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Enge, Personal, Essen Was deutsche Passagiere im Flugzeug nervt

Eine Umfrage zeigt: Deutschlands Flugreisende sind zufriedener und preisbewusster denn je. Trotzdem wollen sie bequemere Sitze oder bessere Verpflegung – und viele sind bereit, dafür zu zahlen.

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Blick in die Kabine an Bord eines Flugzeugs. Quelle: dpa

Zu den gängigen Vorurteilen über deutsche Urlauber gehört, dass sie im Reisegepäck– neben Sonnenmilch und Handtuch –Lupe, Kamera und ein Schriftstück namens Frankfurter Tabelle haben. Mit ersterer durchsuchen sie gleich nach Ankunft im Hotel pingelig nach Schäden, Ungeziefer oder anderen Reisemängeln.

Und sobald sie etwas gefunden haben, knipsen sie es und schlagen am Ende in der Frankfurter Tabelle nach, wie viel ihnen der Veranstalter laut der darin gesammelten Richtersprüche zum Thema Urlaubsprobleme für den Fehler nach der Heimreise zurückzahlen muss.

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Beim Fliegen sind die Deutschen offensichtlich deutlich lockerer. Die Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) genannte Lobbyvereinigung der heimischen Fluglinien wie Lufthansa oder Air Berlin sieht die heimischen Passagiere als hochzufriedene Kundengruppe. Im heute veröffentlichten Verbraucherreport 2015 sind 91 Prozent aller Deutschen, die in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal einen Flieger bestiegen haben, zufrieden bis hoch zufrieden. Dabei fliegen die Deutschen laut BDL nicht nur zufriedener denn je, sondern auch extrem preisbewusst. 94 Prozent der Befragten achteten bei der Buchung vor allem auf den Preis.

Die Mehrheit wünscht sich mehr Service

Einzige Ausnahme sind Geschäftsreisende. Denen sind kurze Wartezeiten und vor allem die passen Startzeit der Maschine das Wichtigste. Kein Wunder, denn beim Gros zahlt der Arbeitgeber die Reise und teurere Tickets bringen in der Regel mehr von den begehrten Meilen im Rahmen der Vielfliegerprogramme.

Das bedeutet freilich nicht, dass die Deutschen an Bord wunschlos glücklich wären. Zwar fühlen sich nur drei Prozent der Befragten nicht sicher an Bord – und die Zahl ist auch dem tragischen Absturz des Germanwings-Flugzeugs im vergangenen März nicht gestiegen. Doch die Mehrheit hätte schon gern etwas mehr Service an Bord.

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Ihr größtes Problem ist dabei der Sitzkomfort. So sehr die Fluglinien auch ihre neuen ergonomischen Sessel loben. Hier empfindet jeder Dritte die bei Polster dünneren und enger gestellten Sitze als unbequem.

Jeder Vierte der Kunden mit einer Beschwerde schimpft bei der Airline über die Betreuung an Bord. Auch wenn nur die Hälfte beim Buchen seines Flugs auf das Essen achtet: Was die Airlines ihm oder ihr anschließend in gut zehn Kilometern Höhe noch vorsetzen, stößt bei fast jedem Dritten auf Kritik.

Jeder Sechste langweilt sich an Bord

Kein großes Reizthema ist das Gepäck. Nur jeden achten Reisenden stört, dass er sich wegen der in den vergangenen Jahren immer strengeren Kofferregeln beim Packen zurücknehmen – oder gar für eine aufgegebene Tasche zahlen muss.

Zu guter Letzt deutet die Kritik am Unterhaltungsprogramm im Flieger darauf hin, dass zwar die Hälfte im Fluge liest, ein Fünftel mit Hilfe der eingebauten oder mitgebrachten Elektronik zockt oder Filme sieht – und nur ein Prozent arbeitet. Doch am Ende ist jedem Sechsten an Bord etwas langweilig. Das gilt freilich vor allem für die kürzeren Europaflüge. Auf der Langstrecke fühlen sich fast alle gut bewirtet und unterhalten.

Betriebskosten von Fluglinien

Doch inzwischen belassen es immer weniger Passgiere beim Kritisieren. Laut der Umfrage sind 54 Prozent der Befragten bereit, für mehr Platz an Bord oder andere Annehmlichkeiten wie besseres Essen oder eine schnellere Abfertigung am Flughafen draufzuzahlen. Da hilft die – wie der Urlauber auf dem Heimflug – notorisch klamme Branche gern. Denn bei den Extras bleibt am Ende fast die Hälfte vom Nettoumsatz als Gewinnbeitrag hängen. Vom Ticketpreis hingegen oft nur fünf Prozent übrig. 

Nun werden Spötter sagen, dass eine Verbandsumfrage die Stimmung naturgemäß etwas zu rosig zeichnet. Denn nach wie vor beim Gros der Bevölkerung löst der Gedanke an Flugzeuge so wenig Fernweh und Zufriedenheit aus, dass immerhin 44 Prozent der Befragten seit dem Frühjahr 2013 lieber gar nicht erst geflogen sind – und weitere 15 Prozent in ihrem Leben noch nie einen Flieger betreten haben.

Vielflieger sind hierzulande die Ausnahme

Doch das greift zu kurz. Denn wie die Umfrage zeigt, nutzen zwei Drittel der Befragten Flugzeuge für den Urlaub. Und da das Gros der Deutschen ihre Ferien regelmäßig im eigenen Land verbringt, kommen sie auch ohne Flieger aus.

Die hohe Urlauberdichte an Bord widerlegt zudem das Vorurteil, dass jeder seit dem Aufkommen der Billigflieger auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf Umwelt und Klima durch die Gegen jettet. Zwar bescheinigen 27 Prozent der Befragten dem Fliegen das beste Preis/Leistungsverhältnis und trotz Fernbus-Boom nur 25 Prozent dem Bus und gar nur 13 Prozent der Bahn. Doch an das Klischee der Billigstfliegerei konnte schon bislang keiner glauben, der mal versucht hat für weniger als 100 Euro ans Mittelmeer und zurück zu kommen.

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Nun zeigt die Umfrage, dass trotz aller Prahlereien Vielflieger hierzulande die Ausnahme sind. Die weit überwiegende Mehrheit fliegt nur einmal im Jahr. Lediglich 12 Prozent der Befragten sind zuletzt aus geschäftlichen Gründen gereist. Und die von Fluggegnern gern als Symbol für unnötiges Reisen gebrandmarkten Wochenend-Jetsetter stellen gar nur drei Prozent der fliegenden Bevölkerung.

Zu guter Letzt kann sich der Flugverband dann eine Spitze gegen die Konkurrenz am Boden nicht verkneifen. Auf die Frage, welches Verkehrsmittel die Befragten in den vergangenen zwei Jahren so geärgert hat, dass sie es am liebsten meiden möchten, antworten nur sechs Prozent mit dem Flugzeug, 13 Prozent mit dem eigenen Auto – aber satte 80 Prozent mit der Bahn.

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