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Fernbus vs. Bahn Das Ausland zittert vor deutschen Fernbussen

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Nur wenige Züge zu Zielen im Ausland

Jetzt rächt sich im Eisenbahnverkehr, dass die staatlichen Anbieter ihren Verbindungen über die Grenze bisher nur wenig Beachtung schenkten: teils weil sie sich sorgten, den ausländischen Staatsbahnen die Tür auf den eigenen Markt zu öffnen, teils weil sie dazu keinen Anlass sahen. Die Folge ist ein eher dürftiges Angebot.

In diese Lücke stößt die Straßenkonkurrenz. „Mit unseren Fernbussen können wir flexibel reagieren“, sagt Flixbus-Chef Engert. „Außerdem bieten wir oft umsteigefreie Verbindungen an, die die Bahnen nicht im Angebot haben.“ Zudem erlaubt EU-Recht, Strecken innerhalb der Länder anzubieten. „Solche innerausländischen Linien prüfen wir derzeit ebenfalls.“

Deutsche Fernbuslinien: Ziele im Ausland

Welche Gefahr den Staatsbahnen dadurch droht, zeigt die Deutsche Bahn. Der Schienenriese verliert in diesem Jahr an die neue Konkurrenz auf der Straße wohl bis zu 50 Millionen Euro Gewinn, heißt es aus dem Konzern. Das Unternehmen habe „die Geschwindigkeit der Entwicklung unterschätzt“, sagt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg.

Bahn versucht es nun auch mit Bussen

Um dem Schwund zu begegnen, beginnt die Bahn, die ihrerseits Fernbusse auf die Straße schickt, den Schienenfernverkehr neu auszurichten. Eine Antwort auf Flixbus und Co. könnte Interregio Express (IRE) heißen. Seit vier Monaten pendelt der Zug zwischen Berlin und Hamburg zu einem Festpreis von 20 Euro für die einfache Fahrt und hält unterwegs in Kleinstädten wie Stendal, Uelzen und Lüneburg. „Wir sind vom Erfolg überrascht“, sagt Joachim Trettin, Chef der Konzerntochter DB Regio Nordost, die den Betrieb organisiert. Im Schnitt sei der Zug mit 200 Passagieren zu fast 50 Prozent ausgelastet, am Wochenende müssten Reisende teilweise stehen. Die Bahn setzt nun ein zweiten Zug auf die Spur. Nicht ausgeschlossen, dass es solche Zugangebote bald deutschlandweit gibt.

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Wo es nicht anders geht, reduziert die Deutsche Bahn sogar die Ticketpreise. „13-Euro-Ticket“ heißt etwa ein neues Angebot der Regio-Tochter in Sachsen, um die Zielgruppe des „preisbewussten Gelegenheitsfahrers“ zu erschließen, „die man nicht allein dem Fernbus überlassen möchte“. Preisreaktionen der deutschen Staatsbahn auf Wettbewerber hat es bisher noch nie gegeben.

Das nächste Opfer der Fernbusse ist schon in Sicht: die Nachtzüge. Die Deutsche Bahn leidet notorisch unter deren hohen Kosten – und stellt einige Verbindungen ab Dezember ein. In die Lücken drängen die Fernbusanbieter vor. MeinFernbus hat bereits ein dichtes Nachtliniennetz gesponnen, mit Fahrten zwischen Berlin, Ruhrgebiet, Stuttgart und München. Außerdem geht es ins Ausland, etwa von Mailand nach Zürich – eine Verbindung, auf der der Bus sogar schneller ist als der Zug.

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