FIFA-Skandal USA beantragen Auslieferung von Funktionären

Die USA beantragen die Auslieferung der sieben im Mai inhaftierten FIFA-Funktionäre. Die US-Behörden ermitteln wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern.

Sieben FIFA-Funktionäre waren im Mai in Zürich am Rande des Kongresses des Fußball-Weltverbandes festgenommen worden. Quelle: dpa

Gut fünf Wochen nach der Festnahme von sieben hohen Fifa-Funktionären wegen Korruptionsverdachts haben die USA bei der Schweiz die Auslieferung beantragt. Das Ersuchen sei fristgerecht am 1. Juli eingegangen, teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Donnerstag mit. Alle sieben Betroffenen - darunter Mitglieder des Fifa-Exekutiv-Komitees - hätten aber Widerspruch eingelegt. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von 20 Jahren.

Die USA ermitteln gegen 14 Funktionäre in einem Bestechungsfall, in dem es um bis zu 150 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) geht und in den hochrangige Vertreter des Weltfußballverbands verwickelt sein sollen. Die US-Justiz hatte gegen 14 von ihnen Anklage wegen Korruption erhoben. Sieben von ihnen wurden am 27. Mai in Zürich kurz vor dem Fifa-Kongress in einem Luxushotel festgenommen.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Die Vorwürfe drehen sich unter anderem um die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Geldwäsche und organisiertes Verbrechen im Zusammenhang mit der Vergabe von Fernsehrechten bei Turnieren und Nord- und Südamerika. Sie reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Das Schweizer Justizministerium erklärte am Donnerstag, diese Verbrechen seien wohl in den USA abgesprochen und vorbereitet worden. Zahlungen seien vermutlich über US-Banken abgewickelt worden.

Die sieben werden von der Züricher Polizei angehört, wie es weiter hieß. Ihnen wird eine 14-tägige Frist eingeräumt, den Behörden auf das Auslieferungsgesuch zu antworten. Dann werde die Justiz innerhalb weniger Wochen entscheiden, ob sie ausgeliefert würden. Diese Entscheidung könne am Obersten Strafgerichtshof und dem Bundesgericht der Schweiz angefochten werden.

Festgenommen wurden der von den Cayman-Inseln stammende Fifa-Vize-Präsident Jeffrey Webb, der Uruguayer Eugenio Figueredo, Eduardo Li aus Costa Rica, der Nicaraguaner Julio Rocha, der Brite Costas Takkas, Rafael Esquivel aus Venezuela und der Brasilianer José Maria Marin. Unter den anderen sieben Angeklagten sind der ehemalige Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago, zwei seiner Söhne sowie die ehemaligen Fifa-Exekutiv-Miglied Nicolas Leoz aus Paragua und Chuck Blazer aus den USA.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

Blazer hatte eingestanden, mit Warner Teil eines Zehn-Millionen-Dollar-Schmiergeldsystems gewesen zu sein, durch das Südafrikas letztlich erfolgreiche Bewerbung für das Turnier 2010 unterstützt worden sei. US-Behörden hatten bestätigt, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter, der am 2. Juni seinen Rücktritt innerhalb der kommenden Monate angekündigt hatte, Ziel der Ermittlungen sei. Es werde erwartet, dass es zu weiteren Anklagen kommen werde.

Blatter hatte aber bereits abgestritten, in die Fälle verwickelt zu sein. Ohne seine Zustimmung könnte der gebürtige Schweizer aus seiner Heimat nicht in die USA ausgeliefert werden. Zum Endspiel der Frauen-WM am Sonntag nach Kanada will er nicht reisen.

Parallel zu den US-Ermittlungen hatte die Schweizer Generalstaatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren rund um die umstrittenen Vergaben Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar eingeleitet. Die Fifa selbst hatte im November Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Daraufhin war die Züricher Fifa-Zentrale durchsucht worden. Es bestehe der Verdacht auf kriminelle Misswirtschaft und Geldwäsche beim Vergabeprozess, hatte es geheißen. Beide Verfahren laufen getrennt voneinander.

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