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Eurogate-Co-Chef Schiffer Jade-Weser-Port: Erst einen festen Kunden

Exklusiv

Der Co-Chef von Europas größtem Terminalbetreiber Eurogate setzt auf Deutschlands neuen Tiefwasserhafen. Doch der Ansturm bleibt aus.

Emanuel Schiffer Quelle: Picture Alliance/dpa/Ingo Wagner

WirtschaftsWoche: Herr Schiffer, an diesem Freitag wird Deutschlands erster Tiefwasserhafen eröffnet, der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Wie viele Schiffe schnappt er Hamburg und Bremerhaven weg?

Schiffer: Wir starten mit zwei Diensten von Maersk Line, einmal Fernost und einmal Südamerika pro Woche. Damit fahren wir im ersten halben Jahr nach der Eröffnung den Betrieb hoch.

Mit zwei Containerschiffen, die bisher Bremerhaven anliefen?

Die beiden Dienste laufen regelmäßig Bremerhaven an. Wilhelmshaven wird zusätzlich zu Bremerhaven in den Fahrplan aufgenommen. Für das erste Jahr garantieren wir der Hafengesellschaft einen Umschlag von 640.000 TEU, also von 640.000 Standardcontainern. Erreichen wir die Zahl nicht, müssen wir Strafe zahlen. Aber wir werden die Vorgabe erfüllen...

...weil sie niedrig ist. Hamburg schlug im ersten Halbjahr 4,4 Millionen Container um. Zudem wirbt Wilhelmshaven mit Rabatten von bis zu 70 Prozent.

Wilhelmshaven lässt sich nicht mit Hamburg oder Bremerhaven vergleichen. Wilhelmshaven wird im Vollausbau mit 2,7 Millionen TEU über weniger Kapazitäten verfügen als die beiden anderen Seehäfen. Bei den Rabatten geht es um die Hafengebühren, die die landeseigene Hafengesellschaft für die Benutzung der Anlagen erhebt. Unsere Preise für den Umschlag kennt keiner, sie sind vertraulich.

Dreckschleudern auf See
Crown Princess Quelle: Pressebild
Emerald Princess Quelle: Pressebild
Ruby Princess Quelle: Pressebild
Voyager of the Seas Quelle: Pressebild
Navigator of the Seas Quelle: Pressebild
Adventure of the Seas Quelle: pinguino

Dass Maersk Line Wilhelmshaven anläuft, überrascht nicht. Die Moeller-Maersk-Gruppe ist ja über die Tochter APM an der Betreibergesellschaft des Containerterminals beteiligt. Welche Reeder kommen noch?

Das kann ich nicht sagen, denn die Gespräche, die wir führen, sind vertraulich. Und es ist noch nichts festgemacht. Aber Wilhelmshaven profitiert davon, dass die Reeder zunehmend größere Containerschiffe bestellen. Die sind breiter und haben mehr Tiefgang. Dadurch wird die Fahrt durch die Elbe nach Hamburg oder durch die Weser nach Bremerhaven problematisch. Daran ändert auch die vorgesehene Elbvertiefung nichts. Sie wurde vor zwölf Jahren geplant und reicht für die neuen 18.000-TEU-Schiffe nicht aus. Sie können aber problemlos den Eurogate Container Terminal im Jade-Weser-Port anlaufen, weil der direkt am Meer liegt.

Kann Wilhelmshaven also doch Hamburg überholen?

Hamburg wird seine Rolle als führender Hafen in Deutschland immer behalten. Hamburg hat zwar auf der nautischen Seite erhebliche Nachteile, aber in Hamburg sitzen alle großen Reedereien mit ihren Europazentralen. Keine wird umziehen nach Wilhelmshaven. Das Gleiche gilt für die fünf größten Spediteure. Zudem sitzen in Hamburg 400 chinesische Unternehmen, die importieren und exportieren, und 50 japanische Unternehmen. Darum ist es verständlich, dass jeder versucht, mit seinem Schiff so lange wie möglich in Hamburg zu bleiben.

MS Deutschland fährt weiter unter deutscher Flagge
Das Kreuzfahrtschiff Deutschland, bekannt als ZDF-Traumschiff, warb jahrelang damit, das einzige Schiff unter deutscher Flagge zu sein. Nun sollte das Schiff der Neustädter Reederei Deilmann die Flagge Maltas am Heck tragen. Das sorgte für heftige politische Diskussionen und veranlasste sogar den Bundespräsidenten zu einer kritischen Anmerkung über diesen in der Schifffahrt ganz normalen Vorgang. Jetzt gab Deilmann bekannt auf die Ausflaggung der MS Deutschland nach Malta zu verzichten. Damit trage das Unternehmen "der emotionalen Stimmung" Rechnung. Wie lange die MS Deutschland tatsächlich weiter unter deutsche Flagge fährt, bleibt abzuwarten. Eine ganze Reihe bekannter Kreuzfahrtschiffe führen bereits Flaggen, mit denen man nicht gerechnet hätte. Quelle: dpa
Bevor die Deutschland zum ZDF-Traumschiff wurde, war die damals ebenfalls zu Deilmann gehörende Berlin die Kulisse für die beliebte Fernsehserie. Mittlerweile hat die Berlin den Besitzer gewechselt, heute fährt sie als FTI Berlin für den gleichnamigen Reiseveranstalter als München. Das Schiff fährt unter der Flagge Maltas. Quelle: CC
Die neun Schiffe der Aida Cruises werden zwar von Rostock aus gelenkt, laufen aber alle unter italienischer Flagge. Aida Cruises ist zwar eine deutsche Reederei, gehört aber zum amerikanischen Carnival-Konzern. Organisatorisch ist Aida dessen größter europäischer Tochtergesellschaft, der italienischen Reederei Costa Crociere, zugeordnet. Quelle: ZB
Costa Crociere hat seinen Sitz in Genua, ist auf dem deutschen Markt aber einer der großen Anbieter. Alle 16 Schiffe führen die Flagge Italiens, zwei davon fallen derzeit aus, die Costa Concordia, die im Januar vor der italienischen Küste auf Grund lief und kenterte, vermutlich für immer. Derzeit wird das Schiffe geborgen. Quelle: dpa
Die Kreuzfahrtschiffe von MSC sind ebenfalls sehr beliebt beim deutschen Publikum. Das Kuriosum: Die Reederei der neun Riesenpötte hat ihren Sitz in der Schweiz, die Schiffe sind im Register von Panama eingetragen und führen darum auch die Flagge des mittelamerikanischen Landes. Quelle: Reuters
Die drei Kreuzfahrtschiffe der Cunard Line, Queen Mary 2, Queen Elizabeth und Queen Victoria, pflegen die Tradition alter Luxus-Transatlantikliner und haben viele Fans in Deutschland. Die britische Reederei mit Sitz in Southampton gehört zum US-Carnival-Konzern, aber die Schiffe laufen unter der Flagge Bermudas. Quelle: dpa
Die beiden größten Musikdampfer der Welt sind die Oasis of the Seas und Allures of the Seas. Die beiden Megaschiffe mit Platz für rund 6000 Passagiere und über 2100 Besatzungsmitglieder gehören der amerikanischen Reederei Royal Caribbean International, haben aber die Flagge Bahamas am Heck. Quelle: Reuters

Was wird aus Wilhelmshaven, wenn kaum jemand Hamburg oder Bremerhaven verlässt?

Der Containerumschlag in Deutschland nimmt in den nächsten Jahren weiter zu. Ein Teil dieses Zuwachses geht nach Wilhelmshaven. Darauf basieren unsere Rechnungen. Der Zuwachs ist im Moment zwar nicht so wie in den letzten Jahren, aber der Containerhafen Wilhelmshaven wurde ja für die nächsten 80 Jahre gebaut.

Mit welchem Zuwachs rechnen Sie in Deutschland?

Im Moment geht er gegen null, aber die Globalisierung geht weiter. Langfristig wird sich der Umschlagszuwachs zwischen fünf und zehn Prozent jährlich einpendeln.

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