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Empörung um Werbekampagnen Wenn Werber daneben greifen

Werbung wirkt – und wie: Gleich drei Reklame-Motive sorgen derzeit für reichlich Shitstorms im Netz und Wellen der Empörung. Richtig doof läuft es dabei für die Deutsche Familienversicherung ­ zu Unrecht.

Die aufsehenerregendsten Kampagnen von Sixt
Sixtwerbung zu CSU-Chef Horst Seehofer Quelle: Screenshot
Sixtwerbung zu AfD-Vize Gauland Quelle: Screenshot
Sixt Merkel Quelle: Screenshot
Zum mittlerweile neunten Mal kommt es im Mai 2015 im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zum Arbeitskampf. Auf Twitter kursiert derzeit ein Bild, das eine witzige Reaktion des Autovermieters Sixt darauf zeigt: Ein Miet-Lkw der aussieht, als ob er einen Bahn-Waggon an Bord hätte, zusammen mit dem Spruch: "Die Bahn kommt". Quelle: Screenshot
Auch, als im April zum siebten Mal der Bahnstreik die Republik lahm legte, war das Grund genug für Sixt, Claus Weselsky erneut zum Mitarbeiter des Monats zu ernennen. Quelle: Screenshot
Sixt-Werbekampagnen-Bild mit Mario Draghi Quelle: Screenshot
Sixt-Werbekampagnen-Bild mit Mario Draghi

Erich Sixt und seine langjährige Haus- und Hofagentur Jung von Matt pflegen seit Menschengedenken eine besonders raffinierte Form der Werbung. Anders als viele andere Unternehmer liebt es der Autovermieter aus Pullach bei München, zu provozieren. In Zeitungsanzeigen etwa lässt er mit Vorliebe Politiker auftreten und veralbert sie. So Kanzlerin Merkel: "Lust auf eine neue Frisur?" etwa ist ein längst legendäres Motiv, bei dem die Hamburger Kreativen Merkels damalige Topfdeckel-Frisur auf einem zweiten Foto gehörig durcheinander strubbelten: "Mieten Sie einfach ein Cabrio". Raffiniert sind Sixt und Jung von Matt deshalb, weil sie die Anzeigenmotive nur in sehr wenigen Zeitungen drucken lassen. Ist die Werbung gelungen, berichten oft weitere Medien darüber und das Motiv wandert durch die sozialen Netzwerke. Netter Effekt für Sixt: Er spart ordentlich Geld und ist mal wieder im Gespräch.

Blöd nur, wenn die Werber mal daneben greifen. Das ist aktuell der Fall. Diesmal warben sie am vergangenen Montag in einer Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung" mit Gustl Mollath und dem Spruch: "Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen". Fanden Mollath und sein Anwalt gar nicht witzig. Erich Sixt hat sich noch am Montag bei Mollath entschuldigt. Die Sixt-Werbung fanden aber auch viele Leser der "Süddeutschen" überhaupt nicht witzig. Die SZ wies denn auch heute in einem kurzen Beitrag in eigener Sache auf die strikte Trennung von Anzeigen und Redaktion hin. Dass nun jedoch die Kundschaft in Scharen zu den Schaltern anderer Vermieter strömt und Sixt ihre Empörung spüren lässt, ist eher unwahrscheinlich. Denn nach dem plumpen Motiv wird bei den meisten eher eins hängen bleiben: Sixt-Anzeigen waren auch schon mal besser.

NZZ Online Werbung

Dumme Kampagnen

Deutlich heikler wird es für Unternehmen und ihre Agenturen jedoch, wenn sie es sich mit ganzen Berufsgruppen oder gleich der einen Hälfte der Bevölkerung verscherzen. In zwei aktuellen Fällen sind das Altenpfleger und Frauen. In dem einen Fall hat die Deutsche Familienversicherung ein Plakat in einige Versicherungs-Filialen gehängt. Zu sehen ist eine Grundschülerin und drunter steht "Soll ihre Tochter Altenpflegerin werden oder freie Berufswahl haben?" Im anderen Fall wirbt die "Neue Nordhäuser Zeitung" aus Thüringen in ihrem Anzeigenblatt mit einem seltsamen Motiv für ihr Online-Portal. Auf dem schwarz-weißen Foto zu sehen ist der Torso einer auf dem Bauch liegenden Frau im T-Shirt. Peinlich wird das ganze vor allem durch den dümmlich-zweideutigen Text darunter: "Die Neue" steht da, und gemeint ist wohl die neue "NNZ-online", "kommt schneller als die Alte, ist besser gebaut und macht, was man ihr sagt." Das ist so doof, dass man es eigentlich gar nicht weiter kommentieren muss.

Aufgeregt hat sich nun die Frauenbeauftragte von Nordhausen; der Chefredakteur des Blattes lenkt als Reaktion nicht ein, sondern beharrt trotzig auf dem albernen Altherren-Sprüchlein und legt nach: "Wer keinen Humor hat, der sollte in nächster Zeit vielleicht alle Medien meiden", zitiert ihn Spiegel-Online. Ein Eigentor der Sonderklasse, es sich wegen eines schlicht missratenen Werbemotivs so plump mit seiner Leserschaft zu verderben. Im schlechtesten Fall fällt das Motiv auf den Verlag zurück, es kann ihn einige Abos kosten.

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