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Fifa-Entscheidung WM-Rudelglotzen beim Glühwein

Die Fifa will die WM 2022 in Katar nun doch lieber im Winter statt im heißen Sommer austragen lassen – und das ist gut so. Hat aber Folgen für viele Betroffene.

Die WM 2022 in Katar wird im Winter stattfinden. Quelle: dpa

Da kriegen die Herren des Fußballs offenbar so gerade noch die Kurve – die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 soll nun doch nicht im backofen-heißen Sommer bei Temperaturen von bis zu 45 Grad ausgetragen werden, sondern im deutlich erträglicheren Winter. Darauf lässt zumindest ein Radiointerview schließen, das der Generalsekretär des Fußball-Weltverbands Fifa, Jerôme Valcke, gerade gegeben hat: „Der Termin wird nicht im Juni/Juli sein“. Sollte es wirklich so kommen und die Ankündigung mehr sein als mal wieder einer der üblichen Testballone des für seine mitunter reichlich seltsamen Reformideen berüchtigten Fifa-Bosses Sepp Blatter, wäre das schlicht vernünftig, für Spieler und Fans gleichermaßen.

Die teuersten Transfers des Sommers
Christian Clemens (Schalke 04) Ein Nachwuchstalent für Schalke 04: Der gebürtige Kölner und einstige Hoffnungsträger des 1. FC Köln wechselte zu den Knappen. Für Clemens, der im linken offensiven Mittelfeld spielt, zahlten die Königsblauen drei Millionen Euro. Quelle: AP
Mohammed Abdellaoue (VfB Stuttgart) Nach vorne spielte der VfB Stuttgart in den vergangenen Zeiten wahrlich nicht berauschend. Um der Angriffsflaute Herr zu werden, hat der Verein Mohammed Abdellaoue, einen Norweger mit marokkanischen Wurzeln verpflichtet. Abdellaoue stand zuvor in Diensten von Hannover 96 und kostete 3,5 Millionen Euro. Quelle: dpa
Leon Goretzka (Schalke 04) Der gerade mal 18-Jährige Leon Goretzka gilt als Jahrhunderttalent. Bayern, Dortmund und Real Madrid sollen an dem Bochumer interessiert gewesen sein. Sie alle rühmen seinen Überblick, seine Abschlussstärke und sein Selbstbewusstsein. Der Mittelfeldspieler, der sich "kontinuierlich entwickeln" will, entschied sich schließlich für Schalke 04. Vier Millionen Euro legten die Königsblauen dafür auf den Tisch. Quelle: dpa
Adam Szalai (Schalke 04) Für acht Millionen Euro holte Schalke 04 den Stürmer Adam Szalai aus Mainz. Für Torjäger Klaas-Jan Huntelaar könnte sich der Ungar zu einer echten Konkurrenz entwickeln. Quelle: dpa
Sokratis (Borussia Dortmund) Auch Schalkes Erzrivale, Borussia Dortmund, war auf dem Transfermarkt tätig. Der griechische Verteidiger Sokratis wechselte für 8,5 Millionen von Werder Bremen zu den Dortmundern. Quelle: dpa
Heung-Min Son (Bayer Leverkusen) Der Koreaner Heung-Min Son stürmt künftig statt für den Hamburger SV für Bayer Leverkusen. Bei der Werkself soll Son den zum FC Chelsea gewechselten Andre Schürrle ersetzen. Sein Preis: zehn Millionen Euro. Quelle: AP
Pierre-Emerick Aubameyang (Borussia Dortmund) Pierre-Emerick Aubameyang ist einer der schnellsten Spieler in Europa und hat das Zeug zum Publikumsliebling. Zuvor stürmte der Mann aus Gabun für den französischen Erstligisten AS St. Etienne. Um sich seine Dienste zu sichern, zahlte Borussia Dortmund 14 Millionen Euro. Quelle: dpa

War die Entscheidung für den Wüstenstaat, der seit langem vor allem wegen den üblen Zuständen auf den WM-Baustellen in der Kritik steht und in dem Fußball wohl nie zum Volkssport wird, eh schon undurchsichtig und absurd, wäre ein Beschluss zur Verlegung nun, acht Jahre vor dem Anpfiff, die wohl letzte Chance, eine gigantische Peinlichkeit zu vermeiden. Gleichzeitig hätte die Entscheidung, bei der allerdings noch das ruhmreiche Exekutivkomitee der Fifa das letzte Wort hat, reichlich Konsequenzen für eine ganze Reihe von Akteuren. Allen voran für die nationalen Fußball-Ligen, die bei einer WM-Verlegung komplett ihre Spielpläne umstellen müssten.


In der Bundesliga gab es in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen über eine Spielplan-Reform; mal sollte die Winterpause abgeschafft werden, dann gab es Debatten über eine Spielzeit von Frühjahr bis Spätherbst. Angesichts der historisch einmaligen Verlegung einer WM dürften diese Pläne jetzt reichlich neue Nahrung bekommen. Denn Vorbereitungszeit und Turnier zusammengerechnet, dürften die Nationalspieler weltweit ihren Clubs dank der Scheich-WM für mindestens acht Wochen von der Fahne gehen – und das während einer Zeit, in der normalerweise um Meisterschaft und Vereins-Pokale wie die Champions League gekickt wird, alles Veranstaltungen, die den Vereinen Zuschauer-, TV- und Werbeerlöse bescheren. Aus Sicht der Clubs müsste sichergestellt sein, dass eine Winter-WM ihre Einnahmen nicht beschädigt.
Für Fernsehsender, die die WM-Spiele live übertragen, wäre die Verlegung keine gute Nachricht. Im Winter wird eh viel ferngesehen, rund um Weihnachten ballen sich Blockbuster und Hollywoodschinken en masse im Programm. Wenn es früh dunkel wird, schlägt die Stunde der Couchpotatoes. Entsprechend groß ist die Konkurrenz um die Zuschauer, die allerdings immer öfter auch im Netz unterwegs sind und sich deutlich schneller als lange angenommen von der traditionellen Glotze emanzipieren.

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