Fernbusse nur am Flughafen Köln verbannt Fernbusse aus der Innenstadt

Exklusiv
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Skurrile Routinekontrollen

Das Verhalten der Stadt gleicht damit einer Rolle rückwärts. In den letzten zwei Monaten malträtierte die Stadt die Busbetreiber mit skurrilen Routinekontrollen. „Die Stadt Köln hat vor zwei Monaten angefangen, die Genehmigungen für den Halt am Hauptbahnhof zu kontrollieren“, sagt ein Fernbusanbieter. „Einige Busse am zentralen Omnibusbahnhof wurden festgesetzt, weil etwa eine Kopie der Konzession fehlte.“ Das sei „reine Schikane“ gewesen. Am neuen Fernbus-Halt am Flughafen sollen Konzessionen dann wiederum nicht mehr gelten.

Die Verlagerung des Busbahnhofes trifft die Fernbusanbieter hart. Insgesamt reisen rund 1,2 Millionen Menschen mit den Unternehmen nach Köln. Meinfernbus Flixbus will deshalb weiter juristisch gegen die Stadtverwaltung vorgehen. „Wir werden den juristischen Weg weiter verfolgen“, sagt Geschäftsführer André Schwämmlein der WirtschaftsWoche. Das Unternehmen pocht auf die ihr vertraglich zugesicherten Konzession zum Halt am Hauptbahnhof. Allein Meinfernbus Flixbus holt mehr als eine Million Menschen pro Jahr in die Rheinmetropole. Knapp 15.000 Passagieren, die ihr Ticket bereits gekauft haben, muss das Unternehmen nun die Routenkorrektur mitteilen.

Doch wohin? Zumindest Meinfernbus Flixbus sieht am Flughafen ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Wie auch am Halt an der Gummersbacher Straße müssen die Passagiere ihr Gepäck auf der Straße in den Bus einladen – trotz angedeuteter Parkbuchten. „Wir lehnen den Zwangshalt am Flughafen wegen  Sicherheitsbedenken ab“, sagt Geschäftsführer Schwämmlein. „Stattdessen suchen wir einen alternativen Halt im Stadtgebiet.“ Gespräche mit einem Anbieter einer geeigneten Fläche stünden kurz vor Abschluss.

Schützenhilfe könnte ausgerechnet von der Deutschen Bahn kommen. Der Staatskonzern, der wegen der Fernbus-Konkurrenz im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro Gewinn einbüßte, verfolge bundesweit „das Ziel, die Bahnhöfe zu Mobilitätsdrehscheiben zu entwickeln“, heißt es auf Anfrage. „Dies gilt auch für den Standort Köln.“ Am Rand von Bahnhöfen könnten dann auch Busparkplätze gehören. Als Alternative nennen Beteiligte bereits den Bahnhof Köln-Deutz oder -Mülheim. Meinfernbus Flixbus bestätigt Gespräche mit der Deutschen Bahn. Einen Halt auf Privatflächen würde die Stadt sogar zähneknirschend hinnehmen. „Wenn die Deutsche Bahn eine Fläche für Fernbusse findet, dann ist das statthaft“, sagt Kölns Verkehrsleiter Klaus Harzendorf.

Sollten alle Pläne nicht funktionieren, wäre auch Düsseldorf eine interessante Alternative, die das Unternehmen als Umsteigestadt für Köln vermarkten könnte. Dort halten Fernbusse direkt am Hauptbahnhof. Fahrgäste mit Reiseziel Köln, die aus dem Norden etwa aus Hamburg kommen, wären möglicherweise schneller in Köln, wenn sie in der Landeshauptstadt aussteigen und mit der Bahn nach Köln weiterfahren. So sparen sie sich die Zeit für die Busfahrt einmal um ganz Köln herum in den Süden der Stadt. Schwämmlein: „Wir suchen schon nach einem geeigneten Zweitnamen für den Halt in Düsseldorf: Klein-Köln, Alt-Köln oder Köln-Nord.“

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