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FIFA-Wahl Blatter bleibt an der Spitze des Weltfußballs

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Eine Wahl mit Hindernissen

Nach einer zehnstündigen Marathonsitzung mit einer Bombendrohung zur Mittagszeit und einer politisch hochbrisanten Palästina-Israel-Debatte konnte sich Blatter von seinen Unterstützern wieder feiern lassen. Doch bis dahin war es spannend im Hallenstadion. Hinter den Kulissen wurde spekuliert, ob der Vorsprung sogar entscheidend schmelzen könnte. Die USA, Australien, Neuseeland und wohl auch Tunesien waren ins Lager des Prinzen gewechselt. Erstmals bei einer Blatter-Wahl stimmte keine Konföderation en bloc. Allein die Stimmabgabe und Auszählung zog sich über zwei Stunden, da auf Antrag der Amerikaner eine Wahl per elektronischem System abgelehnt wurde. Jede Stimme sollte auf Papier abgegeben werden.

Platini war in der Nacht vor der Abstimmung mit dem neuen FIFA-Exekutivmitglied Ahmad al Fahad al Sabah gesehen worden. Der Kuwaiti hatte seinen Ruf als einflussreicher Beschaffer von Mehrheiten schon bei der Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten unter Beweis gestellt. Doch Blatter behielt die Mehrheit und versuchte Tatkraft zu transportieren, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von ihm einfordert. „Es kann nur einen Weg geben, und dieser Weg heißt Aufklärung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Blatter will diese Rolle annehmen. „Man macht mich verantwortlich für den Sturm. Ich übernehme sie. Ich möchte emporsteigen. Ich möchte die FIFA neu gestalten, damit ich am Ende meines Mandats eine solide FIFA weitergeben kann, eine FIFA die den Sturm überstanden hat“, sagte Blatter. Der Schweizer versprach die Einführung einer FIFA-Abteilung für Profifußball - das war eine Attacke gegen Platini, der mit der Champions League dieses Feld bislang beherrscht.

Vor der Wahl hatte Blatter die Verantwortung für den jüngsten Korruptionsskandal mit Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich inklusive seiner Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo auf Einzelne geschoben. „Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation.“ Der Schweizer forderte angesichts des größten Bebens in der FIFA-Geschichte ein aktives Mitarbeiten der Mitglieder. „Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken.“

Die Kooperation aus Europa dürfte sich in Grenzen halten. Platini hatte einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Eine weitere Option ist der kollektive Austritt der UEFA-Mitglieder aus dem FIFA-Exekutivkomitee. Diese Themen sollen in der kommenden Woche in Berlin erörtert werden.

Blatter hatte routiniert durch den Kongress geführt. Die diffizile Debatte zwischen den Fußball-Verbänden aus Palästina und Israel endete sogar mit einem symbolischen Handschlag der nationalen Verbandspräsidenten. Die Abstimmung über den Antrag Palästinas für einen Ausschluss Israels blieb Blatter so erspart. „Es liegt an Israel zu helfen und etwas mehr mit Palästina zu teilen“, sagte Blatter zum Abschluss der mehr als halbstündigen Debatte.

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Der palästinensische Verband hatte kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Stattdessen soll nun eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in der Region überwachen. Die FIFA-Mitgliedsverbände stimmten mit 165:18 Stimmen für einen entsprechend kurzfristig geänderten Antrag Palästinas. Und Blatter hatte seinen symbolträchtigen „Handshake for Peace“.

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