus ist auch durch ernstzunehmende Zahlen gedeckt“, weiß Thomas Jaeger, Chef des auf die Flugbranche spezialisierten Marktforschers CH-Aviation. Als Zeichen der Stärke hat Emirates gerade bis zu 36 Riesenjumbos vom Typ A380 bestellt. Turkish kündigte Anfang des Jahres den Kauf weiterer Jets an. Damit haben Emirates und Turkish Airlines seit September insgesamt 150 neue Langstreckenjets gekauft. Das sind fast so viele, wie der ganze Lufthansa-Konzern inklusive Eurowings und Brussels insgesamt betreibt.

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