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Fernbusse nur am Flughafen Köln verbannt Fernbusse aus der Innenstadt

Exklusiv

Die Stadt Köln verbannt Fernbusse an den Flughafen. Die Unternehmen kontern kreativ: Sie suchen Hilfe bei der Deutschen Bahn und wollen künftig Düsseldorf als Köln-Halt vermarkten.

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Köln Quelle: dpa

Köln war schon immer ein wenig anders. Während sich Klein- und Großstädte in ganz Deutschland darum bemühen, den boomenden Fernbusverkehr in die City zu holen, um ihren Bürgern eine preiswerte Form der Mobilität anzubieten, verlegt die Stadt Köln die Fernbusse ab dem 28. Oktober an den 20 Kilometer entfernten Flughafen. Grund für die Verlegung seien „Sicherheitsbedenken“ und ein „neues Nutzungskonzept“ am Hauptbahnhof: Dort soll künftig mehr Platz für Taxen und Kurzparker zur Verfügung stehen.

Die Stadt macht damit das Gegenteil dessen, was kluge Verkehrspolitik vorsieht. Statt Mobilitätsknoten zu entwickeln, an denen sich Fernbusse, U-Bahnen, Carsharing und Nahverkehrsbusse treffen, entflechtet die Stadt die Mobilität und verbannt die Fernbusse an den Stadtrand. Der nächste S-Bahn-Anschluss in die Stadt ist rund fünf Minuten entfernt.

Seit Jahren liegen Anbieter wie Meinfernbus Flixbus, Megabus und Postbus mit der Stadtverwaltung schon im Clinch, weil die Haltemöglichkeiten in Köln zum Teil unterirdisch sind. Zuletzt verordnete die Stadt einen zweiten Halt an der Gummersbacher Straße – fern von öffentlichen Nahverkehrsmitteln und direkt neben einer viel befahrenen Bundesstraße. Es gab nicht einmal ein Wetterhäuschen. Nicht selten kam es dort auch zu Unfällen.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Platz 7 – Deutsche TouringBis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 5 – City2CityAuch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer. Quelle: dpa
Platz 4 – PostbusAn vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent. Quelle: dpa
Platz 3 – FlixbusEbenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen. Quelle: dpa
Platz 2 – Deutsche BahnSchon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Quelle: dpa
Platz 1 – Mein FernbusDer mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche. Quelle: dpa

Gegen die Pläne der Stadt baut sich nun Widerstand auf. Gleich fünf Fernbusunternehmen haben versucht, eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt zu erwirken, darunter Meinfernbus Flixbus, Megabus und Touring. Sie wollen weiter am Hauptbahnhof halten, weil die Stadt ihnen schließlich per Genehmigungsurkunde eine Konzession erteilt hat, die teilweise bis in das Jahr 2023 läuft. Eine einstweilige Verfügung, so viel ist aus Verhandlungskreisen zu hören, wird das zuständige Verwaltungsgericht in Köln allerdings ablehnen.

Die Begründung der Richter: Grundsätzlich sei es ein legitimes Anliegen der Stadt, einen Fernbushalt aus Sicherheitsgründen zu schließen. Zwar verstoßen die Unternehmen nun ganz offensichtlich gegen die Auflagen, die ihnen die Stadt einst erteilt hat. So sehen die Verträge mit der Stadt vor, dass die Fernbusse den Hauptbahnhof und die Gummersbacher Straße anfahren müssen. Ein Ausweichen an den Flughafen käme damit einer Ordnungswidrigkeit gleich. Doch die Stadt bot den Beteiligten in der Gerichtsverhandlung an, die Kontrollen am Flughafen-Busbahnhof einfach auszusetzen. Das Gericht befand, das sei eine gute Idee.

Skurrile Routinekontrollen

Das Verhalten der Stadt gleicht damit einer Rolle rückwärts. In den letzten zwei Monaten malträtierte die Stadt die Busbetreiber mit skurrilen Routinekontrollen. „Die Stadt Köln hat vor zwei Monaten angefangen, die Genehmigungen für den Halt am Hauptbahnhof zu kontrollieren“, sagt ein Fernbusanbieter. „Einige Busse am zentralen Omnibusbahnhof wurden festgesetzt, weil etwa eine Kopie der Konzession fehlte.“ Das sei „reine Schikane“ gewesen. Am neuen Fernbus-Halt am Flughafen sollen Konzessionen dann wiederum nicht mehr gelten.

Die Verlagerung des Busbahnhofes trifft die Fernbusanbieter hart. Insgesamt reisen rund 1,2 Millionen Menschen mit den Unternehmen nach Köln. Meinfernbus Flixbus will deshalb weiter juristisch gegen die Stadtverwaltung vorgehen. „Wir werden den juristischen Weg weiter verfolgen“, sagt Geschäftsführer André Schwämmlein der WirtschaftsWoche. Das Unternehmen pocht auf die ihr vertraglich zugesicherten Konzession zum Halt am Hauptbahnhof. Allein Meinfernbus Flixbus holt mehr als eine Million Menschen pro Jahr in die Rheinmetropole. Knapp 15.000 Passagieren, die ihr Ticket bereits gekauft haben, muss das Unternehmen nun die Routenkorrektur mitteilen.

Doch wohin? Zumindest Meinfernbus Flixbus sieht am Flughafen ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Wie auch am Halt an der Gummersbacher Straße müssen die Passagiere ihr Gepäck auf der Straße in den Bus einladen – trotz angedeuteter Parkbuchten. „Wir lehnen den Zwangshalt am Flughafen wegen  Sicherheitsbedenken ab“, sagt Geschäftsführer Schwämmlein. „Stattdessen suchen wir einen alternativen Halt im Stadtgebiet.“ Gespräche mit einem Anbieter einer geeigneten Fläche stünden kurz vor Abschluss.

Schützenhilfe könnte ausgerechnet von der Deutschen Bahn kommen. Der Staatskonzern, der wegen der Fernbus-Konkurrenz im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro Gewinn einbüßte, verfolge bundesweit „das Ziel, die Bahnhöfe zu Mobilitätsdrehscheiben zu entwickeln“, heißt es auf Anfrage. „Dies gilt auch für den Standort Köln.“ Am Rand von Bahnhöfen könnten dann auch Busparkplätze gehören. Als Alternative nennen Beteiligte bereits den Bahnhof Köln-Deutz oder -Mülheim. Meinfernbus Flixbus bestätigt Gespräche mit der Deutschen Bahn. Einen Halt auf Privatflächen würde die Stadt sogar zähneknirschend hinnehmen. „Wenn die Deutsche Bahn eine Fläche für Fernbusse findet, dann ist das statthaft“, sagt Kölns Verkehrsleiter Klaus Harzendorf.

Sollten alle Pläne nicht funktionieren, wäre auch Düsseldorf eine interessante Alternative, die das Unternehmen als Umsteigestadt für Köln vermarkten könnte. Dort halten Fernbusse direkt am Hauptbahnhof. Fahrgäste mit Reiseziel Köln, die aus dem Norden etwa aus Hamburg kommen, wären möglicherweise schneller in Köln, wenn sie in der Landeshauptstadt aussteigen und mit der Bahn nach Köln weiterfahren. So sparen sie sich die Zeit für die Busfahrt einmal um ganz Köln herum in den Süden der Stadt. Schwämmlein: „Wir suchen schon nach einem geeigneten Zweitnamen für den Halt in Düsseldorf: Klein-Köln, Alt-Köln oder Köln-Nord.“

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