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FIFA "Blatter muss fast alles gewusst haben"

Erste Sponsoren distanzieren sich von der FIFA. Sylvia Schenk von Transparency International erklärt, welche Konsequenzen das für die FIFA und Joseph Blatter hat und wie die FIFA wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen kann.

Fifa-Präsident Joseph Blatter nach einer Pressekonferenz in der Schweiz. Quelle: dpa

Die Festnahmen in dem mutmaßlichen FIFA-Korruptionsskandal gingen an den Großsponsoren nicht spurlos vorbei. Unter anderem distanzieren sich Coca-Cola und Visa von der FIFA. Was für Konsequenzen hat das?

Sylvia Schenk: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht prognostizierbar. In den vergangenen Jahren haben sich ja schon erste Sponsoren verabschiedet – darunter Sony und Emirates. Es kommen aber neue nach.

Sponsoren haben also schon einmal die Reißleine gezogen. Haben sie genug Macht, um die FIFA zu Änderungen zu zwingen?

Sie haben Macht, aber das alleine reicht nicht. Es braucht ein geschlossenes Vorgehen. Man muss auch sehen: Es sind ja kaum neue Vorwürfe auf dem Tisch, die Sponsoren hätten schon längst aktiver werden können.

Sylvia Schenk ist die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International. Quelle: Privat

Laut Medienberichten soll der FIFA-Skandal auch Nike erfasst haben. Dem Konzern werde demnach vorgeworfen, Schmiergelder im Zusammenhang mit Sponsoringverträgen mit dem brasilianischen Fußballverband CBF gezahlt zu haben. Sind solche Geschäfte im Sport überhaupt noch ohne Bestechung möglich?

Ich gehe davon aus, dass das möglich ist – man kann ja nicht einfach Adidas unterstellen, dass sie bestochen haben. Wie Coca-Cola ist Adidas zum Beispiel in puncto Compliance sehr gut aufgestellt. Einzelfälle kann man trotzdem nie ausschließen.

Welche Konsequenzen hat der FIFA-Skandal für Sponsoren wie Adidas? Im Gegensatz zu Visa hat Adidas ja betont, sein Engagement fortsetzen zu wollen?

Im Radsport erlebten wir, als die Doping-Skandale Überhand nahmen, dass sich seriöse Firmen in Deutschland aus dem Sponsoringgeschäft verabschiedeten – in anderen Ländern ist das nicht passiert. Auch jetzt ist die Diskussion um die Konsequenzen nur auf Teile Europas, Nordamerika, Australien und Neuseeland beschränkt. Andere Staaten und die Unternehmen sehen das Problem nicht so eng.

Würde Adidas sich als FIFA-Sponsor verabschieden, würden Nike oder andere Konkurrenten freudig in die Lücke drängen. Letzten Endes ist das Geschäft mit dem Fußball einfach viel zu attraktiv, um dort auszusteigen. Besser wäre es, die Sponsoren engagieren sich insbesondere auch bei Nationalverbänden in Richtung Compliance und sorgen aktiv für Reformen. Interessant ist übrigens, dass sich aktuell die ganze Diskussion um die FIFA dreht.

Ist das unangemessen?

Es wird ausgeklammert, dass Korruption zwei Seiten hat: Einer besticht und einer wird bestochen. In den USA wurden auch Personen verhaftet, die bei Marketing- und Sportrechte-Unternehmen tätig sind.

Was bei der FIFA jetzt zutage tritt, ist in vielen Branchen ein großes Problem: Alle Seiten im Sport haben zu wenig professionelle Distanz – auch die Politiker. Aktuell machen sie Druck, aber bei der nächsten Fußball-Großveranstaltung im eigenen Land heißen sie FIFA-Präsident Joseph Blatter wieder willkommen und sitzen mit ihm auf der Ehrentribüne.

Ist Blatter nach all den Skandalen, die während seiner Amtszeit aufkamen, noch tragbar?

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Bis heute kann man ihm persönlich keine Vergehen nachweisen – er ist ja auch im Rahmen der FBI-Untersuchung bisher nicht belangt worden. Trotzdem ist er nicht grundlos die Symbolfigur für alles, was bei der FIFA in den vergangenen Jahren schief lief.

Er ist seit 1998 Präsident – er muss fast alles gewusst haben, was in der FIFA vorging und hat zugeschaut und die Vorgänge für seinen eigenen Machterhalt genutzt. Es sollte ihm allerdings zugutegehalten werden, dass er in den vergangenen vier Jahren versucht hat, das Steuer herumzureißen. Er hat dafür gesorgt, dass Jack Warner…

… einer, der vom FBI verhafteten FIFA-Funktionäre, der unter anderem in Schwarzmarkt-Kartenverkäufe verwickelt war und an der WM-Vergabe an Katar Millionen verdient haben soll…  

… aus der FIFA-Exekutive zurückgetreten ist. Allerdings hat Blatter den Wandel nicht konsequent genug voran gebracht. Ambitionen in die Richtung nimmt ihm heute auch niemand mehr ab.

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