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FIFA-Skandal FBI ermittelt gegen Joseph Blatter

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Eine personelle Erneuerung reicht nicht

Neben der personellen Erneuerung sieht Schenk eine Vielzahl weiterer notwendiger Reformschritte. Darunter eine Erneuerung des Wahlsystems: „Eigentlich gibt es kein richtiges.“ Aktuell werden etwa die FIFA-Vizepräsidenten, nicht durch die Delegierten auf den FIFA-Kongressen gewählt, sondern von den einzelnen Konföderationen. Damit sind diese auch nur ihrem Kontinentalkongress gegenüber verantwortlich, nicht der FIFA als Ganzes, zudem kann die Mehrheit des FIFA-Kongresses einen Kandidaten aus einem Kontinentalverband nicht oder nur mit erheblichen rechtlichen Problemen verhindern.

Zu den so gewählten Vizepräsidenten zählte einst auch Warren, der 2011 zum Rücktritt gezwungen war. Gegen ihn laufen aktuell ebenfalls Ermittlungen des FBI.

Das sagen Sponsoren, Medien und Sportler
Die wichtigen Sponsoren des Fußballweltverbandes Fifa begrüßen den Rücktritt des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. "Die Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fußballs und dessen Fans", teilte etwa Coca Cola mit. Quelle: dpa
Ähnlich äußerte sich auch das amerikanische Kreditkartenunternehmen Visa. „Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um das öffentliche Vertrauen wieder aufzubauen, doch mehr Arbeit ist nötig", heißt es in einer Stellungnahme. Jetzt seien fundamentale Reformen notwendig. "Wir erwarten, dass die Fifa sofort Maßnahmen ergreift, um sich mit den Problemen innerhalb der Organisation zu befassen." Quelle: dpa
Auch in der internationalen Presse zeigt sich überwiegend erfreut über Blatters Rücktritt. So schreibt das englische Blatt „The Times“: „Sepp Blatters Rücktritt als FIFA-Präsident war längst überfällig. [...] Die Beweise der US-Ermittlern scheinen zu bestätigen, dass die FIFA durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde.“ Quelle: dpa
„Blatter wäre der falsche Mann gewesen, um die FIFA in die Zukunft zu führen, dafür war sein Name schon lange viel zu sehr belastet“, urteilt der Schweizer „Tages-Anzeiger“. Quelle: REUTERS
Brasiliens Fußball-Legende Pelé Er hat nach dem Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter zum Kampf gegen Korruption im Weltverband aufgerufen. Was die FIFA brauche, seien „ehrliche Menschen“, sagte Pelé der BBC am Dienstagabend (Ortszeit) in Havanna. Erst am Sonntag hatte der dreifache Weltmeister die Wiederwahl Blatters noch als „perfekt“ bezeichnet. An der FIFA-Spitze brauche es Menschen mit Erfahrung, hatte Pelé damals bei seiner Ankunft in der kubanischen Haupstadt gesagt. Der 74-Jährige begleitete in Havanna seinen früheren US-Verein New York Cosmos bei einem historischen Spiel gegen Kubas Nationalelf nach der US-kubanischen diplomatischen Annäherung. Cosmos schlug am Dienstagabend die Kubaner 4:1 beim Freundschaftspiel. Quelle: AP
Franz Beckenbauer Quelle: dpa
Liga-Präsident Reinhard Rauball Quelle: dpa

Die notwendigen Satzungsänderungen, um das Wahlsystem zu überarbeiten, sind allerdings nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit zu schaffen. Ob Verbände, die Reformen innerhalb der Fifa, anstreben, darunter die UEFA, die notwendige Mehrheit erhalten, ist fraglich. Denn außer in Teilen Europas, Nordamerikas, Australiens und Nordamerika ist das Thema FIFA-Korruption kaum ein Politikum.

Schenk hofft deswegen, dass die Großsponsoren ihrer Verantwortung gerecht werden und der FIFA Druck im Reformprozess machen. Sie zeigten sich erst einmal erleichtert über den Rücktritt Blatters. Großsponsor Coca-Cola, der jährlich 30 Millionen Dollar an die FIFA zahlt, ließ beispielsweise mitteilen, die Ankündigung „sei ein positiver Schritt für das Wohl des Sports“.

„Die Sponsoren sind sicherlich erleichtert“, sagt Schenk. „Schließlich ist es ohne Blatter wahrscheinlicher, dass die FIFA wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.“ Frei von Schuld seien aber auch sie nicht, schließlich hätten sie den Machenschaften der FIFA lange nur zugeschaut und sich mit Kritik weitestgehend zurückgehalten.

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Der Reformprozess muss aus ihrer Sicht über die FIFA hinausgehen. Gerade die TV-Rechtevermarkter seien in der Vergangenheit immer wieder ein Problem gewesen, weil von ihnen Bestechungsgelder kamen.

Zuletzt nachgewiesen wurde das der Schweizer Marketingfirma ISL, die der wichtigste Geschäftspartner der FIFA für die Fußball-Übertragungsrechte war. Zwischen 1989 bis 1999 soll sie 138 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an verschiedene Sportfunktionäre gezahlt haben.

In diesem Zusammenhang wurden auch gegen Blatter Verdachtsmomente laut – Ermittler stellten merkwürdige Geldflüsse fest, in die er verwickelt war. Nachgewiesen wurde ihm nichts.

Die Spekulationen, wer Blatters umstrittenes Erbe antreten könnte, nehmen indes nicht ab. Michel Platini, Blatters Rivale der vergangenen Monate ist ebenso reflexartig dabei wie der am Freitag besiegte Prinz Ali bin al-Hussein, der schon seine erneute Bewerbung in Erwägung zog. Der kurz vor der Wahl nicht angetretene Michael van Praag hält sich zunächst alles offen.

Weiterer potenzieller Kandidat wäre Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein mit allen Machtmitteln ausgerüsteter Funktionär, der auch IOC-Präsident Thomas Bach ins Amt half. Gewählt werden soll der neuen FIFA-Boss bei einem außerordentlichen Kongress, offenbar nicht vor Dezember. Bis dahin bleibt Blatter im Amt.

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