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FIFA-Skandal FBI ermittelt gegen Joseph Blatter

Im Korruptionsskandal bei der FIFA ermittelt einem Insider zufolge die US-Bundespolizei FBI und die US-Staatsanwaltschaft gegen Noch-Präsident Joseph Blatter. Was die FIFA ändern muss.

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Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters

Auch am Morgen nach der völlig überraschenden Rücktrittsankündigung rätselt die Fußball-Welt weiter über die Motive des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Nachdem der 79-jährige Schweizer sich immer jeglicher Kritik widersetzt, sämtliche Krisen überstanden und am vergangenen Freitag die Wahl zum Chef des Weltverbandes erneut gewonnen hatte, sind die Beweggründe für seinen nun freiwilligen Abschied nicht einwandfrei geklärt.

Berichte der Zeitung „New York Times“ legen den Schluss nahe, dass Blatter nur auf juristischen Druck - und eventuell sogar in einer Kurzschlussreaktion - agiert haben könnte. Das FBI soll auch gegen ihn ermitteln. Das berichtete am Dienstag die „New York Times“ unter Berufung auf Ermittler.

FBI ermittelt laut Insider gegen Blatter

Die Zeitung hatte in der Vorwoche die Verhaftungen von führenden Fußball-Funktionären als erste publik gemacht und den Anstoß zur neuen Eskalationsstufe der massiven FIFA-Glaubwürdigkeitskrise kurz vor Blatters dennoch geglückter Wiederwahl am Freitag gegeben.

Fest steht: Das FBI hat gegen mehrere seiner engsten Funktionärskollegen ermittelt, unter anderem auch gegen den FIFA-Generalsekretär und engsten Vertrauten Blatters, Jérôme Valcke. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer von ihnen Blatter belastet.

Blatter selbst hatte seine Demission so begründet: „Meine tiefe Fürsorge für die FIFA und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt.“ Seine Tochter Corinne gab sich beim britischen Sender BBC als treibende Kraft für die Meinungsänderung aus - als Selbstschutz für ihren Vater.

"Alle Verdächtigen müssen zurücktreten"

Warum Blatter auch zurückgetreten ist, sein Abgang alleine ist nur ein erster Schritt für die Erneuerung der FIFA. Aus Sicht von Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, sind weitere Rücktritte unumgänglich.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

„Sämtliche Funktionäre, die im Verdacht stehen, müssen zurücktreten“, sagt sie. „Sie sollten nicht warten, bis sie in Auslieferungshaft genommen werden. Viele von ihnen wissen bereits, dass gegen sie ermittelt wird – sie sollten der FIFA einen letzten Gefallen tun.“

Zu ihnen zählt Valcke, der im Verdacht steht, dem karibischen Skandalfunktionär Jack Warner im Rahmen der Vergabe der WM an Südafrika Schmiergelder in Höhe von zehn Millionen weitergereicht zu haben.

Die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt allerdings keine großen Hoffnungen in den personalen Wandel der FIFA. Der Weltfußballverband sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

„Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten.“ Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen.

Eine personelle Erneuerung reicht nicht

Neben der personellen Erneuerung sieht Schenk eine Vielzahl weiterer notwendiger Reformschritte. Darunter eine Erneuerung des Wahlsystems: „Eigentlich gibt es kein richtiges.“ Aktuell werden etwa die FIFA-Vizepräsidenten, nicht durch die Delegierten auf den FIFA-Kongressen gewählt, sondern von den einzelnen Konföderationen. Damit sind diese auch nur ihrem Kontinentalkongress gegenüber verantwortlich, nicht der FIFA als Ganzes, zudem kann die Mehrheit des FIFA-Kongresses einen Kandidaten aus einem Kontinentalverband nicht oder nur mit erheblichen rechtlichen Problemen verhindern.

Zu den so gewählten Vizepräsidenten zählte einst auch Warren, der 2011 zum Rücktritt gezwungen war. Gegen ihn laufen aktuell ebenfalls Ermittlungen des FBI.

Das sagen Sponsoren, Medien und Sportler
Die wichtigen Sponsoren des Fußballweltverbandes Fifa begrüßen den Rücktritt des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. "Die Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fußballs und dessen Fans", teilte etwa Coca Cola mit. Quelle: dpa
Ähnlich äußerte sich auch das amerikanische Kreditkartenunternehmen Visa. „Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um das öffentliche Vertrauen wieder aufzubauen, doch mehr Arbeit ist nötig", heißt es in einer Stellungnahme. Jetzt seien fundamentale Reformen notwendig. "Wir erwarten, dass die Fifa sofort Maßnahmen ergreift, um sich mit den Problemen innerhalb der Organisation zu befassen." Quelle: dpa
Auch in der internationalen Presse zeigt sich überwiegend erfreut über Blatters Rücktritt. So schreibt das englische Blatt „The Times“: „Sepp Blatters Rücktritt als FIFA-Präsident war längst überfällig. [...] Die Beweise der US-Ermittlern scheinen zu bestätigen, dass die FIFA durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde.“ Quelle: dpa
„Blatter wäre der falsche Mann gewesen, um die FIFA in die Zukunft zu führen, dafür war sein Name schon lange viel zu sehr belastet“, urteilt der Schweizer „Tages-Anzeiger“. Quelle: REUTERS
Brasiliens Fußball-Legende Pelé Er hat nach dem Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter zum Kampf gegen Korruption im Weltverband aufgerufen. Was die FIFA brauche, seien „ehrliche Menschen“, sagte Pelé der BBC am Dienstagabend (Ortszeit) in Havanna. Erst am Sonntag hatte der dreifache Weltmeister die Wiederwahl Blatters noch als „perfekt“ bezeichnet. An der FIFA-Spitze brauche es Menschen mit Erfahrung, hatte Pelé damals bei seiner Ankunft in der kubanischen Haupstadt gesagt. Der 74-Jährige begleitete in Havanna seinen früheren US-Verein New York Cosmos bei einem historischen Spiel gegen Kubas Nationalelf nach der US-kubanischen diplomatischen Annäherung. Cosmos schlug am Dienstagabend die Kubaner 4:1 beim Freundschaftspiel. Quelle: AP
Franz Beckenbauer Quelle: dpa
Liga-Präsident Reinhard Rauball Quelle: dpa

Die notwendigen Satzungsänderungen, um das Wahlsystem zu überarbeiten, sind allerdings nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit zu schaffen. Ob Verbände, die Reformen innerhalb der Fifa, anstreben, darunter die UEFA, die notwendige Mehrheit erhalten, ist fraglich. Denn außer in Teilen Europas, Nordamerikas, Australiens und Nordamerika ist das Thema FIFA-Korruption kaum ein Politikum.

Schenk hofft deswegen, dass die Großsponsoren ihrer Verantwortung gerecht werden und der FIFA Druck im Reformprozess machen. Sie zeigten sich erst einmal erleichtert über den Rücktritt Blatters. Großsponsor Coca-Cola, der jährlich 30 Millionen Dollar an die FIFA zahlt, ließ beispielsweise mitteilen, die Ankündigung „sei ein positiver Schritt für das Wohl des Sports“.

„Die Sponsoren sind sicherlich erleichtert“, sagt Schenk. „Schließlich ist es ohne Blatter wahrscheinlicher, dass die FIFA wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.“ Frei von Schuld seien aber auch sie nicht, schließlich hätten sie den Machenschaften der FIFA lange nur zugeschaut und sich mit Kritik weitestgehend zurückgehalten.

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Der Reformprozess muss aus ihrer Sicht über die FIFA hinausgehen. Gerade die TV-Rechtevermarkter seien in der Vergangenheit immer wieder ein Problem gewesen, weil von ihnen Bestechungsgelder kamen.

Zuletzt nachgewiesen wurde das der Schweizer Marketingfirma ISL, die der wichtigste Geschäftspartner der FIFA für die Fußball-Übertragungsrechte war. Zwischen 1989 bis 1999 soll sie 138 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an verschiedene Sportfunktionäre gezahlt haben.

In diesem Zusammenhang wurden auch gegen Blatter Verdachtsmomente laut – Ermittler stellten merkwürdige Geldflüsse fest, in die er verwickelt war. Nachgewiesen wurde ihm nichts.

Die Spekulationen, wer Blatters umstrittenes Erbe antreten könnte, nehmen indes nicht ab. Michel Platini, Blatters Rivale der vergangenen Monate ist ebenso reflexartig dabei wie der am Freitag besiegte Prinz Ali bin al-Hussein, der schon seine erneute Bewerbung in Erwägung zog. Der kurz vor der Wahl nicht angetretene Michael van Praag hält sich zunächst alles offen.

Weiterer potenzieller Kandidat wäre Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein mit allen Machtmitteln ausgerüsteter Funktionär, der auch IOC-Präsident Thomas Bach ins Amt half. Gewählt werden soll der neuen FIFA-Boss bei einem außerordentlichen Kongress, offenbar nicht vor Dezember. Bis dahin bleibt Blatter im Amt.

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