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FIFA-Skandal Die unrühmliche Rolle von Adidas, McDonald‘s und Co.

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Engagement überdenken

Und ganz ähnlich klingt das bei den übrigen Großsponsoren, die zum Teil seit Jahrzehnten mit Blatters Wahlverein verbandelt sind. Coca-Cola, FIFA-Partner seit den Fünfziger Jahren, sagt: „Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der FIFA". Der Brausekonzern erwartet nun, dass die FIFA die Vorwürfe „gründlich aufarbeitet“. McDonald’s und der Bierkonzern Anheuser-Busch äußerten sich fast wortgleich: Man „beobachte“ die Situation „sehr genau“ und sei „in Kontakt“ deswegen mit der FIFA.

Einzig der US-Kreditkartenkonzern Visa brach aus der erstaunlich synchron klingenden Schar aus. Das Unternehmen drohte der FIFA damit, sein „Engagement zu überdenken“, sollte der Verband nicht sofort einen Wandel einleiten. Wie ernst der Aufruf tatsächlich gemeint ist, dürfte sich erst dann zeigen, wenn mehr gefragt ist als ein Lippenbekenntnis. Fakt ist, dass Visa erst im vergangenen Jahr seinen 2007 unter damals alles andere als astreinen Umständen geschlossenen Vertrag bis 2022 verlängert hat. Gegen den Vertrag hatte der unterlegene Konkurrent Mastercard erfolglos geklagt.

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So entsteht schlicht der Eindruck, bei den Sponsoren laufe eine simple Rechnung: So lange die Fußball-WM ihnen eine so gewaltige Bühne für ihre Produkte und Reklamesprüche bietet und sich die Konsumenten weltweit mehr für die Haarfarbe von Neymar interessieren als für die schmutzigen Geschäfte hinter den Kulissen, und so lange also die Vorteile aus der Verbindung mit der FIFA die drohenden Reputationsschäden übersteigen, so lange wird kein Sponsor aussteigen und dieses Feld seinen Konkurrenten überlassen. Stattdessen verweisen sie gern darauf, dass doch erst einmal die zuständigen Verbände gefordert seien, den Stall aufzuräumen – den sie doch selbst so übel zugerichtet haben.

Ob da Aktionen wie die jener niederländischen Zeitung, die heute bekannt gegeben hat, Anzeigen von FIFA-Sponsoren zu boykottieren, Eindruck auf diese machen, dürfte fraglich sein. Das „Nederlands Dagblad“ rief auch seine Leser zum Boykott von Firmen wie Coca-Cola, McDonald's, Adidas, Visa, Hyundai, Kia, Budweiser und Sony auf. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld“, sagte der Chefredakteur, „und das Geld kommt von uns.“

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