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FIFA Joseph Blatters Rücktritt ist ein erster Schritt Richtung Neuanfang

FIFA-Chef Joseph Blatter tritt überraschend von seinem Amt zurück. Was bleibt, sind vor allem Fragen - zum aktuellen Skandal und den wahren Beweggründen Blatters. Die FIFA wird so schnell nicht zur Ruhe kommen.

Das sagen Sponsoren, Medien und Sportler
Die wichtigen Sponsoren des Fußballweltverbandes Fifa begrüßen den Rücktritt des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. "Die Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fußballs und dessen Fans", teilte etwa Coca Cola mit. Quelle: dpa
Ähnlich äußerte sich auch das amerikanische Kreditkartenunternehmen Visa. „Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um das öffentliche Vertrauen wieder aufzubauen, doch mehr Arbeit ist nötig", heißt es in einer Stellungnahme. Jetzt seien fundamentale Reformen notwendig. "Wir erwarten, dass die Fifa sofort Maßnahmen ergreift, um sich mit den Problemen innerhalb der Organisation zu befassen." Quelle: dpa
Auch in der internationalen Presse zeigt sich überwiegend erfreut über Blatters Rücktritt. So schreibt das englische Blatt „The Times“: „Sepp Blatters Rücktritt als FIFA-Präsident war längst überfällig. [...] Die Beweise der US-Ermittlern scheinen zu bestätigen, dass die FIFA durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde.“ Quelle: dpa
„Blatter wäre der falsche Mann gewesen, um die FIFA in die Zukunft zu führen, dafür war sein Name schon lange viel zu sehr belastet“, urteilt der Schweizer „Tages-Anzeiger“. Quelle: REUTERS
Brasiliens Fußball-Legende Pelé Er hat nach dem Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter zum Kampf gegen Korruption im Weltverband aufgerufen. Was die FIFA brauche, seien „ehrliche Menschen“, sagte Pelé der BBC am Dienstagabend (Ortszeit) in Havanna. Erst am Sonntag hatte der dreifache Weltmeister die Wiederwahl Blatters noch als „perfekt“ bezeichnet. An der FIFA-Spitze brauche es Menschen mit Erfahrung, hatte Pelé damals bei seiner Ankunft in der kubanischen Haupstadt gesagt. Der 74-Jährige begleitete in Havanna seinen früheren US-Verein New York Cosmos bei einem historischen Spiel gegen Kubas Nationalelf nach der US-kubanischen diplomatischen Annäherung. Cosmos schlug am Dienstagabend die Kubaner 4:1 beim Freundschaftspiel. Quelle: AP
Franz Beckenbauer Quelle: dpa
Liga-Präsident Reinhard Rauball Quelle: dpa

Überraschende Wenden sind im Fußball nichts ungewöhnliches, blitzartige Angriffe und überraschende Finten kommen in so gut wie jedem Spiel vor – doch was ausgerechnet an der Spitze des von Skandalen geschüttelten Weltverbandes FIFA gerade geschieht, ist einmalig in der Geschichte dieser Sportart.

Ohne jede Vorwarnung ist Joseph "Sepp" Blatter am frühen Abend von seinen Ämtern zurückgetreten. Ausgerechnet der Mann, der seit 17 Jahren an der Spitze des Verbandes steht, der ihm zuvor ebenfalls 17 Jahre lang diente und der die FIFA in all ihren Abgründen und Verästelungen so prägte wie kein anderer. Kein Außenstehender hat mit diesem Schritt gerechnet, die Eilmeldungen jagen einander.

Was oder wer Blatter, der erst am vergangenen Freitag höchst umstritten und begleitet von den spektakulären Verhaftungen von FIFA-Offiziellen durch das FBI zum vierten Mal wieder ins Amt des FIFA-Präsidenten gewählt worden war, so plötzlich zur Aufgabe seines Amtes bewogen hat – bislang bleibt das völlig im Bereich der Spekulation. Klar ist jedoch, dass der Druck auf den 79-Jährigen immens gewesen sein muss.

Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters

Versucht Blatter, einer Anklage zu entgehen?

Das FBI ermittelte gegen mehrere seiner engsten Funktionärskollegen. Der zwischenzeitlich inhaftierte frühere Vize-Präsident der FIFA, Jack Warner, hatte gerade erst Andeutungen gemacht, ihn wundere, dass das FBI nicht längst auch gegen Blatter ermittle. Schwante da auch Blatter, aus der Wut derjenigen, gegen die die Behörden nun vorgehen, könnte sich ein Sturm entwickeln, der ihn selbst treffen würde? Ist der Rücktritt nur mehr ein letzter Versuch, einer persönlichen Anklage zu entgehen?

Zu unwahrscheinlich schien es doch stets, dass ausgerechnet Sepp Blatter, ohne den und dessen Wissen bei der FIFA kaum etwas gelaufen sein dürfte, ausgerechnet von jenen Vorgängen nichts gewusst haben sollte, die so viele seiner Getreuen vor Richter und in Haft gebracht haben.

Blatter nie in flagranti erwischt

Bis heute allerdings ist es noch keiner Behörde gelungen, Blatter mit der Hand in der Kasse zu erwischen. Zwar gab es immer wieder Verdachtsmomente. Im Zusammenhang mit dem Konkurs des Sportvermarkters ISL etwa gab es merkwürdige Geldflüsse; doch Blatter gelang es stets, sich herauszuwinden. Bis heute gilt er als unschuldig.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Was immer auch den Schweizer bewogen hat, nun das Amt, um das er so lange kämpfte, zu verlassen – die FIFA wird das so schnell nicht zur Ruhe bringen. Im Gegenteil. Zu tief greifen die Affären, zu weit sind zahlreiche Offizielle des Verbands in Machenschaften verwickelt, die aufgeklärt werden müssen. Das muss geschehen, sonst ist ein Neuanfang nicht glaubhaft.

Bei der FIFA müssen neue Köpfe her

Vieles hängt nun auch davon ab, wer nun bei der FIFA ans Ruder kommt. Wer übernimmt die Aufgabe, den in finsterstem Verruf stehenden Verband zu reformieren? Klar ist, dass ein Bruch mit der Vergangenheit stattfinden muss, es müssen neue Köpfe her, die den Verband, der sich bis heute rühmt, mit 209 Verbänden mehr Mitglieder zu haben als die Vereinten Nationen, in eine bessere, in eine ehrliche Zukunft zu führen.

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Das immerhin muss man Blatter - wenn auch wider Willen - zugute halten: Erst mit seinem Schritt macht er den Neuanfang möglich, den zwei Drittel der FIFA-Mitgliedsverbände mit ihrer Wahlentscheidung beinahe unmöglich gemacht hätten.

Spannend bleibt nun vor allem: Warum geht er wirklich? Und welche Enthüllungen werden noch folgen?

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