FIFA Adidas gerät unter Druck

Adidas ist zwar bislang nicht in den Korruptionsskandal des Weltfußballverbandes FIFA verwickelt, aber Investoren sind nervös. Großanleger warnen vor einem "Reputationsrisiko". Die Aktie verliert.

Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters

Der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt, Adidas, zählt zu den wichtigsten FIFA-Werbepartnern und kaufte sich etwa mit Millionen bei Fußball-Weltmeisterschaften als Sponsor ein. Durch die Zusammenarbeit hat man die FIFA und deren umstrittenen Präsidenten Sepp Blatter jahrelang unterstützt. Das könnte etwa die Adidas-Aktie an der Börse künftig unter Druck setzen. Sie ist zum Handelsbeginn einen Tag nachdem FIFA-Offizielle in Zürich von der Polizei abgeführt wurden, zunächst um 1,25 Prozent gefallen, während der Dax nur 0,4 Prozent nachgab.

Die Großanleger sind alarmiert. „Adidas muss aufpassen, dass das FIFA-Sponsoring nicht zum Reputationsrisiko wird und die Marke beschädigt“, sagt Ingo Speich, Fondsmanager bei der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment.

Immer mehr Anleger investieren nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien und fühlen sich verantwortlich für Unternehmen, in die sie investieren. Bei ihnen kommt es nicht gut an, wenn deren Ruf durch Korruptionsvorwürfe leidet oder ein Unternehmen selbst in einen Skandal mit hineingezogen wird und irgendwann mit Millionenstrafen gerechnet werden muss, die Gewinne belasten.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Bei diesen Anlegern hatte Adidas lange einen guten Ruf. Adidas gilt unter den Textilherstellern als eines der nachhaltigsten Unternehmen der Branche. Deshalb ist die Aktie in vielen Nachhaltigkeits-Fonds und nachhaltig angelegten Pensionsvermögen enthalten. Etwa der Münchner Anbieter von Nachhaltigkeits-Ratings Oekom-Research hat Adidas in einer Skala von A+ bis D- mit einem C+ eingestuft. Fondsmanager, die sich am Oekom-Research orientieren, können in ein solches Rating noch problemlos investieren.

Dadurch ist die Adidas-Aktie etwa im terrAssisi-Aktienfonds enthalten, den der Orden der Franziskaner aufgelegt hat. Bislang erfüllt Adidas also noch die strengen Auswahlkriterien des Ordens, der sich bereits seit Jahrzehnten mit ethischen Geldanlagen beschäftigt.

„Adidas ist nicht die FIFA. Wir beobachten jetzt die FIFA mit kritischer Aufmerksamkeit und Adidas mit ordentlicher Skepsis“, sagt David Reusch, der in der Missionszentrale des Ordens für den Bereich ethische Investments zuständig ist.

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Reusch will mit dem Best-in-class-Ansatz bei der Aktienauswahl eigentlich die Unternehmen belohnen, die sich durch besonders ethisches Handeln von der Konkurrenz abheben. Korruption ist für die Franziskaner aber ein klares Ausschlusskriterium. Sobald es einen konkreten Zusammenhang zwischen der Korruption bei der FIFA und Adidas gäbe, würde die Aktie aus dem Aktienfonds verkauft.

Auch bei Oekom in München beobachtet man die Ermittlungen rund um die FIFA aufmerksam, aber da es derzeit keinen Zusammenhang zu Adidas bei den Korruptionsvorwürfen gebe, bestehe wird auch das Nachhaltigkeits-Rating des Unternehmens nicht verändert.

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