Eventim Wo der umstrittene Tickethändler wachsen will

Innerhalb weniger Jahre hat sich der Bremer Tickethändler CTS Eventim zum europäischen Marktführer aufgeschwungen. Jetzt strebt die gerade in den MDax aufgestiegene Aktiengesellschaft weiteres Wachstum an.

Die Website des Tickethändlers CTS Eventim. Quelle: dpa

Europas größter Tickethändler, die Bremer CTS Eventim, nimmt verstärkt Märkte im Ausland ins Visier. Nach dem Aufstieg der Aktiengesellschaft in die Börsenliga der mittelgroßen Konzerne, die im MDax versammelt sind, sieht der europäische Marktführer vor allem in Lateinamerika und Russland große Chancen, wie Unternehmensgründer und Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg der Deutschen Presse-Agentur sagte.

CTS Eventim hat das Ticketing für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro übernommen. Der Verkauf sei vor wenigen Tagen erfolgreich angelaufen. „Das ist ein prestigeträchtiges Projekt im lateinamerikanischen Markt und wir werden in der zweiten Jahreshälfte mit einem normalen Ticketing in Brasilien anfangen“, sagte Schulenberg. CTS Eventim prüfe derzeit auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten in Lateinamerika.

In Europa sei Russland ein besonders interessanter Markt. „Da gibt es Herausforderungen, aber wir glauben an das enorme Potenzial.“ Sein Unternehmen habe gerade den Ticketingauftrag für die Formel 1 in Sotschi im Oktober bekommen. Für die Entwicklung der politischen Situation ist Schulenberg optimistisch. „Wir setzen auf ein langfristiges Miteinander.“

Seit einigen Jahren legt der Tickethändler ein rasantes Wachstum vor. Der Umsatz aus eigenem Geschäft und aus Zukäufen kletterte 2014 laut vorläufigen Zahlen um fast zehn Prozent auf 690,3 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stieg um gut 14 Prozent auf 155,8 Millionen Euro. Wachstumstreiber ist vor allem der Verkauf von Tickets über das Internet.

Große Marktmacht

Das Geld kommt aber nicht von den Kartenverkäufen allein. CTS Eventim betreibt inzwischen auch Spielstätten, darunter die Waldbühne in Berlin und die Arena in Köln. Dem Unternehmen gehören mehrere Veranstaltungsagenturen. Schulenberg sieht darin Vorteile. „Wir erreichen eine ganz andere Servicequalität als wenn die Leistung von unterschiedlichen Marktteilnehmern erbracht wird.“ Der Preis einer Eintrittskarte werde dabei weiterhin vom Künstler und nicht vom Veranstalter bestimmt.

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Wie die meisten Vorverkaufsstellen kassiert Eventim zehn bis 15 Prozent des Ticketpreises als Vorverkaufsgebühr. Wenn stationäre Vorverkaufsstellen Tickets über CTS Eventim beziehen, verlangt das Unternehmen unter anderem eine Systemgebühr.

Bis zu 80 Prozent aller Eintrittskarten für Pop- und Rock-Konzerte werden in Deutschland über Eventim verkauft, schätzen Branchenkenner. Und nicht nur diese Marktmacht betrachten einige mit Sorge.

Verbraucherschützer und Kunden klagen zum Beispiel, dass für selbst ausgedruckte Onlinetickets hohe Gebühren fällig werden. Schulenberg hält die Kritik für unberechtigt. „Wir halten eine sehr aufwendige Software- und Serverstruktur vor, deren Kosten gedeckt werden müssen.“ Kosten entstünden auch, weil versucht werde, ausgedruckte Tickets zu kopieren. Deswegen müssten bei jeder Veranstaltung Serviceschalter aufgebaut werden.

Mittlerweile hat das Kartellamt den Tickethändler ins Visier genommen und untersucht, ob Eventim seine Marktmacht missbraucht. Trotz der Untersuchung gibt sich Schulenberg gelassen. Alle Fragen zum Markt des Ticketvertriebs, zu Veranstaltungen und zur Marktposition des Unternehmens seien vollständig und fristgerecht beantwortet worden. „Wir sind überzeugt, dass wir die rechtlichen Rahmenbedingungen in jeder Hinsicht eingehalten haben."

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