WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ferienflieger Tuifly streicht Jobs und halbiert Flotte

Der Ferienflieger Tuifly nimmt wegen der Coronakrise eine Halbierung seiner Flugzeugflotte ins Visier und damit auch einen kräftigen Personalabbau. Quelle: dpa

Tui leidet enorm unter der Coronakrise und hat bereits Staatshilfe erhalten. Nun will die Airline des Konzerns trotzdem die Flugzeugflotte halbieren und etwa die Hälfte der Jobs streichen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der Ferienflieger Tuifly nimmt wegen der Coronakrise eine Halbierung seiner Flugzeugflotte ins Visier und damit auch einen kräftigen Personalabbau. Von den knapp 2000 Vollzeitstellen sollen fast 1000 wegfallen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfuhr. Dies betrifft demnach rund 270 Piloten, etwa 430 Flugbegleiter, rund 190 Techniker und rund 100 Beschäftigte in der Verwaltung und beim Bodenpersonal. Ein Tuifly-Sprecher sagte, bei der Flugzeugflotte sei ein für die schwierige Marktlage vernünftiges Volumen wohl etwa die Hälfte der 39 Maschinen vom Typ Boeing 737. Dies werde zu einem Personalabbau führen, dessen Umfang sich aber erst aus den anstehenden Gesprächen mit der Belegschaft ergeben werde.

Tuifly ist die Airline des weltgrößten Tourismusunternehmens TUI. Dies hatte jüngst den Abbau von konzernweit rund 8000 Arbeitsplätzen angekündigt, um in der Virus-Pandemie gegenzusteuern. Die Gewerkschaften verurteilten den Jobabbau, über den das Personal am Donnerstag informiert wurde. „Die Vereinigung Cockpit (VC) bedauert die Ankündigung von Tuifly, rund 700 Arbeitsplätze in Cockpit und Kabine abbauen zu wollen“, erklärten die Interessenvertreter der Piloten. Es sei ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, dass die Flotte um rund die Hälfte reduziert werde und nur noch von Hannover, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München geflogen werden solle. Die Gespräche mit der Tuifly-Geschäftsführung müssten nun zügig, „ohne Kalkül ehrlich und offen geführt werden“, sagte VC-Präsident Markus Wahl.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach von einem „doppelten Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, wenn Tuifly zum einen Stellen und Flotte etwa halbieren wolle - und TUI gleichzeitig 1,8 Milliarden Euro an staatlich gesicherten Krediten bekomme. Dies stelle „den Sinn und Zweck dieser Hilfen schon im Grundsatz in Frage“, betonte Verdi-Experte Marian Drews. Auch die Gewerkschaft der Flugbegleiter UFO kritisierte den angekündigten Stellenabbau. „Es darf keine Normalität werden, dass Steuergelder in Unternehmen für die Mitarbeiter zur Bedrohung werden“, sagte der UFO-Vorsitzende Daniel Flohr.

Die Coronakrise trifft vor allem die Reisebranche extrem hart. TUI hat als eines der ersten Unternehmen Anfang April einen staatlich gesicherten Kredit von 1,8 Milliarden Euro unter Dach und Fach gebracht. Das Nachrichtenportal „Business Insider“ berichtete nun, TUI habe jüngst bei der Bundesregierung vorgefühlt, ob der Konzern weitere Finanzhilfen über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) erhalten könne. Es gehe um einen Bedarf von 1,2 Milliarden Euro. Ein konkreter Antrag sei aber nicht gestellt worden, hieß es in dem Bericht. Man sei noch ganz am Anfang. Ein TUI-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Vom Bundeswirtschaftsministerium, das sich meist nicht zu konkreten Firmen äußert, war zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Mehr zum Thema:
Lufthansa-Chef Spohr braucht Geld für die Sanierung, wehrt sich aber gegen den Staatseinstieg. Aus gutem Grund: Kaum ein Unternehmen litt stärker unter Regierungseinfluss als die Lufthansa in den Achtzigern. Lesen Sie die Geschichte hier.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%